Die Design-Alternative: Renault Talisman Grandtour Test

Renault Talisman Grandtour Scheinwerfer

Die Broschüre zu Mittelklasse-Kombis ist dick. In Europa wird dieser Bereich – trotz aller Probleme – noch immer vom VW Passat bestimmt. Doch neben den Konzern-Brüdern gibt es auch weitere Alternativen, die ihre Vorzüge haben, aber selbstverständlich auch ihre kleinen Fehlerchen mit sich tragen. Der Renault Talisman Grandtour ist einer von jenen Alternativen und nun im Fahrbericht.

Einzigartige Kennzeichnung durch das Exterieur des Talisman Grandtour

Was einer der größten Vorzüge des Renault Talisman Grandtour sein dürfte ist das Design. Kein Blech, keine Kante, kein Spiel von Licht und Schatten ist auch nur annähernd mit den einschlägigen Fahrzeugen zu verwechseln. Die dominierende Front mit den großen, gegen Aufpreis in LED-Technik ausgeführten, Scheinwerfern. Der Grill ein ebenso dominantes Stück. Er wirkt flacher als seine Mitstreiter und somit auch etwas gestreckter, aber nicht zu bullig. Das Design als solches ist, wenn auch gleich anders als die typische Mittelklasse, elegant und simpel. Am Heck wiederum zeichnet sich die klare Renault-Struktur, wie auch vorne, ab. Die Rückleuchten, die übrigens dauerhaft leuchten, sobald der Motor läuft, laufen fast in der Mitte zusammen. Und am unteren Ende finden sich noch ein paar Chrom-Zierelemente, welche sportliche Endrohre andeuten sollen.

Renault Talisman Grandtour Grill

Der Innenraum in einer Stoff-Leder-Kombination bettet gemütlich und massiert auf Wunsch auch den Fahrer. Die Druckkissen können nicht mit der teuren Oberklasse mithalten, sind aber in diesem Preissegment ein sehr nettes Feature. Die Bedienung des Hochkant-Touchdisplay gelingt nach einer kurzen Eingewöhnung relativ zielsicher. Allerdings werden typische Befehle, wie etwa die Lautstärke-Regelung am Lenkrad schneller und besser angenommen, als am Touchdisplay. Die Anpassung in mehreren Farbvarianten richtet den Innenraum der aktuellen Stimmung nach aus, was so anderswo nicht vorkommt oder gar teuer zu bezahlen ist.

Der Biturbo-Diesel mit eigenem 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Für den nötigen Vortrieb sorgt der 160 PS starke Diesel mit zwei Turboladern. Der Motor als solches arbeitet typisch für einen Biturbo. Nur im unteren Drehzahlbereich fehlt ihm etwas, ansonsten dreht er über den gesamten Drehzahlbereich ordentlich nach vorne. Einzig das EDC (6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe) verdient noch einen Software-Feinschliff. Gerade die Anfahrschwäche scheint man sich bei Renault vom 6-Gang-DSG aus dem Hause Volkswagen abgeschaut zu haben. Das ließe sich mit Sicherheit relativ einfach und sicher beheben. Die Gangwechsel als solches sind zügig, stimmig und vor allem an den aktuellen Modi angepasst.

Besonderheit: Hinterachs-Lenkung in der Mittelklasse

Das 4Control Fahrwerk wirkt auf den ersten Metern wie von einer anderen Welt. Macht dann aber gerade längere Fahrten angenehmer durch die virtuelle Radstand-Verlängerung. In der Stadt allerdings war die Erwartung etwas höher. Im Gegensatz zur Adaption im kleineren Mégane, ist die 4Control Allradlenkung im Talisman Grandtour deutlich ruhiger und komfortabler eingestellt. Keinesfalls so zackig und dynamisch wie im Kompaktwagen.

Renault Talisman Grandtour Heck

Zusammengefasst steht mit dem Renault Talisman Grandtour eine Alternative zu Passat Variant oder Ford Mondeo oder auch Opel Insignia bereit. Jeder für sich hat Vor- und Nachteile. Das ideale Auto gibt es nicht, nur den besten Begleiter von vielen.

