Fahrbericht Audi A7 Sportback 2.0 TFSI

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Kann ein über 4,90 Meter langes Luxus-Schiff mit einem kleinen Zwei-Liter Vierzylindermotor „betrieben werden“? Geht man nach Audi, dann kann man das tun, denn seit dem Facelift des Audi A7 Sportback bzw. dessen Modellaufwertung gibt es statt der Basismotorisierung mit sechs Zylindern nun einen 2.0 TFSI als Einstieg. 252 PS und 370 Nm Drehmoment sollen ausreichen, um mit dem doch gut ausgestatteten Sportback bei einem NEFZ-Verbrauch von 6,2 l/100km durch die Gegend zu gondeln. Die Frage; kann das gut gehen beantwortet der Fahrbericht.

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Zu allererst muss gesagt sagt, der NEFZ-Wert ist ein Traumwert. Wir wissen durch diverse Challenges, dass es möglich ist den NEFZ-Wert der Audi-Motoren zu schlagen, zumindest wenn es sich um die Dieselantriebe dreht. Allerdings sprechen wir hier von einem Vierzylinder-Motor, der durch Turboaufladung eben jene 185 kW abgibt. Nun die Leistung ist spürbar und sie ist durchaus ausreichend, aber und das soll ein großes sein: sparsam ist er nicht! Nie wirklich bemüht bewegt der Motor die knapp 1.800 Kilogramm mühelos bis auf 250 km/h – dann ist elektrisch der Riegel vorgeschoben. Doch er gönnt sich in diesem Fall auch einige Liter mehr als angegeben.

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Ohne dem Spritverbrauch den Kampf anzusagen, dabei dennoch etwas vorausschauend zu fahren sinkt der Durchschnittsverbrauch nie wirklich unterhalb der neun Liter Grenze. Hin und wieder gibt der Bordcomputer Zahlen wie 8,7 oder 8,9 l/100km an, doch die sieht man selten. Das kalte Wetter spielt ihm nicht gerade in die Hände, denn das ist jenseits von den schönen Laboren, doch genau hier fährt eben der Durchschnitt, in der Welt voller Umwelteinflüsse. Dann sind es auch gerne bis zu 12 Liter im Schnitt, die sich der kleine Vierzylinder gönnt.

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Da stellt sich natürlich die Frage, lohnt sich die Ersparnis in der Basis, die sich bei den Extras schnell wieder relativieren kann, wenn man für ein wenig mehr Geld den größeren 3.0 TFSI (333 PS / 440 Nm) haben kann oder direkt zu einem echt sparsamen Triebwerk aus der Diesel-Palette greift. Gut gegenüber dem 3.0 TFSI würden man ziemlich exakt 10.000 Euro sparen, doch das sind auch wieder Peanuts für Menschen, die ein solches Auto bewegen wollen. Den an und für sich sollte es dem Durchschnitts-Proll-3er-Fahrer nicht erlaubt sein auf ein solches Auto umzusteigen. Bitte nicht noch eine Karosse die durch miese Fahrer ein schlampiges Image bekommt.

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Mit 51.300 Euro eröffnet man einer deutlich breiteren Kundschaft die Möglichkeit einen A7 Sportback zufahren, denn ansonsten sind im Schnitt glatte fünf bis zehntausend Euro mehr notwendig. Da hört der durchschnittliche Golf-Fahrer schon auf zu rechnen und überlegt nicht einmal, doch bei fünfzigtausend kommt man doch nochmal ins Grübeln. Nunja aber bei einem Preis von 78.240 Euro brauchen wir uns darüber nicht weiter streiten. So viel kostet der in Karatbeige Metallic dastehende 2.0 TFSI nämlich.

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Und das noch ohne quattro-Antrieb, der wird erst zum kommenden Jahr angeboten. Vollgepackt mit Extras, kann schon einmal der Basispreis förmlich explodieren. Würde ich ihn mir so kaufen? Nein! Der Motor ist mit Sicherheit ein Weg in die richtige Richtung, reicht völlig aus für den haushaltsüblichen A7 Sportback Gebrauch inklusive Autobahn-Hatz, doch er säuft mir einfach zu viel. Dann investiere ich doch lieber direkt ein paar müde Kreuzer mehr und wähle einen der drei V6 TDI-Motoren.

