HBK 2016: Ein Haufen erste Male im Samt-Käfer

HBK 2016 Team Autophorie

Die Hamburg-Berlin-Klassik 2016, kurz HBK 2016, wurde in diesem Jahr zum neunten Mal veranstaltet. Mitten drin wir in einem roten Samt-Käfer von 1985 im Team der Autostadt. Die Rallye im Norden für Old- und Youngtimer zählte dieses Jahr über 180 Fahrzeuge an der Startlinie. Fast schon typisch bei einer Oldtimer-Rallye, dass nicht alle Fahrzeuge aus eigener Kraft die Zielflagge erreichen. Wir und unser 31 Jahre alter VW Käfer aus Mexico haben die Ziellinie erfolgreich passiert und können nach der ersten Oldtimer-Rallye fast zufrieden auf das Ergebnis blicken.

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HBK 2016: Unsere erste Rallye – Ziel: mehr als nur einfach ankommen

Aller Anfang ist schwer, dass mussten wir am ersten Rallye-Tag direkt lernen. Doch nicht der Anfang mit dem 31 Jahre alten Auto. Der VW Käfer ist so simpel wie günstig. Lenkrad, Motor, 4 Gänge für die Vorwärtsbewegung und ein Seitenspiegel. Kein ABS oder Bremskraftverstärker und nur ein 1.200 Kubikzentimeter großer Vierzylinder-Boxermotor im Heck. Mehr braucht es nicht!

HBK 2016 VW Käfer Team Autophorie

Selbst bei einem harten (Not-)Bremsmanöver kommt das vermeintlich schwere und technisch benachteiligte Fahrzeug auf den Punkt zum stehen. Die Fahrlage des VW Käfer ist, besonders mit Bedacht auf das Alter, exorbitant gut. Da kann sich jedes Neufahrzeug von zehn bis zwanzigtausend Euro noch die eine oder andere Scheibe abschneiden. Mit erlaubten 100 km/h durch eine flotte Landstraßen-Kurven, alles easy peasy im VW Käfer. Respekt!

Zwei VW Käfer HBK 2016

Der VW Käfer das ideale Gerät für die HBK 2016?

Aber wollen wir nicht von der einfachen und brillanten Technik des Käfer philosophieren, sondern von unseren Problemen, Misserfolgen und Überraschungen am ersten Rallye-Tag. Anders als bei gewöhnlichen Rallyes gewinnt die Wertungsprüfungen (kurz: WP) nicht der schnellste, sondern der akkurateste. Über eine gewisse Strecke wird eine Zeit vorgeschrieben. Diese muss auf die 1/100 Sekunde genau getroffen werden. Entweder wird per Lichtschranke oder Druckschlauch gemessen. Die Lichtschranke wird durch die Frontstoßstange ausgelöst, der Druckschlauch durch die Räder der Vorderachse.

WP bei HBK 2016

Unseren glorreichen Moment hatten wir technisch gesehen erst am Abend, als wir den eher durchwachsenen Tag mit einem Blick auf die Ergebnisse besprochen haben. Die WP4, eine eineinhalb Kreisumrundung (Video folgt in Kürze) war unser Moment. Zwischen all den erfahrenden Piloten und Teams waren wir auf Platz 7 der Wertung dieser einzelnen Prüfung. Ein Ergebnis, welches noch bis in den letzten Tag hinein gefeiert wurde. Wer hätte das bitte vermutet, dass wir hier irgendwo in die Top 10 fahren würden? Ankommen und nicht letzter werden, war unser oberstes Ziel.

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Das erste Mal Rallye plus Schwierigkeit „Sanduhrklasse“

Die größte Herausforderung, der wir uns erst gegen kurz vor dem Start gegenüber sahen war die sogenannte „Sanduhrklasse“. Eine Klasse, welche auf digitale Hilfsmittel verzichtet. Einziges Hilfsmittel für uns waren zwei mechanische Stoppuhren mit nicht ganz so exakter Messung, wie es die digitalen Uhren bieten. Gemessen daran war der zweite Tag ein Mega-Erfolg. Den verpatzen ersten Tag haben wir gedanklich hinter uns gelassen und einfach das Beste aus den verbleibenden zwei Tagen zu machen.

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Quasi eine Punktlandung nach der nächsten konnten wir für uns in den WPs verbuchen. Abweichungen im Hundertstelbereich von der Sollzeit. Das Problem am Ende, die Konkurrenz war ähnlich gut. Und da wir ein relativ junges Auto fuhren, gilt als Beispiel dieselbe Zeit in einem älteren Auto als besser in der Wertung. Also trotz bombig guter Zeiten war im Schnitt nur eine Platzierung im oberen Mittelfeld drin.

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HBK 2016: technische Probleme am dritten Tag

Der dritte Tag war ähnlich durchwachsen wie der erste. Doch diesmal können wir weitestgehend alle Schuld von uns weisen. Hier und da hat die Technik (mechanische Stoppuhr) versagt oder wir wurden auch einmal von der Konkurrenz (durchaus bewusst) ausgebremst. Wie mag das gehen? Nicht alle WPs werden alleine gefahren, auf einer mehrfachen Umrundung eines Flugplatzes in Meck-Pomm wird parallel gefahren. Dadurch ist es möglich den Weg zu versperren. Nicht gerade sportlich von den Kollegen, aber für das nächste Mal sind wir vorbereitet und werden zurückschlagen.

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Am Ende können wir für uns sagen wir sind angefixt. Obwohl es „langweilig“ klingt mit „untermotorisierten“ Klassikern durch das Niemandsland zwischen Hamburg und Berlin zu gondeln. Nein das macht richtig Laune, zehrt an den Nerven, ist bestückt mit Freudentaumel und Überraschungen. Ein Thriller auf den Landstraßen im Norden. Gerne wieder.

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Suchtfaktor Oldtimer-Rallye

Und der Käfer war uns eins ein einfaches Werkzeug, bis auf leichte Thermik-Probleme hat sich der 31 Jahre alte Volkswagen nichts anmerken lassen. Die Vorkriegsklassiker können mit Sicherheit nicht von so vielen sympathischen Zurufen insbesondere mit dem O-Ton „so einen hatte ich auch früher“ erzählen. Ein absoluter Sympathie-Träger mit Wiedererkennungswert und unglaublichem Charme.

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Text: Fabian Meßner

Fotos: Autostadt GmbH, Matthias Leitzke

2 Gedanken zu “HBK 2016: Ein Haufen erste Male im Samt-Käfer

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