Erwachsen geworden: VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion im Test

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Wie verbessert man einen Bestseller? Gar keine leichte Aufgabe und dennoch, irgendwie haben es die Ingenieure aus Wolfsburg geschafft, den neuen VW Tiguan besser zu machen als die erste Generation. Weltweit über 2,8 Millionen Stück rollen auf den Straßen und mit der zweiten Generation werden es weitaus mehr werden. Das erste VW-SUV auf dem MQB, fährt sich fast so unauffällig ausgeglichen, wie ein Passat und kann dabei auch fast alles so gut. Nur eines kann er noch besser: das leichte Gelände. Mehr dazu im Fahrbericht des neuen VW Tiguan 2.0 TDI.

VW Tiguan Highline

Kann auf Offroad: der neue VW Tiguan

Nein es ist kein Scherz: der VW Tiguan ist einer der wenigen Kompakt-SUV, welche das Gelände nicht fürchten, wenn auch gleich er keinesfalls mit dem Range Rover Evoque konkurrieren kann. Aber immerhin bis 30 Grad Schräglage macht der Tiguan alles mit, fährt Treppen hinunter und schreckt auch vor Verschränkungen nicht zurück. Die Grenzen des 4Motion Allradantrieb (bei sechs von acht Motoren verfügbar) zeigen sich hingegen schnell am Hang mit losem Untergrund. Stimmt die Anfahrgeschwindigkeit nicht, kann der Allradantrieb die Momente nicht mehr ideal verteilen und gräbt sich ein. Eine permanente 50/50-Verteilung zwischen Vorder- und Hinterachse bietet auch das „Active Control“ Panel nicht. Hier muss der Fahrer auf die elektronischen Regelsysteme vertrauen und hoffen, dass sie ihren Job perfekt meistern. Im leichten Gelände kein Problem, doch die Grenzen sind schnell ausgelotet. Hilfreich im Offroad-Einsatz ist die passende Offroad-Front, welche erhöhte Böschungswinkel bis 25,6 Grad (Serie: 18,3 Grad) erlaubt.

VW Tiguan Offroad Front

Sieht aus wie ein VW Tiguan fährt sich wie ein Passat

Zurück auf der Straße schüttelt sich der adrett gestylte Tiguan schnell den Staub ab und glänzt von seiner urbanen Seite. Das neue Styling steht dem Wolfsburger gut, macht ihn deutlich erwachsener, lässt aber noch Spielraum zum größeren Touareg. Die Front breit und stolz, die Seite kantig und frisch, das Heck noch massiver als die Front. Er bleibt ein Tiguan, doch er ist ein anderer Typ. Der 190 PS starke TDI-Motor treibt den Tiguan auf über 220 km/h und selbst dann fühlt sich das 4.486 mm lange SUV auf 20 Zoll Felgen nicht nach einem gewachsenen Kompakt-SUV an. Er liegt straff auf dem Asphalt, rollt sauber und leise ab, fast so gut wie ein Passat.

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Das er gewachsen ist spürt man als Fahrer also eher weniger. Dafür im Innenraum, insbesondere in der zweiten Reihe. Die um 18 cm längs verschiebbare Rückbank macht entweder den Kofferraum auf bis zu 615 Liter Fassungsvermögen groß oder den Fußraum stattlich. Drei Kindersitze passen wohl nicht rein, dafür immerhin zwei und die dazugehörigen Kinderwagen. Die Raumaufteilung, Anordnung der Knöpfe und gesamte Aufmachung ist an bekannten Volkswagen-Modellen angelehnt und daher einerseits natürlich einfallslos, aber auch solide und sofort verständlich.

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Android fährt Apple davon

Wer auf Konnektivität steht, der sollte im Tiguan besser auf Android-Geräte setzen, denn weiterhin bleibt Apple Carplay hinter den Möglichkeiten zurück und wird im neuen Tiguan sogar von Android (MirrorLink) abgehängt. Denn nur dann lassen etwa weitreichendere Lösungen, wie „Cam Connect“ (Kinder via GoPro-Kamers auf dem Media-Bildschirm beobachten) auch wirklich nutzen. Das optionale digitale Cockpit „Active Info Display“ liefert auch ohne Smartphone jede Menge Informationen optisch schön aufbereitet. Doch es könnte noch etwas an der Schnelligkeit beim Umschalten zwischen den diversen Informationen / Screens gearbeitet werden. In jedem Fall macht es mehr Sinn, sein Geld dort hinein zu investieren, als in das Head-up Display.

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Die Scheibe fährt zwar sehr ansehnlich aus dem Armaturenbrett hervor, doch die dargestellte Information ist nicht wirklich im Sichtfeld. Minimal höher positioniert, als die Info im Cockpit macht es wenig Sinn, wo andere Systeme die Informationen weit in die Windschutzscheibe projizieren und so das „Kopf senken“ eliminieren.

VW Tiguan Highline schwarz

Fazit zum neuen Tiguan

Variabilität und Cleverness verpackt im schicken Anzug. Der neue VW Tiguan wird mindestens an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen, auch die missliche Lage des VW Konzerns wird die Leute nicht daran hindern, sich dieses SUV in die Garage zu holen. Es gab nur wenig bis kaum etwas zu mäkeln, die richtigen Stellschrauben wurden angepackt und der Bestseller zum Topseller umfunktioniert. Zudem verbindet der Neue ein SUV-Dasein mit dem Fahreindruck eines Kombi.

VW Tiguan Heck

Video-Fahrbericht des neuen VW Tiguan 2.0 TDI

Text/Fotos: Fabian Meßner

2 Gedanken zu “Erwachsen geworden: VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion im Test

  1. Vielen Dank für euren wie immer super guten Bericht.
    Frage: Im Video (bei 3min:50sec) berichtet ihr, dass die Frontantrieb-Variante immer 11mm niedriger ist als der 4Motion. Woher habt ihr diese Info? Als ich bei VW nachgefragt habe, ob das für den 2.0 TDI mit 150PS auch der Fall wäre, wusste hier niemand irgend etwas von einem tiefer gelegten Fahrwerk!? 🙂
    Herzlichen Dank
    Jochen

    • Ist in den technischen Daten zu finden. Peinlich, dass die Verkäufer so schlecht geschult sind. Das hat weniger etwas mit dem Fahrwerk zu tun, die Karossiere hat dann am „tiefsten Punkt“ noch mehr Bodenfreiheit, für den Fall, dass es doch einmal abseits der Straßen geht.

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