Von Himmel bis Hölle: neues Mercedes-Benz C-Coupé gefahren

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Die Bandbreite des neuen Mercedes-Benz C Coupé könnte nicht größer sein, vom stoisch komfortablen kleinen Bruder des S-Klasse Coupé, hin zu frech rotzen und gewaltbereiten AMG-Variante aus Affalterbach. Von gemütlicher Landstraßen Fahrt hin zur schweißtreibenden Runde auf dem Ascari Race Resort; diese C205-Baureihe hat alles, was den Herzschlag aus der Routine bringt.

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Für malerische Landstraßen lädt der C300 in Form des beachtlich wohl proportionierten Coupés. Keine aufgemotzte AMG-Line lenkt von den Formen des neuen C-Klasse Coupés ab. Elegant wie der ganz große Bruder, nur eben leichter und für den kleineren Geldbeutel. Nicht einfach zu heiß gewaschen und eingelaufen, sondern Handwerkskunst verfeinert mit zarten Linien, welche die Seite strecken.

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Mit leichtem Schwung flankiert die Schulterlinie den Radlauf, um dann über die gesamte Länge bis in die Rückleuchten auszulaufen. Keine muskulös herausgestellte Schnittkante, sondern eine zarte Unterteilung von oben und unten. Die selbe Linie wirkt am C63 S Coupé direkt völlig anders, durch den fetten Radlauf, der die Hinterachse verstecken soll. Dessen Heck ist nicht ein eleganter Frauen-Po, sondern ein Bad-Ass, der nur darauf wartet seine persönliche Beethovens Achte zu trällern. Es gehört eben mehr dazu als eine Abrisskante aus Carbon, um aus einem eleganten Gleiter einen Höllenhund zu fertigen.

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Also runter von der verträumten Landstraße, raus aus dem C300 und ab in die namentlich kürze Version, die nicht nur das Doppelte an Zylindern, sondern auch Hubraum draufpackt. In der Boxengasse brodeln die V8-Biturbo Motoren bereits. Der C63 S in Form des Coupés ist nicht nur die spätere Grundlage für die Black Series, sondern auch der gefährlichste Bruder von T-Modell und Limousine.

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Die neu konstruierte Hinterachse samt breiterer Spur und breiterer Räder lassen den C63 S in unter vier Sekunden auf 100 km/h schnalzen. In Summe ist den Ingenieuren die Hinterachse so gut gelungen, dass deswegen auch die Vorderachse in einzelnen Punkten aufgewertet wurde, um einem dauerhaftem Untersteuern entgegen zu wirken.

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So sind die 1,8 Tonnen Leergewicht schnell vergessen, als die erste schnelle, lange Kurve auf mich und das Coupé wartet. Im ersten Anlauf peitscht das Coupé mit 1,4 G (laut Garmin Virb XE) durch die schnelle Rechtskurve. Die mechanischen Bauteile, sowie auch die Reifen scheinen mit meinen Ambitionen total unterfordert und schnell wächst das Vertrauen noch mehr zu wagen. Grund genug es im nächsten Anlauf mit mehr Geschwindigkeit zu versuchen und aus der engen Haarnadel heraus alles aus dem V8-Triebwerk mit brabbelnder Untermalung der acht Zylinder zu holen.

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Die Hinterachse begrüßt meinen Versuch direkt mit einem kurzen Tanz und Gummi-Abrieb. Nun mit 1,5 G und zu gekniffenen Arschbacken durch die gleiche Kurve ein zweites Mal. Dem knapp verpassten Scheitelpunkt steht ein immer dünner werdendes Stück Asphalt entgegen. Nicht nachgeben, Augen auf und durch, den Curbe bis auf den allerletzten Mikrometer ausgenutzt und wieder dem Führungsfahrzeug hinterher.

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Dieses Coupé ist nichts für Quoten-Proleten und Eisdielen-Flanierer, dieses Monster will Rennstrecken-Asphalt fressen. Gibt’s ihm hart und du wirst härter. Das hat nichts mit Show-Off und „Eindruck schinden“ zu tun, dass ist bitter böser Ernst. Ein AMG dieses Schlags verbindet den Everyday-Comfort mit leichten Schlägen auf die Wirbelsäule mit dem Anspruch auf der Rennstrecke nicht nur mitzuspielen, sondern andere alt aussehen zu lassen. Nach vier Runden gehen wir getrennte Wege und der C63 flüstert mir nur hinterher „Los, schick den Nächsten“.

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Zurück in mein kleines Himmelreich auf vier Rädern. Der C300 spornt nicht an, alles zu geben oder gar bis auf den letzten Millimeter einen Straßenkampf auszufechten. Gemütlich schaltet die 7-Gang-Automatik durch und der Vierzylinder-Turbomotor säuselt leise vor sich hin. Zeit den Sound der Burmester-Anlage zu genießen und sich wieder geistesgegenwärtig zu werden. Erst langsam sinkt der Puls nach der heißen Ausfahrt, die verschwundenen Landschaften Andalusiens machen es einfach sich dahin treiben zu lassen. Auffällig unauffällig betten die neuen Integral-Sportsitze, es fehlt für den perfekten Komfort nur noch ein leichter Luftstrom, der den Rücken kitzelt.

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Und falls der Puls doch wieder zu sehr in den Keller sackt, einfach zwei Mal am Dynamic-Schalter gewippt und schon wacht auch der Vierzylinder auf. Unterstützt vom tief eingestimmten Soundaktuator sorgen 245 Pferde für ambitionierte Fortbewegung. Doch die Pferde verstummen schon wieder, wenn aus dem Windschatten der C63 nochmal klarstellt, wer der Boss im C205-Universum ist.

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Einziges auf die Schnelle ersichtliches Manko, was von innen die Sicht und von außen die Ansicht stört, ist die B-Säule. Die wird erst mit dem Cabriolet verschwinden. Da war die Gewichtsoptimierung wohl wichtiger als die Eleganz.

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Technische Daten:

Mercedes-Benz C 300 Coupé

Reihenvierzylinder
245 PS (180 kW) bei 5.500 U/min
370 Nm bei 1.300 bis 4.000 U/min
6,0 Sekunden auf 100 km/h
VMax 250 km/h (elektronisch begrenzt)

Ab 44.803,50 Euro

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Mercedes-AMG C 63 S Coupé

V8-Biturbo
510 PS (375 kW) bei 6.250 U/min
700 Nm bei 1.750 bis 4.500 U/min
3,9 Sekunden auf 100 km/h
VMax 250 km/h – Optional 290 km/h (beides elektronisch begrenzt)

Ab 86.096,50 Euro

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Weiterlesen bei Sebastian oder Jens, sowie auf radical-mag über das C 63 S Coupé oder bei Bjoern über einfach alles der C205-Baureihe.

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Text/Fotos: Fabian Meßner

5 Gedanken zu “Von Himmel bis Hölle: neues Mercedes-Benz C-Coupé gefahren

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