Der Maßanzug: Sitzprobe in der neuen E-Klasse (W213)

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Die Modellpflege der Baureihe W212 von Mercedes-Benz vor zwei Jahren war ein eher geringfügiger Schritt nach vorne. Umso mehr beeindruckt der große Schritt, den die neue Mercedes-Benz E-Klasse im Innenraum hinlegt. Bevor die neue Limousine (W213) ihre Premiere auf der NAIAS 2016 in Detroit feiert, luden die Stuttgarter in das neue Interieur ein. Ein Quantensprung, der die E-Klasse gefährlich nah an die S-Klasse bringt.

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Über die Ansicht von außen muss weiterhin Stillschweigen bewahrt werden. Wer sich für das Design der neuen E-Klasse interessiert, muss einfach einen Städtetrip nach Stuttgart wagen und wird mindestens einem getarnten Prototyp über den Weg laufen. Der neue Innenraum bringt die Obere Mittelklasse von Mercedes, die dort gerne schon als Oberklasse bezeichnet wird, auf Augenhöhe mit der aktuellen S-Klasse. Doch in gewissen Details überspringt das neue Modell das luxuriöse Obermaß sogar und bringt insbesondere Chauffeure in der S-Klasse ins Grübeln. Wer sich chauffieren lassen will fährt nach wie vor mit der S-Klasse besser. In jener ist hinten weitaus mehr Platz, mehr Komfort und auch mehr Luxus.

E-Klasse Interieur E-Class Interior

Doch wer sich als Fahrer sieht, der wird sich über das neue Modell mehr freuen. Ein komplett neues Interieur erwartet uns hier, dass sich an der S-Klasse orientiert, diese mittels neuem Schwung, Design und Klasse überholt. Umgarnt wird der Fahrer, wenn die Tür geschlossen wird, durch das „Wrap-Around“ des Armaturenbretts. Je nach belieben lässt sich der Innenraum einrichten wie ein Nadelstreifenanzug oder ein elegantes Wohlfühl-Wohnzimmer mit einem Hauch von Tropenholz. Vier große Luftauslässe thronen mittig über den Dingen. Darunter mag die Verwandtschaft zur C-Klasse erkennbar sein, doch die Mittelkonsole schwingt flacher nach hinten durch.

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Das Touchpad über das samt Drehrad durch das Menü navigiert werden kann ist nicht neu. Nur neu für die E-Klasse und richtig gut in diesem neuen Umfeld. Technisch neu ist hingegen der 2 x 12,3 Zoll große Screen. Klar, die Stuttgarter lassen sich dieses Extra bezahlen (Preis noch nicht bekannt, nur in Verbindung mit Comand Online), doch es lohnt sich. Selbst die Tachoanzeige kann einiges mehr als in der S-Klasse. Ähnlich dem Virtual Cockpit bei Audi, können mehr Informationen wie Navigation oder ähnliches ins Fahrersichtfeld geholt werden. Hier rechnet ein Dual-Core schnell genug, um die fahrrelevanten Daten digital wiederzugeben. Je nach belieben in der klassischen Ansicht, einer eher zukunftsträchtigen mit eingehender Tiefenwirkung oder einer sportlichen Ansicht, welche gelb und rot kombiniert.

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Ohne Rahmen wirkt das riesige Display viel, viel eleganter und hochwertiger als in der S-Klasse. Ein herber Tiefschlag für das Spitzenmodell, doch da wird die Nachbesserung sicherlich nicht lange auf sich warten lassen. Interessanter ist die zweite Hälfte, die ebenfalls 12,3 Zoll Diagonale misst, allerdings von einem Quad-Core Prozessor angetrieben wird. In scharfer Darstellung präsentiert sich allerlei Information, die in ihrer Fülle kaum wiederzugeben ist. Sitze, Navigation, Autoeinstellungen, Media, Radio und vieles mehr wird hierüber verändert. Aus zig verschiedenen Ambiente-Light Farben (64 Farben insgesamt) lässt sich der Innenraum je nach Stimmung einrichten. Auch verschiedene Fahrprofile (etwa für Familien) lassen sich einstellen.

