Teurer Giftzwerg voller Fahrfreude: Audi A1 1.4 TFSI S-Tronic

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In Deutschland verkaufen sich scheinbar nur noch SUVs und Kleinwagen. Letztere finden in Form des Audi A1 1.4 TFSI ihre aufgepumpte Erfüllung. Wer will mit seinem Einkaufswagen nur einfach zum Shopping in die City fahren, wenn es mit 185 PS und einem fein abgestimmten ESP doch auch abseits der Großstadt eine Genugtuung sein kann, Kleinwagen zu fahren?! Wie fährt sich wohl ein solches Anabolika-Citycar?

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Misanrot mit schwarzem Dach und -holmen, mit optischen Schnitten, mehr Ecken und Kanten und Luftauslässen macht der kleine schon auf dem Parkplatz klar: Ich bin kein gewöhnlicher Audi A1. Die Chrom-Doppelendrohre unterstreichen das zudem. Auch wenn es das S-line Paket für alle Modelle gibt: Die Endrohre bekommt nicht jeder. Im Innenraum wird dann endgültig klar, dass hier eine andere Melodie spielt. Die S-line Sportsitze sind aus einem Guss geformt und in schlichtem schwarz beledert. In der Mittelkonsole wartet schon der s-tronic Wahlhebel endlich in den manuellen Modus geschoben zu werden, damit die Hatz starten kann.

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Gebettet in den passgenauen S-line Sitzen, für die ich wohl etwas zu groß gewachsen bin (mit 1,78 m Körpergröße drückt mich die Kopfstütze doch eher etwas schräg nach unter als nach vorne), kann es losgehen. Doch, der Kompressor-Turbo-Vierzylinder will erst behutsam warmgefahren werden, bevor es auf Zeitenjagd geht. Dabei lässt sich auch direkt eines feststellen: Die kleine Rennsemmeln ist extrem agil. Mit eingeschaltetem ESP ist der kleine fast schon schneller zu bewegen als ohne die elektronische Unterstützung. So fein abgestimmt regelt das ESP die Traktion an der Vorderachse, dass noch immer ein Untersteuern regiert, aber keinesfalls unkontrolliertes Schieben über die Vorderräder hinweg. Bei deaktiviertem ESP ist im Prinzip dauerhafter Gummiverschleiß angesagt. Ohne Erbarmen verbrennen bei 250 Newtonmeter Drehmoment die kostspieligen Michelin Pneus. Schlussendlich bevorzuge ich erstmals den ESP Betrieb, denn es nimmt nicht überhand. Bei feinen Lenkbewegungen belohnt es eher mit schneller Kurvengeschwindigkeit als dass es einbremst. Das Sahnehäubchen war die Fahrt auf nasser Fahrbahn. Verdammt nochmal lässt der sich gut in die Kurven werfen. Im Vortrieb übergeben sich Kompressor und Turbolader den Staffelstab so schnell und nahtlos, dass der Fahrer davon nichts mitbekommt. Wie am Schnürchen dreht der Vierender bis zu 7.000 Umdrehungen. Dort steht mittel Doppelkupplungsgetriebe S tronic der nächste Gang schon bereit. Lediglich mit zuckendem Gasfuß lassen Kompressor und Turbo mal das eine oder andere „Lüftchen“ von sich hören.

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Auf nasser Fahrbahn wird aus dem Frontkratzer schlagartig eine ganz andere Art von Auto; gar wie ein Allradler lässt er sich dann bewegen. Im Prinzip war es nur ein Versuch etwas Unruhe in den Fahrzustand zu bringen, die gleichzeitig zur Sucht mutierte. Durch zackige Lastwechsel lässt sich der Über-A1 voller Freude quer bewegen. Ganz ehrlich? Ich war selbst überrascht, was da gerade passierte. Die Überraschung wurde schnell durch ein breites Grinsen ersetzt. Mittels gezielten Gasstößen und Lenkeingriffen zum richtigen Zeitpunkt, geht der Bock quer, zieht sich logischerweise relativ schnell wieder gerade, aber dieses Gefühl des „leichten Fliegens“ in einem Auto mit Frontantrieb zu erfahren, grenzt fast schon an den Visa-unbezahlbar-Slogan. Aber auch abseits der unvernünftigen Fahrweise ist der rote Giftzwerg eine Wucht. Erst spät bis gar nicht tritt ein Untersteuern ein. Und wenn, dann auch nur so, dass es sich durch den Verlust an Vortrieb kennzeichnet, nicht durch ein unkontrolliertes Schieben über die Vorderachse. Durch die Kurven jagen stellt damit kein Problem dar. Lediglich bei vollem Lenkeinschlag benötigt es ein Öffnen der Lenkung und gleichzeitig einen reduzierten Gasfuß, bevor wieder mit Grip voll aus der Kurve heraus beschleunigt werden kann. Und ein nicht unerhebliches Manöver funktioniert auch tadellos: die Rockford-Wende. Wo doch der Platz zum Wenden immer mehr beschnitten wird, kann das schon mal nützlich sein.

