Wie der FOCUS seine Leser prellt: Emotionslosigkeit beim 911 GT3 RS

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Gefunden im FOCUS Nr. 22/15 vom 23. Mai 2015. Dort steht niedergeschrieben ein Bericht über einen „Renntraum für Puristen“. Vollgepackt mit einem Schlagwort-Bingo für Google glänzt der Bericht von Marcus Efler und Wolfgang Stegers durch nichts. Der Porsche 911 GT3 RS ist ein emotionales, von Puristen für Puristen vorangetriebenes Auto. Welches der Focus-Redakteur auf dem Bilster Berg fahren konnte. Scheinbar saß er in einem Renault Twingo, denn wirklich vom Hocker gehauen hat ihn der GT3 RS wohl nicht.

Abgesehen von diversen überholten Informationen zur Turbolader-Offensive im Basis 911er steckt nichts in diesem Bericht, was nicht auch in der Pressemitteilung zu finden gewesen wäre. Die Beschleunigungsdaten sind ganz wichtig für den FOCUS-Leser, auch etwa die Informationen über den Preis von mindestens 181.000 Euro. Das allerdings bereits alle Serienfahrzeuge des Porsche 911 GT3 RS ausverkauft sind, das scheint den FOCUS-Leser nicht weiter interessieren zu müssen.

Die einzige konkrete „selbst verfasste“ Aussage findet sich im kurzen Fazit: „kompromissloser Sportler für Rennstrecke und freie Landstraße“.

Es fehlt jegliche Info darüber, wie sich die 500 PS auf direkt am Anfang eingeleiteten Bilster Berg verhalten. Wie fühlt es sich an mit dem Auto der „bedrohten Art“ auf der Rennstrecke zu fahren, die 500 PS bei 8.200 Touren auszukosten. Darüber verliert Efler keine müde Silbe. Warum auch? Interessiert doch eh niemand, Hauptsache man weiß, dass er diesen Sportwagen für Puristen auf dem Bilster Berg fahren konnte. Leisten kann sich der FOCUS-Leser diesen Sportwagen ohnehin nicht. Ach und kaufen kann er sich diesen schließlich auch nicht. Obwohl, das wird der FOCUS-Leser nie erfahren.

„Der 6-Zylinder-Boxer ist ein klangvoller Saugmotor alter Schule: Im Leerlauf lässt er ein ungeduldiges Röhren hören, das sich in wenigen Augenblicken zu einem enthemmten Kreischen steigert…“ – hat irgendwer etwas anderes erwartet?!

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Da macht es Freude zu wissen, dass die liebe Industrie wieder mehr daraufsetzen will, die Print-Medien einzuladen. Immerhin scheinen diese Leser zu haben. Oder Praktikanten, die sich die Rücksäcke mit Zeitungen vollladen müssen, damit die Auflagezahlen auch Sinn ergeben. Schade nur, dass man scheinbar das Produkt völlig außer Acht gelassen hat. Ein derart emotionslosen Bericht hat ein Auto für Puristen nicht verdient!

Fotos: Porsche