Flow-Rider: Flüssiges Syrup für deutschen Pfannkuchenteig

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Autofahren in einem Land, in dem die automobile Fortbewegung zu den Grundrechten zählt. Ein Traum. Herrlich. Ich bin noch nie entspannter Auto gefahren, auch wenn es auf den endlosen Straßen manchmal einsam werden kann und nur noch selten ein anderes Fahrzeug den Weg kreuzt.

Proviant einkaufen stand als erstes auf der Liste, welches es abzuhaken galt – den Mustang ordentlich mit Wasser und Snacks vollladen; da auch direkt die erste Überraschung. Auf diesen Parkplätzen kann sogar ein kleiner LKW gemütlich einparken. Nicht nur, dass die Parkfläche mehr als ¾ der angezeigten Fläche auf Google Maps einnimmt, nein auch die Größe der einzelnen Abschnitte ist enorm. Ein als „Compact Only“ gekennzeichneter Parkplatz wäre in unseren Großstädten schon purer Luxus. Kein Wunder, dass gut jeder dritte Amerikaner einen „Truck“ fahren kann – gemeint sind die großen Pick-Up-Trucks, die gerne auf der Hinterachse auch schon doppelt bereift sind.

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An den schönsten Sehenswürdigkeiten, wird dafür, wie auch bei uns, abkassiert. Sind Parkuhren montiert, dann weißt du wenigstens woran du bist. Ein paar Quarter reingeworfen und die Karre darf für einen Moment stehen bleiben. Nach Ablauf der Zeit kann es dann auch sein, dass du nicht nur einen Strafzettel bekommst, sondern auch direkt abgeschleppt wirst. Ähnlich erging es Freunden von uns, die sich noch ein zweites Mal den Santa Monica Pier ansehen wollten, ihr Auto in einer farblich gekennzeichneten Parkzone abgestellt haben (hier gibt es keine Parkuhren, wir haben auch nicht rausbekommen, wie dort gemessen wird) und nach nur wenigen Minuten schon ein saftiges Parkticket in Höhe von $73 US-Dollar an der Scheibe hing. Und wer sich erhofft, bei Regen die Gebühren zu sparen, der lebt gefährlich, denn anders als bei uns, wo die Politessen bei Regen nicht einen Fuß vor die Tür setzen, fährt der amerikanische „Parking Enforcer“ in seinem überdachten Dreirad samt Gelblicht auch im Regen Streife.

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Fährt man hingegen nur durch die Innenstadt gibt es einen Kulturschock. Voll ist es wie Zuhause auch, aber es fließt. Und das relativ flüssig ohne weitere Probleme. Teilweise kommen in 25 mph-Zonen sogar kilometerlange Grünphasen zustande. Die gerasterte Anordnung der Straßen macht Sie zum einen extrem lang, aber auch sehr einfach zu finden und schon nach kurzer Zeit ist auch der Tourist mit dem System vertraut.

Irgendwann stand er an, der gefürchtete erste Stopp an einer der vielzähligen Tankstellen. Wobei, die Angst war uns beim Anblick der Preise sofort genommen. Geradezu lächerlich. Was sich wohl amerikanischen Touristen beim Anblick unserer Spritpreise denken? Für lachhafte $3.19 US-Dollar die Gallone haben wir den Mustang das erste Mal wieder volllaufen lassen. Zur Erklärung eine Gallone entsprechen 3,78 Liter. Das wäre ein Literpreis von unter einem Dollar, was das nun umgerechnet in Euro ist, davon will ich gar nicht erst anfangen. Die Schwierigkeit, die wir hingegen hatten war das Tanken selbst, dies verläuft komplett anders als gewohnt.

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Es gibt nur genau einen Zapfhahn, es sei denn es kann auch der teure Dieseltreibstoff (ca. 20% teurer als Normalbenzin) getankt werden. Ein Zapfhahn und nur drei Wähltasten entscheiden, was extrem langsam in den Tank läuft. Wirklich läuft, nicht gepumpt wird. Tanken, insbesondere Volltanken benötigt in den USA etwas länger als bei uns. Gezahlt wird im Voraus, so wird Diebstahl direkt unterbunden, sollte man sich jedoch verschätzt haben, gibt es auch das Restgeld wieder zurück.