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Besonders intuitiv, verständlich, einfach und zugleich ein komfortabler Schritt nach vorne soll der Innenraum sein. Das Lenkrad kommt unabhängig von der Ausstattung immer mit zwei kleinen Touchpads. Sie ersetzen quasi eine Fünf-Wege-Navigation per Druckknöpfe. Mit Wischgesten kann so durch die Menüs „geswypt“ werden. Die linke Seite für das linke Display und die rechte Seite für eben das rechte Display. Allerdings ist dies nur eine ergänzende Funktion, denn noch stellt sich das Touchpad in der Mittelkonsole als verständlicher heraus. Wahrscheinlich braucht es Zeit hinter dem Steuer, um schnell mit den Wischgesten am Lenkrad zu hantieren. Wenn jene allerdings erlernt sind, steht dem E-Klasse-Fahrer ein enormer Sicherheitsvorteil bevor. Die Hand muss das Lenkrad nicht mehr loslassen, selbst nicht, wenn am Infotainment herumgespielt wird.

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Nicht nur was Gestaltung, Funktionalität und Technik betrifft haben die Stuttgarter aufgerüstet. Auch der Fahrer selbst kann es sich hier ewig gemütlich machen. Ein weiterer Tritt in die Nieren für die S-Klasse ist die aufgewertete Massagefunktion. Die Funktionen als solches sind identisch, doch ein Programm ist neu. Eine das Gesäß aufmunternde. Das belebt den Hintern schon nach den ersten Minuten und wird sich auf langen Fahrten als beliebte Entspannungstherapie durchsetzen, da bin ich mir sicher.

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Einen weiteren Punch in die S-Klasse gibt es noch. Das 23 Lautsprecher starke Soundsystem von Burmester. Über Qualität und Erfahrung von Burmester muss nicht weiter diskutiert werden, die wissen, was sie tun. Der Klang ist phänomenal gut (auf allen Sitzen) und stichelt gegen das Luxus-Ross. Die Feinheiten sind weiter ausgearbeitet, der Klang ist noch vollmundiger, die Charakteristik der Töne ausgefeilter.

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Alleine die Platzierung erweist sich als durchdacht, so kommen beim 3D-Sourrund zwei Dualband Lautsprecher zum Einsatz, welche im Dachhimmel montiert sind. So wird der Klang direkt auf Höhe der Ohren freigesetzt. Die unterschiedliche „Feuerung“ der einzelnen Töne erzeugt auf jedem Sitzplatz den gleichen Klang. So erzeugt Adele’s neuster Song nicht mehr nur Gänsehaut, sondern lässt die Sängerin im Geiste vor uns erscheinen und Live performen. Auf der anderen Seite massiert ein Drum-Solo auch die Rücken der Fond-Passagiere. Jan hat sich ausschließlich mit dem Soundsystem beschäftigt.

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Gut mit allen Extras wird die E-Klasse auch bald so teuer, wie die S-Klasse, doch es lohnt sich. Viel Technik kann auch viele Eigenheiten entwickeln, doch hoffen wir einfach auf wenige bis seltene Aussetzer der hochgezüchteten Technologien.

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Was Audi im TT mit revolutionären Einfachheit gemacht hat, wird bei Mercedes nun mit revolutionärer Funktionalität gekontert. Der Innenraum als solches für den Generationswechsel ist schon ein riesiger Sprung. Die Stuttgarter haben damit allerdings auch die eigene Messlatte neu definiert. Jetzt stellt sich die Frage, wie wollen BMW mit dem 5er und Audi mit dem A6 das beantworten? Jens beleuchtet das Armaturenbrett, sowie das Display nochmal im einzelnen auf mobilegeeks. Das gesamte Cockpit hat er sich auf rad-ab vorgenommen.

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Das Problem der neuen E-Klasse ist wohl der Endkunde. Der durchschnittliche E-Klasse Besitzer versteht sich nicht gerade als „Early Adopter“ oder auch „Smartphone-affin“. Mich freut die Technikflut, es kribbelt unter den Fingern, auch wegen der neuen Motoren. Wie wird sich die Technik im Alltag bedienen lassen, wie gut funktionieren die zwei Mini-Touchpads bei voller Fahrt? Doch, wie kommt der Kunde mit 50 oder 60 Jahren auf der Uhr damit klar? Wird das nicht am Ende überfordern, sodass schlussendlich doch nichts von den optionalen Goodies in der E-Klasse landet und die Limousine quasi als nackte Serienausstattung vom Band rollt? Von Markus gibt es den geschärften Mercedes-Blick auf mb-passion.

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Text: Fabian Meßner, Fotos: Daimler AG

8 Gedanken zu “Der Maßanzug: Sitzprobe in der neuen E-Klasse (W213)

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