Angriffslustiger Löwe: neuen Peugeot 308 GTi gefahren

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Kampfbereit mit 272 PS bewaffnet will der Löwe in der Kompaktklasse wieder ganz oben mitmischen. Der Peugeot 308 GTi – von Peugeot Sport mitentwickelt – stellt sich als rest-komfortabler Hot Hatch vor, welcher mit technischen Raffinessen auch auf der Rundstrecke überzeugen will. Lange hat er auf sich warten lassen und dafür muss jetzt auch alles passen; der Fahrbericht klärt ob’s passt oder nicht.

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Das technische Blatt des Peugeot 308 GTi liest sich vorzüglich; Kampfgewicht von 1.205 Kilogramm (betankt) bei 272 PS macht ein Leistungsgewicht von 4,46 kg/PS. Die Kraft wandert durch ein verstärktes manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe mit kürzerer Achsgetriebe-Übersetzung und ein Torsen-Differential an der Vorderachse, wo die 235/35 R19 Michelin Pilot Super Sport die Kraft auf die Straße bringen müssen.

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In der Theorie eine astreine Kombination, welche allerdings auf nasser Straße schon hin und wieder etwas Leistung verpuffen lässt. Da hat sich Portugal nicht gerade von der schönsten Seite gezeigt, doch der Eindruck auf nassem Asphalt lässt schon erahnen, was auf trockenem alles möglich ist. 11 Millimeter näher am Boden als die normalen 308er liegt er auf der Straße, dabei hat Peugeot Sport alles notwendige getan, um auch das Fahrwerk auf die prestigeträchtige GTi-Bezeichnung einzustellen.

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Hier darf man sich keine Fehler erlauben, daher gibt es neben einer breiteren Spur vorne wie hinten, auch ein neues Setup, welches den typischen Peugeot-Komfort auf ein Minimum reduziert. In Maßen, aber relevant für die Fahrdynamik wurde der negative Sturz vorne (-1,67°) wie hinten (-1,75°) erhöht. Dabei ist er im Vergleich mit Mégane RS, Leon CUPRA und Co. nicht ganz so zielgerichtet, auf die eine Sache eingestellt. Ein Peugeot muss auch irgendwo noch Komfort bieten. Der Komfort-Faktor muss auch für den Dynamic-Mode samt Sound-Aktuator die Auflage gewesen sein, denn nur noch leicht verstärkt dröhnt es nun auf Knopfdruck in den Innenraum. Die Motoranzeigen wie Drehmoment, Ladedruck (maximal 2,5 bar Druck muss der BorgWarner Turbo aufbauen) und Leistungsabgabe sind eine schöne Spielerei, doch die Augen sollten auf die Straße gerichtet sein.

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Dank vollem Drehmoment von 330 Nm bei 1.900 U/min lässt sich der Peugeot 308 GTi auch schaltfaul wieder aus den Kurven schieben. Während dagegen bei sportlicher Fahrweise das Torsen-Differential auf voller Leistung arbeitet, um die Kraft unvermittelt auf die Straße zu übertragen. Das notwendige mechanische Mittel ist in dieser Klasse einfach nicht wegzudenken, wer hier mitspielen will, der braucht eben jenes. Wer seine Kraft über die Elektronik verteilt verliert, wohl auch deswegen lässt sich das ESP im 308 GTi vollständig abschalten. Sodass in Folge dessen, sogar ein kurzer Heck-Schwenk auf der nassen Rennstrecke möglich ist. Im aktivierten Modus greift es auch später ein, als bei gewöhnlichen 308 Modellen.

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Wer zwei Liter Sprit auf den Normverbrauch von 6,0 l/100km draufpackt, der weiß, was er im Alltag mit dem Franzosen benötigt. Wer es auf der Rennstrecke wissen will, muss natürlich öfters an die Box. Auf dem durchweichten Asphalt des Braga Circuit hinterlässt der Peugeot 308 GTi einen spaßigen ersten Eindruck. Gefühlte 80% seiner Leistung kann er auch bei nasser Straße noch abliefern. Doch umso mehr Wasser vom Himmel fällt, umso schwieriger wird es noch schnell durch die Kurven zu fahren. Doch unermüdlich dreht der 1,6-Liter Turbomotor aus dem Keller auf die 6.000 U/min-Marke hinzu. Die kürzere Übersetzung wandelt sich erst mit dem vierten Gang, wobei er hier nicht mehr ganz so freudig auf sein Ziel zu steuert. Der physikalischen Grenze der Reifen ist es geschuldet, dass er nicht noch einen besseren Eindruck hinterlässt.

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Trotz Torsen-Differential (maximale Sperrwirkung 35%) und sportlichem Setup ist klar, dass der Franzose sein Hauptaufgabengebiet woanders sieht. Wer nur auf der Rennstrecke Spaß haben will ist mit einem Mégane RS deutlich besser bedient, denn schlussendlich lässt sich der 308 GTi auch unauffällig auf gewöhnlichen Straßen bewegen. Das unterstreicht auch die Sitzgarnitur, welche primär komfortabler gepolstert ist, sodass Gesäß und Rücken sich hier auch auf langen Autobahnfahrten wohl fühlen.

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Grundsätzlich ist der Peugeot 308 GTi eher ein „warm“ als ein „Hot“ Hatch. Denn er mag vielleicht auf dem Papier das beste Leistungsgewicht seiner Klasse haben, doch im direkten Duell auf Straße und Rennstrecke, wird er es schwer haben. Gerade Renault und Seat haben hier Modelle im Angebot, die weniger den Spagat als eine klare Richtung wagen. Somit füllt Peugeot für 34.950 Euro die letzte noch verbliebene Lücke mit einem Auto, welches Alltagsbegleiter und Gelegenheitssportler ist.

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Vielleicht kommt mit dem Peugeot 308 R Hybrid in zwei Jahren noch der echte Knaller für die Rundstrecke.

 

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„Coupe Franche“ Sonderlackierung für 1.800 Euro.

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Text/Fotos: Fabian Meßner

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