Fahrbericht Lexus RC F Carbon

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Es gibt kaum eine preiswertere Methode als mit dem Lexus RC F mittels einem 800 Euro teuren Reifensatz Michelin Pilot Super Sport die Straßen zu bemalen. In diesem ganz besonderen Fall wird es durch den Zusatz Carbon noch etwas teurer, verglichen mit BMW und Co. sind es dabei noch immer Peanuts. Das Sport-Coupé aus Japan hat nur einen kleinen Nachteil und das sind die dicken Hüften, die der 5,0-Liter V8 hier bewegen muss.

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Der fünf Liter V8-Sauger wurde nach dem Lexus IS F wieder verbessert oder besser gesagt, hochgedreht. Durch die Erhöhung der Maximaldrehzahl und weiterer Veränderungen muss die Kardanwelle nun mit 54 PS mehr als zuvor zu Rande kommen. So stehen 477 Pferde im Stall bereit, um das noch immer fast 1,9 Tonnen schwere Coupé zu Bestleistungen voranzutreiben.

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Durch Carbon-Motorhaube, Carbon-Dach und Carbon-Heckspoiler sind immerhin 9,5 Kilogramm weniger auf der Waage, doch das reicht nicht um gegen den leichten BMW M4 anzustinken – gut das aus Stuttgart ein ähnlicher dicker Kollege in den Power-Coupé-Ring steigt. Für den Lexus RC F spricht der gute All-Inklusive-Preis, für nicht einmal 90.000 Euro gibt es alles, was das Herz begehrt. Da sind München und Stuttgart kaum halb ausgerüstet.

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Äußerlich unterscheidet sich der Lexus RC F Carbon nicht nur durch die besagten Carbon-Teile von den anderen Modellen. Gerade die Optik spricht bei Lexus Bände, denn so expressiv, gar aggressiv und gewagt präsentiert sich kaum noch ein anderer Hersteller.

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Eine weit herausgezogene Schnauze, die einen riesigen Grill bereithält, sowie links und rechts davon eckige, kantige Scheinwerferpartien. Selbst wer den Lexus RC F nicht erkennt, kennt ihn danach, denn diesen Anblick vergisst man so schnell nicht wieder. Ferner sollte man ihn nicht vergessen, denn allzu oft wird man dieses Sport-Coupé hierzulande nicht zu sehen bekommen. Das Heck spricht deutlich über die Leistung, die unter der Carbon-Haube steckt, etwa in der Art eines kleinen, lautstarken Jungen. Der wiederum ganz treffsicher den Tacho bis 340 km/h erspäht und klar stellt, dass der Lexus auf dem Parkplatz die Hosen an hat.

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Technisch würde der RC F sicherlich locker über 300 km/h laufen, doch bei 270 km/h ist ihm ein Riegel vorgeschoben, daran kann auch nicht gerüttelt werden. Immerhin stichelt er da deutlich in Richtung Stuttgart und München, die „serienmäßig“ die Schranke bei 250 km/h herunterfallen lassen.

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Innen gibt es Alcantara leider nur zum anschauen, etwa auf der Mittelarmlehne oder dem Bogen, der den Drehzahlmesser überspannt. Respektive am Lenkrad fehlt es leider. Immerhin schön dick und wulstig ist das Lenkrad, sodass sich hier zumindest der Fahrer festkrallen kann. Und beim Blick in den Rückspiegel signalisiert der gerade ausfahrende Carbon-Heckspoiler, das die 130 km/h Marke überschritten wurde und nun auch der Vortrieb mit mehr Anpressdruck auf der Hinterachse weitergehen darf.

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Die 8-Gang-Automatik wählt dabei idealerweise im Modus Sport+ die passende Welle, um immer für ausreichen Leistung zu sorgen, denn im Drehzahlkeller geht der RC F so gar nicht vorwärts. Der V8 Sauger braucht Drehzahlen von mindestens 5.000 Touren und mehr, erst dann schiebt er von hinten richtig an. Die noch mit einem kurzen Traktionsverlust verbunden Gangwechsel des IS F haben die Ingenieure dem RC F (leider) ausgetrieben. So nahtlos, wie nur möglich soll sich das Coupé nach vorne schieben.

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Dabei darf der Fahrer leider nicht den puren Motorsound genießen, sondern muss sich zu 50% mit einem zusätzlichen, künstlich erzeugten Ton verständigen. Ein Sound-Generator dröhnt unterhalb der 3.000 Touren tief und sonor. Danach erst bemerkt man ihn deutlich, denn als ob der Schalter umgelegt wird „mischt“ sich nun schlagartig auftauchender Radau unter die Motorgeräusche. Irgendwie, naja, schade.

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Soweit bleibt das auch der einzige relevante negative Punkt am RC F. Die Leistungsentfaltung ist bis 5.000 Touren äußerst gut vorhersehbar, oberhalb dieser Markierung sollte man seine Ziele vorher schon abgesteckt haben. Auch wenn der RC F ein ziemlich dicker Brocken ist, so ist er keinesfalls langweilig oder gar langsam. Er weiß seine dicken Hüften in Szene zu setzen.

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Lexus RC F Carbon

V8-Motor (längs) 4.969 cm³
477 PS bei 7.100 U/min
530 Nm bei 4.800 – 5.600 U/min
4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 270 km/h
Kombinierter Verbrauch 10,8 l/100km (CO2: 251 g/km)
Testverbrauch 12,1 – 15,7 l/100km
Modellgrundpreis 88.150,00 Euro
Testwagenpreis 92.550,00 Euro

Text/Fotos: Fabian Meßner

2 Gedanken zu “Fahrbericht Lexus RC F Carbon

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