60 Jahre, die schöner machen: Die Restauration eines Mercedes-Benz 300 SL W 194

1952 Mercedes-Benz 300SL W194 in der Werkstatt

Als Anfang Januar Mercedes-Benz das 2013er Modell des SL auf der NAIAS vorgestellt hatte (hier der Verweis zu Jans detailiertem Fahrbericht zum neuen MB SL 500 samt awardverdächtigen Fotos), scheute sich Hemmings keiner Mühen, das erste Auto des Sport Leicht-Schlags (so der ausgeschriebene Modellname hinter der Abbreviatur) und damit einer der großartigsten Automobilklassiker in Punkto Design ausfindig zu machen und den großen Familienstammbaum hochzuloben. Allerdings konnte man das erste Modell aus dem Jahr 1952 gar nicht erst auffinden, da es schon vor einigen Jahren von Mercedes-Benz ausrangiert wurde – abgeschriebem vom materiellen Wert war es ja schon Jahrzehnte lang. Doch der ideelle Wert war kaum bezifferbar.

Stattdessen aber haben die Stuttgarter ein ähnlich kostbaren Schatz in Ihren heiligen Hallen unter Verwahrung, nämlich das Modell mit der Nummer zwei (damals wurden die ersten zwei 300 SL übrigens in Rudolf Uhlenhauts Rennwerkstatt handgefertigt, die darauf folgenden Modelle wurden schon als Kleinserie im Werk in Sindelfingen hergestellt)! Glücklicherweise konnte anhand des Fahrzeugs mit der Fahrgestellnummer 194 010 00002/52 der „Geist“ wieder zum Leben erweckt werden, denn Hemmings durfte bei der exklusiven und äußerst aufwendigen Restauration des damit ältesten Mercedes-Benz 300 SL W 194 dabei sein.

1952 Mercedes-Benz 300SL W194 Chassis

Aufgrund der gut erhaltenen Substanz des 60 Jahre alten Prunkstücks, welches offiziell von MB als Ersatz- und Trainingsfahrzeug des Rennteams in der Garage warm gehalten wurde und während der Einsatzzeit nie in einen Unfall verwickelt wurde, konnte das Fahrzeug vollständig in einen fast neuwertigen Zustand versetzt werden. Dabei trugen sich allerdings allerhand Probleme auf, die man evtl. auf unkonventionelle Art im Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach lösen musste. So existiert z. B. der Original-Nitrolack in der Farbe „Silber Bronze“ gar nicht mehr, da er schlichtweg nicht mehr für den Gebrauch freigegeben ist. Aufgrund dessen hat man sich mit dem ehemaligen Hersteller in Verbindung gesetzt um einen fast identischen Farbton auf Wasser basierend für das „Großprojekt Nummer 2“ zu bekommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie ihr unten in der Galerie sehen werdet. Desweiteren musste Karosserieschäden beseitigt und „glattgebügelt“ werden, damit man den Eindruck der einst aus einem einzigen gestanzten Metallbogen gestalteten Außenhülle wahren kann – alle Achtung! Sogar der Motor wurde komplett überholt und wieder so zusammengesetzt, dass er der auf den Zylinderkopf-geprägten Nummer entsprach, der namensgebenden 194. Herleiten ließ sich die Nummer durch den Einbau eines 186ers, der in der Luxuslimousine MB 300 verbaut wurde, allerdings durch Modifizierung der Vergaser und einer Spezialanfertigung der Nockenwelle auf über 170 PS hochgezüchtet wurde, was für die damalige Zeit enorm war. Die 300 im Verkaufsnamen rührt vom Hubraum gemessen in Kubikzentimetern her und steht für ein Zehntel des Volumens. Mehr kann ich leider an dieser Stelle auch gar nicht zum Aufbau des Motors sagen, da mir selbst das Wissen über Oldtimer und vor allem über Vergasermotoren fehlt.

1952 Mercedes-Benz 300SL W194 Innendesign

Auch im Innenraum wurde eifrig geschrubbt, aufpoliert, lackiert und versiegelt: die damals verbauten Aluminiumsitzrahmen wurden mit präzise abgestimmten blauen Tartan-Sitzbezügen ausgestattet, die vor allem den damaligen Verbund von Holz und Aluminium bzw. Metall, wie beim graziösen Holzlenkrad zu sehen ist, unterstreicht und direkt in’s Augen springen lässt. Der Innenraum ist zwar neu bezogen (Sitze, Dachhimmel und Konsole), alle anderen Teile im Interior sind hingegen Originale – ein Traum!

1952 Mercedes-Benz 300SL W194 Fahraufnahme

Nach dem fünfmonatigen Restaurationsaufwand kann sich das fertige Stück Oldtimergeschichte sehen lassen. Ich denke es ist kaum verwerflich solch schöne alten Autos wieder in den Fokus zu stellen, es gibt sicherlich genug Enthusiasten, bei denen das Herz angesichts dieser wunderschönen Behind the Scenes-Bilder höherschlägt. Alte Rostlauben gibt’s genug auf den Straßen, hier diesmal ein echtes Juwel.

Wer sich für weitere Details zum 300 SL W 194, speziell zum restaurierten Modell Nr. 2, interessiert, oder generell Spaß und Begeisterung an Oldtimern hat bzw. jetzt erst findet, der sollte sich unbedingt den ausführlichen Artikel bei Hemmings zu Gemüte führen. Bei Jens findet ihr auch einen sehr ausführlichen Fahrbericht mit ordentlicher Emotionen-Signatur zum 300 SL W 198, besser bekannt als Gullwing, der auf jeden Fall einen Klick wert ist – Gullwing verleiht Flügel ;).

Image courtesy Hemmings Blog | Mercedes-Benz

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