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Mit vollem Tank ging es auf die endlosen Straßen, die abseits der Interstate oder den Freeways nur selten von Zivilisation gezeichnet sind. Dadurch das alle auch ziemlich dieselbe Geschwindigkeit fahren, kommt abseits der eindrucksvollen Landschaft wenig Spannung auf, ohne unterhaltsamen Beifahrer stellt sich schnell ein wenig die Müdigkeit in den Augen ein. Aber aufgepasst, selbst auf Freeways kann einfach mal so ein Stopp-Schild auftauchen,  vorher wird der aufmerksame Fahrer durch ein „Freeway Ends“ vorgewarnt. Stopp-Schilder sind auch etwas ganz anderes, und wie ich finde um Längen besser gelöst als bei uns, denn es gilt nicht „Rechts vor Links“ sondern „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sprich wer als erstes hält darf auch als erstes wieder weiterfahren, quasi nach numerischer Reihenfolge. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass dieses System bei vier an der Kreuzung stehenden Fahrzeugen deutlich besser funktioniert als unser „Krieg der Sterne“-System (Was sind vier Daimler an einer Kreuzung, wer den Witz nicht kennt). Auch an riesigen, vierspurigen Kreuzungen in der Innenstadt funktioniert das System (Ampel war ausgefallen). Was damit Hand in Hand geht ist wohl das, „ich darf so gut wie immer rechts abbiegen“-Recht, dass nur an gefährlich einzustufenden Kreuzungen durch ein „No Right Turn On Red“ eingegrenzt wird. Und welch‘ Überraschung auch das funktioniert deutlich besser als bei uns.

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Unbegrenzte Geschwindigkeitszonen? Pedal to the metal? Nicht in den USA, jedenfalls nicht auf öffentlichen Straßen. 70 Meilen pro Stunde (112 km/h) – für einen kurzen Moment waren einmal magische 85 Meilen (136 km/h) erlaubt – sind maximal erlaubt. Wehmut? Keinesfalls, warum rasen, wenn ich sauber durch den Verkehr fließen kann und dadurch wohl auch schneller voran komme als für die gleiche Strecke auf einer vollgestopften deutschen Autobahn, auf der jeder meint einen Kilometer pro Stunde schneller fahren zu können als der andere. Raser gibt es dafür auch in den USA und die fahren nicht etwa Mercedes, Audi, BMW oder gar Porsche, nein die fahren Prius! Schwer zu glauben, aber die ökonomisch-orientieren Toyota Prius-Fahrer haben einen Bleifuß. Es gab kein Auto das uns mehr verblasen hat, egal ob Stadt oder Interstate. Aber auch die „Big Trucks“ alias LKWs sind nicht zu unterschätzen, dürfen sie doch eigentlich nur 55 Meilen auf dem Tacho (88 km/h) haben, steht die Nadel doch meistens auch bei 65 Meilen pro Stunde (104 km/h), wie bei allen anderen auf der Interstate.

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Weil alle mehr oder weniger das gleiche Tempo fahren, ein wenig Abweichung von etwa zwei, drei Meilen gibt es doch immer wieder, entsteht ein sehr schöner „flow“, besser gesagt Verkehrsfluss. Auf über 2.200 Meilen waren wir nie in einen Stau geraten, abgesehen von der Rush Hour in Las Vegas. Einen Stau nach Los Angeles rein konnten wir geschickt durch die „Car Pool Lane“ umgehen. Eine der besten Erfindungen, was die Amis da haben. Zu mind. zweit im Auto darfst du die ganz linke Spur nutzen – da viele Amerikaner meistens alleine im Auto unterwegs sind, ist die Spur immer befahrbar – und an allen vorbei brettern, die nun stehen müssen. Ähnlich verhält es sich mit der „Express Lane“, da geht es auch etwas schneller zu – auch ohne Beifahrer. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es nun rechtens ist, aber durch diesen „flow“ bei dem alle circa dieselbe Geschwindigkeit haben, wird auch viel rechts überholt. Auch dadurch bedingt, dass die rechte Spur meistens freibleibt, um den auf die Interstate auffahrenden genügend Platz zum einscheren einzuräumen. Sehr kollegiales Verhalten, was sich uns da dargeboten hat. Purer Luxus aber auch ein Must-Have ist die „Exit Only“-Lane, die bereits teilweise fast eine Meile (1,6 km) vor Ausfahrt anfängt und so frühzeitig die Ausfahrenden ableitet. Für Kurz-Entschlossene gibt es aber auch noch eine zweite Lane daneben die in die Ausfahrt übergeht aber dennoch gleichzeitig auch auf der Interstate weiterführt.

Als Touristen sind wir auch immer wieder ein Hindernis, selbst wenn wir uns an die etwas überhöhte Geschwindigkeit auf dem einspurigen Freeway (+70 mph) angepasst haben, kam doch hin und wieder jemand und setzte zum Überholen an. Was an diesem Punkt in Deutschland nur zu 1% funktioniert klappt hier jedes Mal: die Möglichkeit zum Überholen für den Hintermann durch das Blinken anzeigen – schaut euch das mal bei den LKWs an. Kaum angezeigt, dass frei ist, zieht der nächste rasende Prius raus und summt davon.

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Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner

3 Gedanken zu “Flow-Rider: Flüssiges Syrup für deutschen Pfannkuchenteig

    • Korrekt! So muss das sein :) Schade, dass es bei uns keine auch annährend vergleichbare Straßen gibt.

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