Berlin ePrix 2016: Nicht ohne Knall durch die Innenstadt

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Motorsport ist laut, dreckig und auch irgendwie anziehend. Muss die Formel E und damit der Berlin ePrix 2016 also lautlos, sauber und abstoßend sein? Keineswegs, denn die Rennfahrer sind kaum weniger, wenn nicht sogar noch mehr auf aggressiven, emotionalen und hochspannenden Motorsport getrimmt. In den vergangenen zwei Wochen wurde inmitten von Berlin eine Innenstadt-Rennstrecke aufgebaut, die auch einen Hauch Monte Carlo mit einer gewissen Schikane mit sich brachte. Die Formel E ist zudem keinesfalls lautlos, denn die Rennfahrer lassen es ordentlich krachen.

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Auch die Formel E ist Motorsport vom Feinsten

In erster Linie sind die Formel E Renner nicht völlig lautlos durch den Elektroantrieb. Es gibt Abrollgeräusche der Reifen und auch der Antrieb gibt durchaus interessante Töne ab. Es ist natürlich kein hochdrehender V10, es ist hingegen auch nicht emotionslos. Zumal die Fahrer scheinbar kämpfen, als gäbe es nichts Wichtigeres im Leben als diese Trophäe des Berlin ePrix 2016 mit nach Hause zu nehmen. Da wird die eben erwähnte Monte Carlo ähnliche Schikane geschnitten, dass die Fetzen fliegen. Und das nicht nur im übertragenden Sinne. Hier sind mehrere Frontschürze am Wochenende des Pokalfinale Bayern gegen Dortmund durch die Lüfte gesegelt.

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Die Formel E ist also nicht nur hochtechnologisch, sondern auch hochspannend, denn die Fahrer schenken sich rein gar nichts. Mit einer maximalen Leistung von 170 kW sind alle theoretisch gleich schnell unterwegs. Im Qualifying sind die E-Renner in Berlin sogar mit 200 kW Leistung unterwegs. Doch als Fahrer der Elektrorenner, muss man taktisches Können und planerische Überlegenheit beweisen. Einfach nur den Stempel durchdrücken wie in der Formel 1 klappt hier nicht.

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Allen steht nur eine gewisse Menge an Energie (Strom) zur Verfügung. Diese können sie unterschiedlich schnell verblasen und wer nicht plant oder taktiert, der bleibt einfach stehen. Der Punkt der Rekuuperation, also der Rückgewinnung von Bremsenergie, spielt im Rennen eines jeden Stadtkurs eine große Rolle. Eine Unmenge an Telemetrie-Daten verraten den Fahrern zudem, wo sie noch etwas mehr Speed und einen leicht späteren Bremspunkt effektiver nutzen können, um energiereicher in die Kurve zu schießen.

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Der Berlin ePrix 2016 in aller Kürze

Zur Einordnung: die E-Renner brauchen weniger als vier Sekunden auf 100 km/h und erreichen auf dem Kurs des Berlin ePrix 2016 auf der längsten Geraden etwa 220 km/h Topspeed. Je nach Übersetzung wären auf gute 300 km/h Endgeschwindigkeit möglich, doch das würde auf dem Berlin ePrix 2016 keinen Vorteil ergeben. Dementsprechend trifft das Carbon diversen Nasen oft mit etwa 160 km/h auf einen Plastik-Poller, der sich nicht jeder Nase widersetzt, aber einige als Wegzoll einkassiert. Die dadurch eingeläutete Gelb-Phase gibt dem inzwischen von Platz eins auf fünf zurückgefallenen Jean-Eric Vergne (DS Virgin Racing) wieder die Chance sich zurück zukämpfen. Doch nach der kurzen Gelb-Phase pfeift Sebastien Buemi (Renault e.dams) gefolgt von Daniel Abt (ABT Schaeffler Audi Sport) auch schon wieder weit davon.

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Schlussendlich sichert sich der Schweizer gefolgt vom Kemptener das Podium, durch taktisch kluge und perfekt umgesetzte Überholmanöver. Viel Platz war auf dem Berlin ePrix 2016 auf der Strecke nicht, doch diese „jungen Wilden“ fahren ihre technisch sehr ähnlichen Renner am Rande der Perfektion.

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Wenn hier einer einen anderen überholt, dann nicht weil er ein paar PS mehr hat (ausgenommen ist der Fanboost), sondern weil er auf ähnlichem Material das bessere Setup gewählt hat und schlussendlich der bessere Fahrer ist. Lucas di Grassi (ABT Schaeffler Audi Sport) läuft auf dem dritten Platz und kann sich so Buemi in der Fahrerwertung noch mit einem Punkt vom Leib halten. Das Finale in London könnte so kaum spannender sein, Sam Bird (DS Virgin Racing), aktuell auf dem dritten Platz in der Fahrerwertung, hätte noch etwas Mitsprache-Recht gehabt. Durch einen eher durchwachsenen Auftritt in Berlin ist der Brite nun aber eher angehalten seinen dritten Platz zu halten.

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Ein Blick hinter die Kulissen von DS Virgin Racing

Alex Tai, der Teamchef von DS Virgin Racing, sieht in Elektroantrieben die Zukunft. Er freut sich schon auf mehr Wettkampf, sobald die FIA das Reglement für weitere Teilnehmer interessanter gestaltet. Mit Sam Bird und Jean-Eric Vergne hat er zwei erfolgreiche Fahrer, die sich keiner Teamorder beugen müssen, wie das Rennen in Paris zeigte. Beim Heimspiel haben die beiden Rennfahrer neben Motor- auch noch Kontaktsport betrieben.

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Der Boxenstopp, der für die Zuschauer durch den Fahrzeugwechsel sehr interessant ist, sieht er kritisch. Einerseits erkennt es als Publikums-Highlight an, sieht die Herausforderung von einer „durchhaltenden“ Batterie und daraus hervorgehenden Taktik als passenden Trumpf für das DS Virgin Racing Team. Nach dem Finale in London werden die Karten wieder neu gemischt, dann wird DS Performance das gesamte Fahrzeug entwerfen und Virgin sichert den operativen Teil während der Rennen.

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Text/Fotos: Fabian Meßner

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