Das andere SUV: Lexus NX 200t F Sport im Fahrbericht

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Wer sich ein Kompakt-SUV zulegen möchte, der kann wahrlich nicht meckern, was die Auswahl angeht. Nahezu jeder Hersteller bietet ein solches Fahrzeug an, fast ausnahmslos auch optional mit Allradantrieb. Auch Lexus startete im letzten Jahr mit dem NX 300h in dieser Kategorie durch. Mit dem Lexus NX 200t baut die Toyota-Tochter auch einen Antrieb in das Kompakt-SUV, welcher hierzulande durchaus gute Chance hat: einen 2,0-Liter Turbomotor mit 238 PS.

Preislich bewegt sich der Lexus NX 200t ziemlich genau auf dem Niveau des BMW X1, auch von den Abmessungen kommen sich die beiden sehr nah. Bei beiden Modellen wird das Wort „Kompakt“ inzwischen deutlich weiter gedehnt, als man es sich im normalen Wortschatz vorstellt. Eine durchschnittliche Parklücke ist voll und ganz ausgefüllt, kein Wunder bei einer Länge von 4.630 mm.

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Dafür streckt sich das „Kompakt-SUV“ auch innen, was den Fondpassagieren etwas mehr Raum darbietet. Die Kabine ist Lexus-typisch etwas eigen und so in keiner Form mit der anderen Premium-Konkurrenz zu vergleichen. Gar etwas zackig im Querschnitt sitzt der Bildschirm auf der Mittelkonsole etwas weiter weg, während die Knöpfe für die Sitzheizung und Klimaanlage in der Art eines Unterbisses näher zu den vorderen Sitzplätzen kommen. Darunter sitzt die Steuerung für das Radio und ein CD-Schlitz. Abschließend schwingt sich die Form noch steil abwärts hinunter und präsentiert den Automatik-Wahlhebel, sowie das Touchpad und einen kleinen herausnehmbaren Schminkspiegel. Eben voll am Puls der potentiellen Käufer.

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Diese wollen auffallen, einmal durch den Wagen und zum anderen durch das Make-up. Am Lexus NX muss nichts abgedeckt oder verschönert werden, er hat sein ganz eigenes Make-up und fällt auch ohne roten Lippenstift auf. Die Augen sind der Blick-Fokus des NX, es fällt schwer von diesen abzusehen. Weiter schweift der Blick über die üppigen Hüften hin zum Hinterteil, welches ebenso eine exotische Schönheit verkörpert, die weit gereist ist, um uns hier zu begeistern.

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Emotional betrachtet bringt der Lexus NX etwas mehr Farbe in die inzwischen eher einheitliche Gestaltung der Kompakt-SUVs. Da jeder Hersteller unbedingt eines im Portfolio haben muss, scheint es schwer zu fallen, das Rad noch neu zu erfinden. Mit vielen, gar sehr vielen Ecken und Kanten, tiefen Sicken und harten Formen spielt der Lexus NX in seiner ganz eigenen Liga. Eine „Verwechsel-Problematik“ mit anderen Modellen kennt der NX-Besitzer eher weniger.

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Der Kern des NX 200t ist der erste Benzin-Turbomotor der Marke Toyota. Technisch innovativ läuft der 2,0-Liter Turbomotor im niedrigen Lastbereich im Atkinson-Zyklus, bei höheren Lasten wechselt er in den gewohnten Ottomotor-Zyklus. Mit anderen Worten, unten herum fährt sich auch der Turbomotor im NX wie ein Lexus mit Hybrid-Antrieb, erst bei hohen Drehzahlen kommt der kraftvolle Turboeinsatz zu tragen. Der ist dabei zudem äußerst aufwendig im Sound „wegreduziert“, um keine störenden Pop-off Geräusche zu erzeugen gibt es ein entgegen wirkendes elektrische Bypass-Ventil. Im NEFZ bewegt sich der Lexus NX 200t mit knapp einem Liter etwas durstiger als beispielsweise der zu vergleichende BMW X1 xDrive25i. Um den 7,9 l/100km auch nur Nahe zu kommen ist die volle Ausschöpfung des Eco-Trainers und ein leichter Gasfuß notwendig. Die je nach Ausstattung bis zu 1.935 Kilogramm schwere Allradvariante benötigt im Alltag ziemlich exakt zehn Liter auf 100 Kilometer.

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Der Motor selbst arbeitet im NX auch unter seinen Möglichkeiten. Aus einem Sicherheitsaspekt heraus (wohl wegen Gewicht und komfortabel ausgelegtem Chassis) fährt der NX nur 200 km/h schnell. Warum dem so ist, lässt sich ganz einfach nachvollziehen: bei 190 km/h besitzt der NX eine angenehme und sichere Fahrlage, doch nur zehn km/h mehr auf der Uhr und die Welt dreht sich. Ein unwohles Gefühl macht sich breit, teils wird der NX sogar leicht (federt fast komplett aus) und schwankt sehr stark.

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Wenn sein Hauptaufgaben-Gebiet, wie bei allen SUVs, im urbanen Transport liegt, ist es nur ein kleines Manko. Ein gerade in der Stadt etwas größeres Problem ist dahingegen die langsamste Heckklappe der Welt. Während diese am NX elektrisch auf und zu klappt, lassen sich teils ganze Wikipedia-Artikel studieren. Auf der positiven Seite kommt der NX mit einer induktiven Ladeschale für Smartphones, die nicht dem Apfel-Hype unterliegen. Zudem zeigt das Head-up Display klar die wichtigen, fahrrelevanten Infos an, als auch mal die aktuell veränderte Volumina des Radios.

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Ob solche Spielereien, wie ein G-Monitor oder die Ladedruck-Anzeige im NX F Sport wirklich notwendig sind bleibt den Historikern überlassen. Im schwierigen Umfeld der Massenabfertigung von Kompakt-SUVs kann der NX einen extravaganten Auftritt vorweisen. Der Motor macht ihn auch für typisch deutsche Käufer interessant und die kleinen Gimmicks, die sonst kaum einer hat, heben ihn weiter von der Konkurrenz ab. Einzig die Heckklappe hat mich echt teils in den Wahnsinn getrieben.

Lexus NX 200t F Sport

Reihenvierzylinder (quer) 1.998 cm³ (Turbolader)
238 PS bei 4.800 – 5.600 U/min
350 Nm bei 1.650 – 4.000 U/min
7,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 200 km/h (elektr. Abgeregelt)
Kombinierter Verbrauch 7,9 l/100km (CO2: 183 g/km)
Testverbrauch 8,4 – 10,9 l/100km
Modellgrundpreis 54.450,00 Euro
Testwagenpreis 60.700,00 Euro

Text/Fotos: Fabian Meßner

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