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Auch mit extrem viel „Bums“ unter der Haube – so viel, dass sich problemlos ein Porsche auf der Autobahn mit 240 km/h verfolgen lässt – ist der kleine Ingolstädter noch immer ein kleiner Audi A1. Was wiederum heißt, dass ich die erste Reihe vorziehen würde, auch wenn es sich für kurze Strecken mit Sicherheit auf der Rückbank aushalten lässt, ist es in einem Auto dieser Größe nicht mein Wunschsitzplatz. Ebenso kommt der Kofferaum mit einem Boardtrolley und meinen Kamerarucksack schon fast an seine Grenzen. 270 Liter Kofferraumvolumen reichen im Alltag eben doch nur gerade so aus.

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Was Fragen aufwirft: Für ein Auto, welches für den Motor in der Langlebigkeit nicht gerade mit Preisen überhäuft wurde, fehlt ein wichtiges Detail – Informationen! Warum bekommt der A1, der genauso wie Fabia RS und Polo GTI (selbe Motor-Getriebe-Plattform) unter einem hohen Ölverbrauch leidet, keine Öldruck oder zumindest Motoröl-Temperatur-Anzeige spendiert? Ein unabdingliches Tool um auch lange am Auto selbst Spaß zu haben, denn nicht jeder versteht die Theorie des „Warmfahrens“.

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Auch nicht so Recht funken wollte es mit der Bedienung des MMI Systems. Immer wieder war ein deutlicher Nachdruck des Drehwahlknopfs in der Mittelkonsole notwendig. Das können die größeren Modelle ab Audi A3 aufwärts deutlich besser. Auch das „klassische“ Klick-Geräusch der Audi Modelle war enttäuschend: Hier klang alles zu deutlich nach Plastik; so wünscht man sich das in einem Premium-Kleinwagen dann auch nicht. Zum großen Erstaunen war das Gefühl bei der Bedienung der Klimaanlage, wie von Audi gewöhnt, das perfekte Erlebnis. Die Aluminium-Drehwahlhebel, die mit der passenden Akustik klingen, sind so, wie es von einem Premium-Modell erwartet wird.

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Mit dem Fahrwerk, das in der Abstimmung 70% auf Sport legt und die restlichen Anteile dem Komfort zuschreibt, würde ich Innenstädte wie Leipzig weiträumig umfahren. Auch wenn der Zwerg nicht ganz so brutal aussieht, wie sein limitierter quattro-Bruder, ist er dennoch kein gewöhnlicher Einkaufswagen, sondern mehr der Underdog, dem man es nicht direkt ansieht und doch in jeder Unterführung ein kleines Krawall-Orchester abfeiern kann – und ja, dass sorgt für grinsende Fahrer sowie erstaunte Zuhörer.

Weitere Fahrberichte gibt es auf passion:driving und im Autoaid-Blog.

Audi A1 Sportback 1.4 TFSI Ambition S tronic

Reihenvierzylinder (Turbo- und Kompressor Aufladung) (quer) 1.390 cm³
185 PS bei 6.200 U/min
250 Nm bei 2.000 – 4.500 U/min
7,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 227 km/h
Kombinierter Verbrauch 5,9 l/100km
Testverbrauch 6,4 – 8,4 l/100km
Modellgrundpreis 25.600,00 Euro
Testwagenpreis 37.425,95 Euro

Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner

3 Gedanken zu “Teurer Giftzwerg voller Fahrfreude: Audi A1 1.4 TFSI S-Tronic

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