Nicht nur der kleine Bruder: VW Polo GTI im Test

VW Polo GTI 6C Front

Wer auch immer entschieden hat den VW Polo GTI nicht mehr mit dem 1.4 TSI auszuliefern und stattdessen den 1.8 TSI mit 192 PS in den Kleinwagen zu packen, verdient ein lautes „Gut gemacht“, gefolgt von einem großen „Danke dir“. Der kleine Bruder des Golf GTI war nie spontaner, nie aktiver, nie so viel GTI wie jetzt.

VW Polo GTI 6C Auspuff

Ohne genauer darauf einzugehen hat man mit der aktuellen Generation des VW Polo GTI den 1,4-Liter Motor mit Turbo- und Kompressoraufladung verabschiedet. Der quasi baugleiche Skoda Fabia RS hat sich komplett verabschiedet. Die Verkaufszahlen waren einfach nicht ausreichend, um auch davon noch eine dritte Generation zu bauen. So verbleiben nur noch der Audi A1 und der VW Polo. Beide nutzen sie denselben 1,8-Liter Vierzylinder mit Direkteinspritzung und Turboaufladung.

VW Polo GTI 6C Grill

Im VW Polo GTI sind es 192 PS (141 kW) zwischen 4.300 bis 6.200 Touren, die den Kleinwagen nach vorne treiben. Wer schnell schalten kann, schafft es auch in den 6,7 Sekunden auf 100 km/h, die VW für den Kleinwagen angibt. Doch Vorsicht, wer das vermeintlich schnellere DSG wählt, verzichtet auf reichlich Drehmoment. Denn nur die serienmäßige Sechsgang-Schaltung verträgt die 320 Nm ab 1.450 U/min. Maximales Drehmoment und maximale Leistung greifen fast in einander, lediglich ein kleines „Loch“ von 100 Umdrehungen muss überbrückt werden.

VW Polo GTI Heck

Das Fahrwerk des Polo ist GTI-typisch hart und schüttelt die Insassen bei voller Geschwindigkeit ordentlich durch. Doch nur so kann der VW Polo GTI auch dort glänzen, wo ein GTI seine volle Fahrfreude auspackt. Die Landstraße. Hier macht sich die straffe Federung positiv bemerkbar, auch wenn man den GTI ruhig noch ein paar Millimeter näher an die Straße hätte holen können. So sieht er aus dem falschen Betrachtungswinkel wie ein gewöhnlicher Polo aus. Leider. Ein ähnliches Problem ist der Innenraum. Nicht die GTI-Aufmachung per se, diese ist eine perfekte Übertragung aus dem Golf GTI. Doch der Sitz ist schon fast unerträglich hoch. Ein GTI verdient etwas Besseres als eine SUV-Sitzposition.

VW Polo GTI 6C Cockpit

Der 1.8 TSI entschädigt dafür mit purer Drehfreude und schnell eingelegten Gängen. Obwohl diese noch etwas mehr Ferne vom normalen Polo vertragen könnten. Wenngleich dem VW Polo GTI eine mechanische Sperre an der Vorderachse fehlt, macht der Kleine einen guten Job. Nicht selten ist der gefühlvolle Bremseingriff der elektronischen Helfer so schnell und kurz, dass es nicht als Hindernis auffällt. Keinesfalls mit dem GTI Performance zu vergleichen, doch die fein abgestimmte Elektronik lässt die Mechanik nicht allzu sehr vermissen. Immerhin ist der Polo GTI doch mehr ein alltagstauglicher Spaßbereiter ohne das extreme Interesse an die Rennstrecke zu wecken.

VW Polo GTI 6C Schaltgetriebe

Er könnte es vielleicht, aber im Sinne der Haltbarkeit müsste da an ein, zwei Stellen nachgebessert werden. Der Soundaktuator im „Sport-Modus“ dröhnt mit den passenden Frequenzen ohne allzu künstlich zu wirken, nicht im geringsten ein Fiasko wie im Golf GTD. Nein hier passt der synthetische Klang zum Motor. Eigentlich passt im VW Polo GTI alles, bis auf die Sitzposition.

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Video-Fahrbericht VW Polo GTI

Text/Fotos: Fabian Meßner

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