Kein zahmes Kätzchen: Jaguar XE S im Test

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Es ist ein ewiger Kampf in der sportlichen Mittelklasse und allen wollen sich mit dem BMW 3er messen. Jedes Jahr auf ein Neues kommt mindestens einer und fordert den Primus heraus, so auch der Jaguar XE S. Teils nutzt die Katze mit der ZF 8HP45 8-Stufen-Automatik sogar das gleiche Getriebe, wie der BMW. Preislich macht es kaum einen Unterschied, ob man sich für einen Jaguar XE S oder den BMW 340i entscheidet, denn nur auf den ersten Blick ist der Bayer günstiger, bekanntermaßen kostet jedes Extra einen saftigen Aufpreis.

Jaguar XE S Heckansicht

Der ewige Kampf gegen den BMW 3er

Deutsche und Englische Magazine können in diesem Vergleich kaum objektiv berichten, daher ist es umso interessanter, dass die Amerikaner die Katze vorne sehen. Aufgrund welches Faktors? Der ist fast schon belustigend, denn scheinbar ist (in der US-Version) die ZF Automatik im Jaguar XE S feiner, sportlicher und auch irgendwie homogener abgestimmt als im direkten Vergleich mit dem Vorgänger des BMW 340i – damals noch mit 335i M Sport.

Jaguar XE S: Mittelklasse trifft Sportwagen

Der Jaguar XE S borgt sich den 3,0-Liter V6 Kompressor des F-Type, allerdings „nur“ die Basis-Version. So schreit und faucht der V6 Kompressor nur bedingt und im Bereich der roten Drehzahlen, wenn der Gangwechsel ausbleibt. Scheinbar war man in England eher darauf bedacht einen zurückhaltenden Sound zu generieren und nicht die schiere Aggressivität des F-Type Orchesters zu übernehmen. Schade eigentlich.

Jaguar XE S Abgasanlage

Fast schon parallel schieben sich Jaguar XE S und BMW 340i mit 5,1 Sekunden auf dem Datenblatt in Richtung 100 km/h. Vorteil für den Bayer, sein Turbolader hält das maximale Drehmoment von 450 Nm zwischen 1.380 und 5.000 Touren auf einem Plateau. Der Peak im XE S kann nur kurz auf 4.500 U/min bei 450 Nm gehalten werden, so gelingt der Zwischenspurt im Bayer immer schneller.

Jaguar XE S Seitenlinie

Ein vorzügliches Cockpit

Was der Katze positives abzugewinnen ist, zeigt sich im Innenraum. Das unorthodoxe Wrap-Around-Design wird durch die tief positionierten Ausströmer perfektioniert. Alleine der Einstieg lässt keine typische, langweilige Mittelklasse-Limousine vermuten, sondern den Einstieg in eine flach geschnittene sportliche Erscheinung aus England. Zwar umfassen die Sitze nicht so eng, wie im F-Type und die neue elektromechanische Lenkung ist nicht annähernd so direkt wie die alte Technik in allen anderen Jaguar-Modellen. Doch die Gesamterscheinung ist auf Sport getrimmt und das deutlich mehr, als im Bayer.

Jaguar XE S Cockpit

Jaguar XE S rotes Leder

Das Problem im Jaguar XE S: die EPAS-Lenkung

Egal ob man nun den Reihensechser mit Turboaufladung oder den V6 mit Twin-Vortex-Kompressor als Antrieb bevorzugt. Die 8-Stufen-Automatik ist im Jaguar XE S feinfühliger und ruhiger abgestimmt. Selbst im Modus Dynamisch wird der Staffelstab gefühlvoll und kaum bemerkbar an die nächste Raste übergeben. Da werden die Gänge nicht reingeknallt, sondern wie von einer sanften, warmen Frauenhand an die andere weitergereicht. Was beim Jaguar XE S allerdings trotz des feinen Fahrwerks bestehend aus Aluminium Doppelquerlenker vorne und Integral-Hinterachse, ebenfalls vollständig aus Aluminium, negativ ins Gewicht fällt ist die erste elektromechanische Servolenkung in einem Jaguar. Die kurz EPAS genannte „sparsame“ Lösung, spart auch an direktem Lenkgefühl und Fahrfreude ein. Verglichen mit der „alten“, wohl aber sehr direkten, Lenkung im F-Type fehlt der EPAS die Emotion, die eine Sportlimousine verdient. Selbst im dynamischen Modus ist die Lenkung nicht so akkurat, wie im Sportwagen aus England. Ein wenig mehr Gewicht in der Lenkung und weniger Spiel würde schon viel bewirken.

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Zusammengefasst ist der Jaguar XE S eine sportliche Erscheinung, mit Kraftreserven, welche die Katze auf 250 km/h beschleunigen. Mit viel Gewalt und bei Verzicht auf jegliche elektronische Hilfe fährt die Katze auch quer, doch es macht sich schnell bemerkbar, dass sie das eigentlich gar nicht will. Das gehört sich nicht für einen englischen Gentleman.

Jaguar XE S Scheinwerfer

Video-Fahrbericht des Jaguar XE S

Als Ergänzung: Video-Fahrbericht zum Jaguar XE 20d

Jaguar XE S

V6-Motor (längs) 2.995 cm³ (Roots-Twin-Vortex-Kompressor)
340 PS bei 6.500 U/min
450 Nm bei 4.500 U/min
5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 250 km/h
Kombinierter Verbrauch 8,1 l/100km (CO2: 194 g/km)
Testverbrauch 10,2 l/100km
Modellgrundpreis 55.100,00 Euro
Testwagenpreis 63.010,00 Euro

Text/Fotos: Fabian Meßner

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