Kfz-Direktversicherungen: Welche Konsequenzen nach einem Schaden drohen!

Scion FR-S Crash

Wir alle fahren Auto, lieben unser Schätzchen auf vier Rädern und gehen in der Regel davon aus, dass nie etwas passieren wird. Für den Fall, dass doch etwas passiert fängt uns die Kfz-Versicherung wieder auf, begleicht den Schaden und schickt uns hinterher einen Brief, indem steht um viel sich die monatliche oder jährliche Zahlung erhöht. Doch es geht auch ganz anders, wie Christian Ulrich in diesem Gastbeitrag über Kfz-Direktversicherungen schreibt.

Christian Ulrich beschäftigt sich schon seit 2001 als Makler mit Versicherungen und deren Konsequenz. Auf seiner Seite 1st-Broker.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge zum Thema Versicherung, Finanzierung und allerlei Themen rund ums Geld. In diesem Fall stellt er einen aktuellen Fall einer Kundin vor, die aufgrund eines Schadensfalls aus ihrer Kfz-Versicherung geschmissen wurde bzw. nur zu einem deutlich teureren Kurs gehalten werden konnte.

Die Zeit ist günstig: Kfz-Wechsel als Volkssport!

Gerade zum Ende des Jahres hin bewegen sich im wahrsten Sinne des Wortes Heerscharen auf der Suche nach der günstigen oder besser ausgedrückt, nach der günstigsten Kfz-Versicherung. Die Portale werden durchforstet; der Preis stets fest im Blick! Wann und warum dieses Vorgehen zum heißen Eisen wird?!

Spiel mit dem Feuer

Zu welch abstrusen Resultaten dieser (Preis-)Wettbewerb unter den Gesellschaften führt ahnen Wenige, wie dieser exemplarische Fall zeigt. Es ging zwar eine Zeit lang gut – bis, ja bis der erste Schaden bei der Versicherung gemeldet wurde. Nachdem dieser abgewickelt wurde, kam die Hiobsbotschaft per Einwurfeinschreiben.

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Der Kfz-Versicherungsvertrag wird zur nächsten Hauptfälligkeit gekündigt. Da tröstet selbst nicht der weitere Hinweis auf die Fortführung zu deutlich höheren Konditionen.

Der Kunde ist sauer und erbost: Zurecht?!?

Ja, ich kann den Unmut nachvollziehen und gleichzeitig nein, wenn man versucht die wirtschaftlichen Interessen der Versicherungen nachzuvollziehen. Denn genau hierum geht es im eigentlichen Sinn. Gerade der Kfz-Versicherungs- Markt ist so hart umkämpft, dass die Gewinnmargen für Versicherer äußerst gering bzw. schlicht und ergreifend gar nicht vorhanden sind (sogar eklatante Verluste aus dem Geschäftsbereich resultieren, vgl. PwC (2013): Der Insurance Monitor, Ausgabe 1, S. 4). Versicherungsunternehmen bezahlen Vergleichsportalen (sog. Aggregatoren) – im gewichteten – Durchschnitt 77 Euro für jeden neuen Kunden. (vgl. PWC, Der Insurance Monitor, Ausgabe 1, S. 15). Da ist es kaum verwunderlich, wenn sich die mit sehr spitzer Mine kalkulierten Beiträge, früher oder später und insbesondere bei einem Störfall (Schaden, Zahlungsverzug, etc.) unmittelbar auf die Geschäftsbeziehung auswirken.

Die Medaille hat immer zwei Seiten

Wenn Versicherungen sich strategisch zum Ziel setzen, zumindest unter die ersten sieben Plätze kommen zu wollen oder sogar eine TOP-Drei-Position anstreben, versteht sich fast von selbst, dass dort nur Kunden geduldet sein können, die keine weiteren außerordentlichen Kosten verursachen. Denn das würde dem Ergebnis der Versicherung schaden. Eine derartig ausgeprägte Preispositionierung führt unweigerlich zu den Folgen, die den Kunden letztendlich so nicht Recht sein dürften.

Wer die Preisführerschaft anstrebt und dennoch Verluste macht, muss daneben Cross-Selling betreiben, um weiterer Produkte zu verkaufen. Das artet dann soweit aus, dass nicht nur das private E-Mailpostfach überflutet wird, nein auch der heimische Briefkasten wird zur Werbetrommel.

Ja und was soll’s – es gibt genug andere Versicherungen!

Das Kernproblem einer Kündigung durch das Versicherungsunternehmen ist der förmlich fast ausweglose Kampf – mit Ablauf der Versicherung – einen neuen adäquaten Versicherungsschutz zu finden. Im vorliegenden Fall besteht eine Vollkaskoversicherung, die auch nach der Kündigung von meinem Mandanten so unverändert fortgeführt werden soll. Das wird schwierig.

Es gibt zwar einen sog. Kontrahierungszwang gem. § 5 Abs. 3 PflVG, wonach ein Versicherer zur Antragsannahme verpflichtet ist. Der Versicherungsumfang ist jedoch auf die Haftpflichtversicherung mit der gesetzlichen Mindestdeckung (§ 4 PflVG) beschränkt.

Die allg. Annahmerichtlinien der Versicherungen stellen indes die größere Hürde dar. Zeichnungsverbote, z.B. für Fahrzeuge, zu denen der Vertrag vom Vorversicherer gekündigt oder zur Umdeckung freigegeben wurde oder Verträge bei negativer Bonitätsauskunft (Schufa-Eintrag) werden tendenziell nicht angenommen. Ein Verstoß gegen die Annahmerichtlinien zieht regelmäßig die Kündigung bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach sich.

Fazit: Es geht auch anders – und zwar für beide Vertragsparteien!

Schließlich zeigt sich die Güte der Versicherung erst im Schadensfall. Kaufen Sie billig, müssen Sie im Ernstfall mit einem Rauswurf rechnen – mit allen sich ergebenden Konsequenzen. Im Fall der Fälle sollten Sie sich keineswegs animiert fühlen, falsche Angaben im (Neu-)Antrag zu machen. Das würde wiederum eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht nach sich ziehen (§ 19 VVG). Legen Sie also bei der Wahl der Kfz-Versicherung bewusst nicht ausschließlich den Preis in die Waagschale. Sie sollten sich im Vorfeld mit weiteren Fragen auseinandersetzen, z.B.:

Wie stellen Sie sich eine langfristige Geschäftsbeziehung vor oder wie wollen Sie im Schadenfall behandelt werden?
Schließlich gibt es eine Vielzahl weiterer Erwägungsgründe.

  •  Wie schnell wird mir geholfen?
  •  Müssen seitenweise Protokolle (sog. Schadenanzeigen) ausgefüllt werden?
  •  Gibt es einen festen Ansprechpartner?
  •  Ist die Schadenabteilung ausschließlich per E-Mail erreichbar?

Vertrauen Sie im Bedarfsfall auf Ihren Experten oder sprechen Sie mich gerne an. In den letzten 15 Jahren habe ich sehr viel Berufspraxis gesammelt und kann auf einen sehr großen Erfahrungsschatz zurückgreifen; habe eine Vielzahl von Schäden abgewickelt und stehe Ihnen als langfristiger Partner ebenfalls gerne zur Seite. Ich bin bundesweit tätig.

Mit besten Grüßen aus Recklinghausen
Ihr Christian Ulrich LL.B.

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