Roadster oder Cabriolet? SL 63 trifft auf S 63 in Los Angeles

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Gemeinsam stehen sie auf der Bühne von Mercedes-Benz in Los Angeles. Dort feiert das bärenstarke, mit Luxus vollgepackte Mercedes-AMG S 63 Cabriolet seine Premiere vor dem US-amerikanischem Publikum neben dem neu geschnittenen Mercedes-AMG SL 63 Roadster. Doch warum zwei offene Luxus-Ableger bauen, eigentlich sprechen sie doch beide dieselbe Klientel an. Doch dem ist gar nicht so, AMG-Chef Tobias Moers und Wolf-Dieter Kurz, Leiter SUVs und Sportwagen bei Daimler, haben mich diesbezüglich ausführlich aufgeklärt.

Es braucht einen Roadster im Luxus-Segment, ebenso wie ein Cabriolet. Denn beide bedienen völlig unterschiedliche Kunden, auch wenn im Falle der beiden Modelle der gleiche 5,5-Liter V8 Biturbo unter der Haube lauert. Die 585 PS mögen in erster Linie in beiden Modellen gleich sein, doch sie bewegen die offenen Karossen völlig unterschiedlich. So spricht Tobias Moers im Fall des SL 63 von einem Kunden, der durchaus den Hang verspürt schnell zu fahren und das nicht nur auf der Autobahn. Also beispielweise keinesfalls ein Kunde, der sich auch einen C 63 S in die Garage stellen würde, doch ein S 63 Cabriolet käme genauso wenig in Frage.

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Denn dessen Kundschaft hat es primär gemächlich und genießt die Möglichkeiten des 5,5-Liter V8 Biturbo ohne sie gänzlich auszuschöpfen. Mehr „nice to have“ anstatt „built to thrill“. Und das, obwohl der serienmäßige 4Matic Allradantrieb das schwere Cabriolet sogar schneller auf 100 km/h schießen lässt. In nur 3,9 Sekunden bewegt sich das 2,1 Tonnen schwere Cabriolet aus dem Stand auf 100 km/h. Beim SL 63 verfeuern die 900 Nm am Antriebsstrang erst einen kurzen Burnout, bevor die selbe Mauer in 4,1 Sekunden fällt. Sollte schlussendlich das Cabriolet sogar noch die sportliche Variante sein?

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Wolf-Dieter Kurz widerspricht, denn für ihn zählt der SL 63 zu den Sportwagen, während das S 63 Cabriolet einen eher stattlichen Auftritt bevorzugt. Es wird also mehr oder weniger klar unterscheiden zwischen einer Luxus-Anschaffung, in der sich vier Personen der Sonne hingeben können und dabei im Wohlleben fallen lassen; und dem Roadster für den gehobenen Anspruch. Der hingegen sich auf Ausflüge zu zweit spezialisiert und dabei durch seine Dynamik klar stellt nicht nur ein weiterer offener Mercedes zu sein.

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Für mich ganz persönlich sind es in erster Linie zwei Autos verschiedener Gewichtsklassen mit der gleichen DNA. Beide bedienen ein, nennen wir es eher erwachsenes Klientel. Der SL wird es in meinen Augen immer schwerer haben, denn die Stuttgarter haben sich im eigenen Haus einen Schwergewichts-Gegner geschaffen. Die S-Klasse kommt als Limousine, Coupé und nun auch als Cabriolet daher. Alle drei zusammen ein deutlichen Schwung eleganter, als der in die Jahre gekommene Roadster. Bei solch schön anzusehenden „Alternativen“ fällt es schwer sich noch für den SL zu entscheiden. Noch hat er seine Daseins-Berechtigung für einige wenige, doch der Stuhl wackelt.

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Text/Fotos: Fabian Meßner

2 Gedanken zu “Roadster oder Cabriolet? SL 63 trifft auf S 63 in Los Angeles

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