Erste Testfahrt im neuen Porsche Cayenne Turbo

Das der Porsche Cayenne inzwischen weltweit ein wichtiger Eckpfeiler für die Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen ist, zeigt auch der Launch der dritten Generation. Erst die Präsentation am Stammwerk Zuffenhausen auf dem Museumsdach. Danach die weitere Ausbaustufe mit dem Turbo. Und nun lädt man zu ersten Testfahrten auf hochdynamischen Kursen ein. Allerdings vorerst nur zur Mitfahrt. Aber die hatte es in sich.

Senkung des Gewichts unter zwei Tonnen und mehr wäre möglich gewesen

Der neue Cayenne schafft es im Leergewicht knapp unter zwei Tonnen. Eine enorm wichtige Marke, insbesondere wenn man das Ausmaß des großen SUV betrachtet. Und wie wir nun gelernt haben, hätte er noch leichter sein können. Wären da nicht die sehr speziellen amerikanischen Crashtests zu bestehen. Etwa der „Small Overlap“. Dafür hat der Cayenne im Bereich der vorderen Radläufe zusätzliche warmgeformte Stahlteile verbaut. Hätte man auf jene verzichtet wäre der Cayenne zu den bis zu 65 Kilogramm nochmals um 50 Kilogramm leichter.

Die Dynamik, welcher der neue Cayenne Turbo an den Tag legt ist dennoch beeindruckend. Einzig das Popo-Meter darf heute richten. Die Hände müssen vom direkteren Lenkgefühl noch fern bleiben. Vielleicht auch besser, denn die Ingenieure, welche die letzten Wochen, Monaten wenn nicht gar Jahre mit diesem Fahrzeug verbracht haben, wissen ohnehin besser, wie er zu fahren ist. Punkt eins, welcher überrascht ist die Bereifung. Pirelli P Zero ist Standard auf den 21 Zoll Felgen des Cayenne Turbo. Michelin hat keinen passenden Reifen zur Freigabe im Angebot. Zumindest noch.

Cayenne Turbo ab Werk auf Pirelli P Zero

Der P Zero scheint auch eine gute Wahl, insbesondere sein Nassverhalten beeindruckt auf dem Beifahrersitz. Viel zu schnell – gefühlt – fährt der furchtlose Ingenieur in die nasse Kurve. Mein Körper bereitet sich schon auf das bevorstehende Untersteuern und aus der Kurve herausfliegen vor, doch der Pneu arbeitet sich durch das Wasser als wäre der Asphalt nur leicht benetzt und nicht geflutetet. Und am Scheitelpunkt folgt der zusätzliche Kick aufs Gaspedal. Der Turbo schmeißt das Heck rum, geht quer über den trockenen Asphalt und zieht sich erst vor der nächsten Kurve wieder gerade. Ein 30 Meter Drift im Allrad-SUV. Chapeau. Der Dank hierbei gilt nicht nur der Fahrkunst des Ingenieurs, sondern auch der Mischbereifung, wodurch der neue Cayenne (Turbo) noch hecklastiger wird.

Der neue Cayenne Turbo bremst auch mit Airbrake!

Beim Thema Heck fällt vielleicht auch der adaptive Dachspoiler auf. Der bleibt dem Cayenne Turbo (und allem schnellerem was da noch kommen mag) vorbehalten. Dabei hat man die Länge gegenüber einem Cayenne um 46mm vergrößert sowie die Hinterkante des Spoilers um 16,5 mm abgesenkt. Im eingefahrenen Zustand ist der damit aerodynamisch dem Cayenne und Cayenne S im Vorteil. „Länge läuft“. In fünf Stufen kann er dabei ausgefahren werden. Mit maximal 80 mm hilft er bei einer Vollbremsung ab 170 km/h zusätzlich aus. Laut Porsche kann der Bremsweg aus Tempo 250 damit um circa zwei Meter reduziert werden. Beim Thema Bremse fällt auch die neue Grauguss-Scheibe mit Wolframcarbid Beschichtung kurz PSCB auf. Um den Faktor zehn soll die schicke Scheibe den Bremsenstaub reduzieren. Weiterer Effekt, weniger Fading bei konstant hoher Belastung. Sie bewegt sich in der Dauerbelastung auf einem ähnlichem Niveau wie die um zwei Drittel teurere PCCB Keramikbremse. Die hat nur noch den Vorteil des geringeren Gewichts.

Der Cayenne Turbo ist nur von Porsche selbst zu schlagen

In Kurzform bietet der neue Cayenne Turbo mehr Dynamik als zuvor und nicht zuletzt auch mehr als der Wettbewerb. Ein Range Rover SVR könnte ihm vielleicht das Wasser reichen, doch der Engländer spielt, in negativer Art und Weise, in einer ganz anderen Gewichtsklasse. Mit einem Leistungsgewicht von unter 4 kg/PS stellt sich auch gar nicht die Frage, warum es ein Porsche SUV gibt. Weil Porsche es kann. Man schafft es einen 911er in Form eines SUV zu bauen.

Die größte Freude ist und bleibt die Vorfreude. Denn es lohnt sich mit der Bestellung zu warten. Erst Mitte 2018 sind alle technischen Raffinessen für den neuen Cayenne verfügbar. Darunter etwa das Surround View 3D System, die aktive Spurführung oder auch Porsche InnoDrive.

Titelbild: Frank Ratering für Porsche

Text: Fabian Meßner

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