Mein neues Wohnzimmer hat vier Räder – CLS 350 CDI Shooting Brake

MB CLS Shooting Brake im Weinfeld

Flughafen Florenz. Samstagmittag: Touchdown bei besten Temperaturen oberhalb der 25° Celsius. „Welchen hätten Sie denn gern?“ – die Wahl stand schon vorher fest – „den 350 CDI bitte“. Clever, wie ich eben bin, habe ich mir schon vor der internationalen Pressevorstellung des Mercedes-Benz Shooting Brake so meine Gedanken gemacht, Ergebnis, der große Diesel müsste der beste Motor dafür sein und Überraschung, ich habe so was von ins Schwarze getroffen.

Da steht er, mein Spielzeug für diesen sonnigen Tag in der Toskana, farblich schon mal eine gute Wahl in „Cupritbraun“, das Interieur, hell, sehr hell, namens „mandelbeige“. Schmutzanfällig, wenn man so will, gut das ich am Morgen extra noch eine frische Hose, passend zum beigen Lederbezug und den dunklen Hölzern mit Klarlackbeschichtung, angezogen hab. Im Navi eingecheckt, Schlüssel gedreht und schon faucht der Sechszylinder kurz auf. Ein Diesel? Geiler Klang für einen Diesel. Bei geschlossener Tür stellt sich schnell heraus, dass nur ganz bestimmte Resonanzen bis in den Innenraum geleitet werden, da werden die Soundakustiker aber einige Nachtschichten für eingelegt haben.

MB CLS Shooting Brake Schrägansicht

Erstmal vorsichtig aus dem Parkplatz herausgerollt, nicht gleich in der ersten Minute negativ auffallen. Ein bisschen an die Siebengangautomatik und den kernigen Diesel mit dem monströsen Drehmoment gewöhnen. Ganz gemütlich auf der Autobahn dahingleiten – ein Traum. Ein absoluter Traum. Wie soll ich nach so einem entspannten und angenehmen Reisegleiter – auf italienischen Straßen wohlgemerkt – wieder in ein „normales“ Auto steigen? Diese Frage verfolgt mich nun schon seit den ersten Kilometern mit dem 4,96 Meter langem Kunstwerk und das Distronic Plus macht die Sache nicht gerade einfacher. Wer braucht bei so viel sinnvoller und gut umgesetzter Technik eigentlich noch einen Chauffeur. Das ist für mich schon First Class reisen hinter dem Lenkrad.

Distronic Plus im MB CLS Shooting Brake

Die Ecolevel-Anzeige steht bei 88 %, mal wieder super grün unterwegs, da schau an die erste schöne kurvige Landstraße. Die Dämpfer auf Sport, den Eco-Modus aus und den Sportgang eingelegt. Plötzlich scheint der Sechszylinder aus dem Tiefschlaf erwacht, das Drehmoment von 620 Nm drückt mich in den Sitz, gut das Sitz mitdenkt und passend zu der Kurvenlage die Nieren aufpumpt und mich so ideal im Sitz hält – da ist nicht mehr viel Luft nach oben zum CLS 63 AMG Shooting Brake (700 Nm). Die 1,9 Tonnen Lebendgewicht (ohne Sonderausstattung) lassen sich fast so einfach wie ein kleines Sportcoupé durch die Toskana treiben, auch das Heck tänzelt aus langsameren Kurven heraus gerne mal kurz mit. Noch nie in meinem Leben habe ich einen so sportlichen, agilen und zugleich extrem sparsamen Diesel gefahren, der Platz für fünf Personen und locker drei vier große Koffer und mehr Platz bietet.

MB CLS Shooting Brake Seitenlinie

Auf der sehr kurz und informativ gehaltenen Pressekonferenz hat mir zudem, neben dem Fakt, dass Mercedes den Shooting Brake vor dem Porsche Museum abgelichtet hat, auch noch die Aussage „Geizen beim Verbrauch“ zum Schmunzeln verleitet. Ja, das können die Schwaben besser als alle anderen, geizen und sparen bis zum abwinken. Und so hat mich persönlich der Verbrauch fast vom Sofa, ah nicht das Sofa, der Fahrersitz war’s, liegt so nah beieinander, gehauen. Selbst im Nicht-Schongang konnte ich die acht Liter Grenze nicht knacken, auch nur ganz knapp hat der 350 CDI sie mit 7,9 Liter/100 km wenn überhaupt nur gestreift. Bei moderater Fahrweise wird das zudem noch etwas extremer, da kann dieses nicht gerade kleine Coupé mit vier Türen und Kofferraum mit im Schnitt knapp 6,5 Liter bewegt werden. Konkurrenzlos!

Innenraum des MB CLS Shooting Brake

Das bereits angesprochene Wohnzimmer, die Lounge, das Cockpit, ist zwar in dieser Preisklasse so etwas wie Standard, aber dennoch beeindruckend. Die Harman & Kardon Anlage ist ein O(h)rgasmus. Diese Klang, wie in einer Konzerthalle, egal ob chillige Lounge Musik oder mit wummerndem Beat durch die Innenstädte. Diese Anlage ist mit ihren 14 Lautsprechern und 610 Watt Leistung nichts für die Parkplatz-Partyies, diese Anlage ist für Musikgenießer gemacht. Klar können auch neugierige Zuschauer beschallt werden, doch so einen Sound teilt man nur mit den besten. Seinen Mitfahrern.

Mein einziger Kritikpunkt, der vielleicht auch etwas pingelig erscheinen mag, ist die meines Erachtens für das Leergewicht schwache Bremse. Auch wenn das Gewicht sonst absolut nie zu spüren ist, auf der Bremse macht sich doch wieder bemerkbar, dass hier kein Leichtgewicht bewegt wird. Wiederum ist es aber auch nicht die Bremse an sich, sondern ihre Dosierung, die mir auf den ersten Metern auf den kurvigen Landstraßen etwas schwierig gefallen ist, denn für optimale Verzögerung muss die Bremse fast durchgedrückt werden. Davon abgesehen wird es in Zukunft schwierig werden andere Autos in Relation zu setzen, denn das war definitiv „Upper Class“. Der Motor zusammen mit der Ausstattung und der Möglichkeit 590 Liter Ladevolumen zu füllen, das sind Benchmarks an denen sich die Konkurrenz in den kommenden Jahren messen muss und wohl auch den einen oder anderen Zahn ausbeißen wird.

Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner

CLS 350 CDI BlueEFFICENCY Shooting Brake

V6 Diesel 2.987 cm³ (Euro 5)
265 PS bei 3.800 U/min
620 Nm bei 1.600 – 2.400 U/min
6,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 250 km/h (elektr. Abgeriegelt)
Kombinierter Verbrauch 6,1 l/100km
Testverbrauch 7,3 l/100km
Grundpreis 65.628,50 Euro

Was die Kollegen zum CLS 350 CDI Shooting Brake sagen:

CLS 350 CDI Shooting Brake – Rennrad – Check: Passt in den Kofferraum!

Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner