Nürburgring: Einmal Nordschleife und sie lässt dich nie mehr los

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Sechs. Sechs Striche finden sich nun an meiner Wand, auf jeden davon bin ich stolz und jeder weitere pumpt das Benzin in meinen Adern schneller durch die Brennkammern. Obwohl ich zusammen mit Sebastian und Bjoern schon einige Dutzend Runden auf der Nordschleife hinter mir hatte, fühlte sich die Ausfahrt mit meinem persönlichen Instruktor Seb doch ganz anders an, kein Wunder, bin ich bislang nur „unter Aufsicht“ durch die legendären 21 Kilometer und 73 Kurven gerast und gepflügt. Allerdings waren Fahrzeug wie auch Umgebung nur eine Vielzahl bunter Pixel, denn wie kann man sich besser auf eine reale Ausfahrt vorbereiten als in preisgekrönten Rennsimulationen wie Forza Motorsport oder der Gran Turismo-Reihe? Bestes Beispiel dafür, wie realistisch und anspruchsvolle solche Videospiele sein können, verrät ein Blick auf Peter Pyzeras Rennhistorie. Als Gewinner der deutschen GT Academy 2012 genoss der ehemalige Athlet Ende letzten Jahres eine Rennfahrerausbildung und erwarb die wichtige Internationale A-Lizenz, wodurch er zusammen mit zwei weiteren Kollegen, die sich ebenfalls in anderen nationalen Finals durchsetzen konnten, am 24 Stunden-Rennen von Dubai im Nissan 370Z teilnehmen konnte. Die Premiere lief wie geschmiert, es reichte für einen neunten Platz.

Fliehkraft und Querbeschleunigung konnte zwar auch die Simulation akkurat vermitteln, aber die Zentripetalbeschleunigung hatte die Trainingsmöglichkeit nicht auf der Rechnung. Das durfte ich allerdings schon auf einigen Strecken wie z. B. dem Ascari Race Resort selbst erfahren oder zu spüren bekommen, doch die „schönste Landstraße ohne Gegenverkehr“ hatte historisch und technisch bedingt ihren ganz eigenen Reiz. Kurzerhand verabredete ich mich mit Seb in der Nähe der Döttinger Höhe, da er ebenfalls in der Nähe war, und freute mich wie Bolle auf meine erste Fahrt auf der Nordschleife, wenn auch nur als Beifahrer mit gespitzten Ohren. Ich fühlte mich wie der Fahrschüler im Theorieunterricht nur mit ganz schön schnellen Szenarien die nun an mir vorbeihuschten.

Kein Wunder, der große Meister hat schließlich schon mehr als 400 Runden auf dem weltweit berüchtigten Kurs abgespult und ich war gerade inmitten Runde 1. Versüßt wurde der Einstieg in den 98 Oktan-Verblasenden-Drogenkonsum durch die Hinzugabe eines 136 PS-starken Suzuki Swift Stage II, der lediglich um die 850 kg wog und auf den Toyo R888 Semi-Slicks nur so vor Grip strotzte. Ein von Öhlins auf die Nordschleife angepasstes Gewindefahrwerk, ein Vollkäfig, Recaro-Rennschalensitze sowie 4-Punkt Gurte bewirkten, dass ich vor lauter Dopamin und Serotonin-Ausschüttung beide Runden garantiert noch mehr Spaß als Sebastian hatte, auch wenn ich nur auf der rechten Seite Platz nehmen durfte. Ideallinie wie auch Streckenabschnitte rasselten bei jeder Durchfahrt immer wieder durch den Kopf, doch ich muss zugeben, ich war einfach von Sebs Streckenkenntnis und dem Talent komplett platt. Nach der Einführungsrunde legte er eine 08:58:92 (BTG) hin – phänomenal! Sogar ich wusste, dass das verdammt schnell war!

Nach meinen ersten zwei Runden auf dem Ring, waren wir beide tiefenentspannt, in diesem Punkt Sebastian garantiert noch mehr als ich. Wir beschlossen die anderen Touri-Fahrer am Brünnchen stehend noch zu beobachten und den Motoren zu lauschen. Ein Puzzleteil schien sich meinem Leben hinzugefügt zu haben.

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Am nächsten Tag hieß es wieder auf in die Eifel – diesmal allerdings mit offiziellem Vorwand. Nissan wollte schließlich den Nissan Leaf hotlappen lassen, natürlich pilotiert von Peter. Gleichzeitig hieß das für Jens und mich das erste Mal diese Saison (für uns beide) und das erste Mal in meinem Leben selbst über den heiligen Asphalt zu summen. Sausen konnten wir dafür im 370Z, den Peter schon warm gefahren hatte, ein wenig zu warm… und die Restreichweite lag auch nur noch im zweistelligen Bereich. Egal, kurz laufen und  runterkühlen lassen. Ein, zwei Runden würden es noch werden und in der Tat nach nur 48 Stunden weist nun mein Ring-Zähler 6 Runden auf.

Ich habe also Blut geleckt, nicht ganz unschuldig daran sind Sebastian und Axel, die mich schon auf einem der letzten Events mit Ihren witzigen Anekdoten und euphorischen Erzählung über die Nordschleife ganz nervös und sehnsüchtig gemacht haben. Am Sonntag also habe ich schon mal die erste „Dröhnung“ verpasst bekommen – der Rest kommt jetzt nach und nach von ganz alleine, sagte man mir. Gut, dass zur aktuellen Saison die Lady fertig wird :).

Eigentlich hatte ich geplant diesen „ordinary journal post“ schon vor einigen Wochen zu veröffentlichen, doch er geriert ganz in Vergessenheit. Nun sind also knapp zwei Monate in’s Land gestrichen, doch der Anlass für diesen Beitrag aktuell wie nie: die 21. Ausgabe des 24h Nürburgring-Rennens stehen vor der Tür. Das Qualifying samt TOP40 ist schon durch und ich freue mich riesig heute mit einen ganzen Schar von (internationalen) Kollegen das unglaubliche Spektakel live mitzuerleben. Natürlich werde ich für Nissan meine Däumchen drücken, so geht schließlich der Nissan GT-R GT3 von Schulze Motorsport von Position 26 in’s Rennen. Die fahrende Sprecherkabine ist auch wieder mit von der Partie – die besten Updates bekommt ihr direkt vom Sebastian, der als „Embedded Blogger“ in der Boxencrew 24 Stunden lang die Ärmel hochkrempelt und schwitzt, um den Nismo 370Z über die gesamte Renndauer intakt zu halten.

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Updates zum 24h Rennen findet ihr auf twitter und Instagram unter dem Hashtag #N24h. Alle Infos zu den Nissan-Fahrzeugen im Feld werden mit #nismo ausgegeben. Wir bringen euch natürlich auch stündlich Updates auf allen Kanälen.

Eine sehr ausführliche Linkliste zu allen Themen des Rennens wie Livestreams, Rankings etc. findet ihr wie jedes Jahr bei Mike.

2 Gedanken zu “Nürburgring: Einmal Nordschleife und sie lässt dich nie mehr los

    • Du wirst mit einem 400 PS Porsche langsamer sein, als ein geübter Fahrer im 136 PS Swift, der nur dafür ausgelegt ist auf der Rennstrecke zu fahren ;)