Text: Fabian Meßner

Fotos: Renault

4 Gedanken zu “Die Design-Alternative: Renault Talisman Grandtour Test

  1. Vorteile

    + optional: adaptives Fahrwerk mit dynamischer Hinterradlenkung 4Control
    + Automatikgetriebe DSG serienmäßig beim Diesel
    + vielfach individualisierbares, großes R-Link2-Multimediasystem mit DAB, exzellenten Echtzeit-Verkehrsdaten (TomTom) und Gefahrstellenwarner 😉 sowie Apple Carplay und AndroidAuto.
    + Hilfreiche Assistenzsysteme
    + markantes Design außen wie innen
    + sehr gutes Platzangebot in allen Bereichen
    + komfortable Innenraumausstattung
    + angenehmes Langstreckenauto
    + 5 Jahre Garantie, aber nur bis 100.000km
    + interessantes Preis-Leistungsverhältnis bei der Intens-Version
    + günstige Angebote für Käufer

    Nachteile
    + 1,6l-Downsizing-Diesel mit 160PS ohne „Wumms“, vergleichsweise mäßige Fahrleistungen
    + zweifelhafte NOx-Abgasnachbehandlung, keine AdBlue-Technologie verfügbar
    + DSG nur mit 6-Gang
    + Diesel-Tankinhalt nur 52l, mit 4Control sogar nur 47 Liter
    + der Wendekreis mit 4Control liegt bei 10,8 Meter im Innenradius (!), das sind laut ADAC klassenübliche 11,6 Meter im Außenradius (ohne 4Control sind es 12,4 Meter).
    + R-Link2 erfordert deutliche Einarbeitungszeit!
    + Verkehrszeichenerkennung vermischt erkannte Schilder und im System hinterlegte (inaktuelle) Tempolimit-Daten.
    + nicht alle Assistenzsysteme (z.B. HUD, adaptiver Tempomat) sind wirklich auf Höhe der Zeit
    + LED-Fahrlicht ohne adaptive Funktionen, einfacher LED-Brenner mit Linse
    + Innenraum mit augenfällig billig wirkendem Hartkunststoff im Sicht- und Anfassbereich
    + die teure manuell abklappbare Anhängerkupplung führt zu Funktionseinschränkungen beim Fußöffner der Heckklappe
    + Topversion Initiale Paris ist dann doch ziemlich teuer
    + Leasingangebote sind wg. hohem Wertverlust nicht sehr günstig

    • Eine Präzisierung zum Innenraum: Die kritisierten Hartplastik-Materialien sind in der unteren Hälfte des Armaturenträgers zu finden. Vor allen die Anbindung zwischen Mitteltunnel und Armaturenträger wirkt unpassend billig.

  2. Initiale Paris teuer??? 15.000 Euro günstiger als ein vergleichbarer Passat. Und nicht mit dem Listenpreis vergleichen da bei Renault wesentlich mehr Rabatt gewährt wird. Hab den Benziner mit 200 PS kann also Downsizing und AdBlue etc. nicht kommentieren. Verkehrszeichenerkennung hat nach einem halben Jahr in der Tat zweimal nicht richtig funktioniert, FRECHHEIT:). Innenraum ist nur an der Anbindung zwischen Mitteltunnel und Armaturenträger billig gemacht, Das ist richtig. Jedoch wirkt alles andere hochwertiger als im aktuellen Skoda Superb, der auch um ca. 5000 Euro teurer ist. Habe ihn privat neu gekauft, kann daher zu Leasingangeboten nichts sagen. Der adaptive Tempomat funktioniert genauso wie beim Skoda Superb den ich auch probegefahren bin. Sollte noch jemand Fragen zum Talisman haben stehe ich gerne zur Verfügung.

    • Ich stimme dir zu: Auch ich zöge immer einen Talisman im Vergleich zu einem Passat vor!

      Aber:
      Vergleiche den Talisman mal mit dem neuen Opel Insignia und nicht mit dem VAG-Gedöns 😉 Das Auto ist einfach neuer und – soweit man es heute schon sagen kann – technisch attraktiver (für mich jedenfalls).

      Der adaptive Tempomat beim Renault steigt bei Tempo 40/50 (je nach Version) aus, erlaubt also kein aktives „Staumanagement“ bis Tempo Null.

      Das Renault-HUD ist eine billig wirkende Plastikscheibe (ja, ist beim Passat genauso).

      Ich bleibe dabei: die Renault-Verkehrszeichenerkennung ist vor allem auf der Autobahn nicht wirklich zuverlässig. Auf der Landstraße deutlich besser.

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