Wir sind Weltrekordhalter: inmitten der längsten Elektrofahrzeug-Parade der Welt

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Wir haben es geschafft! Nicht nur unser EV-Roadtrip mit dem Nissan Leaf als Packesel verlief ohne größere Komplikationen, sondern auch der Weltrekordversuch die längste Elektrofahrzeug-Parade auf dem Globus zu realisieren. Die Hauptstadt und alle 577 Fahrzeuge sowie deren Insassen sind nun Guinness Weltrekordhalter!

Louis Palmer – Initiator des Versuchs und WAVE Trophy –Organisator – Ansprache am frühen Samstagmorgen in den geschichtsträchtigen Hallen des Hangar 8 auf dem imposanten Flughafen Tempelhof sorgt für Gänsehaut. Die hohe Decken lassen die Stimme des Schweizers nachhallen – weit über 1000 Menschen stehen dicht an dicht gedrängt zwischen einem bunten Feld aus verschiedensten Elektrofahrzeugen: Marke Eigenbau, Prototypen, Studentenprojekte, Serienfahrzeuge oder Umbauten füllen die benachbarten Hallen – was sich hinter den gigantischen, grünen Toren abspielt ist der Einschwur heute und hier den Weltrekord zurück nach Deutschland zu holen, nachdem der zweite Weltrekord (1. + 2. während der WAVE aufgestellt) vor einigen Monaten im Silicon Valley, USA mit einer Kolonne aus 507 Fahrzeugen gebrochen wurde.

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Der Countdown läuft: in 15 Minuten wird mit der Ausfahrt begonnen. Die Rennstrecke des gleichzeitig stattfindenden Formel E-Prix auf dem Flugfeld eignet sich bestens um den Rekordversuch zu realisieren. Normalerweise surren die Formel 1-ähnlichen Rennwagen hier mit weit über 260 km/h auf der Geraden über den für die Fahrzeuge schwierigen Asphalt. Anders als sonst ist kein bisschen Benzin der Luft, dafür elektrisiert die Formel E. Sie polarisiert, regt Diskussionen über den alternativen Antrieb und den Umgang hiermit an. Neugierde, Spannung aber auch Begeisterung bringen die Luft zum knistern. Für mich eine sehr bizarre Erfahrung, denn obwohl das Publikum mit etwas über 27.000 Besuchern gemessen an der Größe der gerade einmal 3,4 km langen Strecke ordentlich ist, hat es der Motorsport, den man lediglich über Pay-TV verfolgen kann, geschafft, eine deutlich vernehmbare Fankultur aufzubauen. Teamshirts, Caps, Autogrammkarten und die für die Nordschleife typischen, signierten Semislicks sind auch hier vorhanden. Zwischen Umweltvertreter, Hipster, Hippie, ultra linkem EV-Besitzer, Car-Sharing-Nutzern und Zweitwagenbesitzern mit einem Herz für mehrere Antriebskonzepte bilden nicht nur das Publikum auf den vier Tribünen – dieser individuelle Haufen sitzt gerade – wenn auch in anderer Gewichtung – in den Fahrzeugen.

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„Noch fünf Minuten. Fünf Minuten.“ –Louis Stimme durchdringt das historische Gebäude. Jetzt sind alle konzentriert, immerhin darf nichts schief gehen, wenn 577 Fahrzeuge hintereinander mit max. 1,5 Fahrzeuglängen ihre Runde absolvieren sollen. Es herrscht eine gespenstische Stille im Hangar. Keine Motorengeräusche, es werden nur leise Gespräche mit dem nebenstehenden Fahrzeuginsassen über heruntergelassene Seitenscheiben geführt. Dabei schreiben wir doch hier gar keine Klausur! Wie gesagt, es ist ruhig, das wird es aber nicht bleiben, denn mein USB-Stick mit den letzten Clubplaylisten nimmt gerade Kurs auf den Anschluss in der Mittelkonsole. Das BOSE-Soundsystem unterhält gerade die gesamte Halle mit Ingrosso und Axwell – ungläubig wird geschaut, welches Fahrzeug den Krach macht, immerhin stehen die vier Buchstaben doch für Bass ohne schädliche Emissionen. Die Durchsagen „Dreeeeiiiiii Miiiinnnuuuttttteeeennnn“ lässt alle zu exzentrischen Fahrern werden mit einem Tick der scheinbar auf die ungeeignete Verwendung der Hupe fixiert ist. Von mir aus! Wir sind dabei. Jubel, Rufe, Schreie – Geräusche einer Kreuzung aus Borstenhaarschwein und paarungswilliger Kohlschnake lassen die Zuschauer wissen, dass dieser riesige Konvoy voller lustiger Menschen gleich aufbricht um die wahrscheinlich feierwütigste „Touristenrunde“ abzulegen. Aus den Autos geschwenkte Fahnen, Nebenhörner, Banner und freudig, jubelnde Insassen fahren mit Stadttempo über das umfunktionierte Flugfeld! Während wir auf eine der letzten Kurven einbiegen wirkt und ruft Marc uns zu, dass wir gefühlt bereits das 500. Fahrzeug seien und der Rekord in trockenen Tüchern sein sollte. Louis steht an der Ausfahrt und protokollierte penibel genau jedes die Strecke verlassene Fahrzeug. Noch strengere Augen haben die offiziellen der bekannten Weltrekordsammlung.

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Während der Formel E-Prix am späten Nachmittag in vollem Gange ist, wird das Zertifikat mit tosendem Applaus an den Tesla-Besitzer Palmer überreicht. Der Rest ist Geschichte und die könnt ihr u. a. bei Daniel nachlesen. Herzlichen Glückwunsch uns allen 😀 Übrigens sind 59 Fahrzeuge der insgesamt 577 Nissan Leafs gewesen!

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Da wir seit Samstag nicht einmal mehr mit einer vollständigen Ladung durch Berlin fuhren und wir unser mobiles Schnellladegerät von Design-Werke gar nicht mehr nutzen mussten, ist dieses im übrigen nun auch im Kofferraum irgendwie ein Rekordhalter, schließlich hat es uns nach Berlin gebracht, ohne dass wir liegen geblieben sind. Wer im Elektroauto mit mir fährt, weiß, dass das eine phänomenale Leistung ist 😛 Mit ordentlich Saft und Spannung geht es auch in zwei Wochen wieder weiter – ich muss zugeben, dass die Erfahrung verdammt viel Laune gemacht hat, ich verdammt viele neue Einsichten über die Technologie erhalten habe und deshalb es auch gerne noch einmal wagen werde in einer ähnlichen Konstellation.

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Wer Bilder oder Videos von unserem WAVE-Roadtrip und dem Rekordversuch sehen möchte, sucht einfach in den sozialen Kanälen nach dem Hahstag #leaf4wave. U. a. sind bei periscope auch einige aufgezeichnete Streams zu finden! Aufgrund der Bestimmungen der FIA darf ich leider keine Bilder von der Rennstrecke wie auch der Parade selbst in diesem Beitrag einbinden. Eine Auswahl ist allerdings gesammelt direkt bei der WAVE zu finden.


5 Gedanken zu “Wir sind Weltrekordhalter: inmitten der längsten Elektrofahrzeug-Parade der Welt

  1. Schöner Bericht. Ich mach mich auch bald dran. Spiegelt wirklich das Gefühl wieder, das wir während der Zeit hatten.

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