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Denn die Form ist einfach der Hammer! Diese Eleganz eines Coupé mit der breiten Schulter und dem breiten Heck, das können die Ingolstädter derzeit einfach am besten. Da kann mich kein Panamera, kein 6er Gran Coupé oder CLS von abbringen. Wie alle genannten Modelle ist auch der A7 Sportback der „Autobahn-Treiber“ und kein Freund von zackigen Landstraßen, da kommt die Luftfederung einfach nicht hinterher. Die komplette Auftrennung aller einwirkenden Kräfte gelingt der Fünflenkerkonstruktion an der Vorderachse bravourös. Die Trennung von Längs- und Querkräften funktioniert so gut, dass man glatt meinen möchte man schwebt teilweise über den bröckeligen Asphalt. Klar im Extrem wird das beim schnellen Umstieg in das eigene Alltagsauto.

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Zum ersten Mal konnte ich auch das Matrix-LED „for real“ testen. Vorgestellt wurde es schon in einigen neuen Modellen, doch bisher hat es immer durch zu viel Tageslicht nicht wirklich viel Sinn ergeben. Bei einer Nachtfahrt war es dann endlich soweit. Der Nachtassistent, der per Infrarot die Straße scannt und im Infodisplay wiedergibt funktioniert an und für sich gut, hat nur Schwierigkeiten Personen zwischen Bäumen zu markieren. Das Matrix-LED, in diesem Fall das Fernlicht-Modul, funktioniert in 97% der Fälle genauso, wie wir es schon zu Hauf im Labor gesehen haben.

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Eine andere Lichtquelle kommt auf uns zu, die Fernlichtmodule werden nacheinander abgeschaltet und leuchten sobald sich das Fahrzeug wieder entfernt hat voll auf. Leider wurde nicht immer nur das entgegenkommende Fahrzeuge „ausgespart“, sondern teils die ganze linke Seite. Ganz so wie im Licht-Labor hat es also leider nicht funktioniert. Vorteile hat es in jedem Fall, insbesondere wenn der Vordermann ein schwaches Fahrlicht benutzt und das Matrix-LED um ihn herum alles hell erleuchtet.

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Der Soundcheck darf nicht fehlen. In diesem A7 Sportback war (leider) nur das Bose-Soundsystem verbaut, ich hätte zu gerne mit dem Bang&Olufsen getestet. Nun denn CD einlegen und los-hören. Die Bässe sind wie von Bose gewohnt schwach ausgeführt und wenn sie kommen, dann überspielen sie alles andere, was auch nicht Sinn der Sache sein soll. Bei der CD im Einzelnen gab es wieder einmal Probleme bei Amy Winehouse in den Höhen. Neu dagegen sind die erstmals aufgetretenen Defizite bei Jimmy Smith’s „The Cat“. Soll in Summe heißen, es war schlechter als erwartet und resultiert in sieben von zehn Punkten. Beim Blick auf die Technik müssen wir auch nicht weiter rätseln, warum es nur eine 7/10-Wertung ist. Das Bose-Soundsystem arbeitet mit einem Zwölfkanalverstärker auf 14 Lautsprecher. Da hilft auch die Leistungsangabe von 600 Watt nicht weiter. Wer klaren Sound will muss bei Audi zu Bang&Olufsen greifen.

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Das große Fazit zum 2.0 TFSI bin ich noch schuldig. Kurzum gesagt, ich hätte es deutlich schlimmer erwartet. Die Idee einen Vierzylinder in ein solches Luxus-Automobil zu packen (ohne einen Plug-in Hybrid oder ähnliches) hielt ich für eine ziemlich bescheidene Idee. Denn mir ist noch kein A7 begegnet der permanent die rechte statt der linken Spur benutzt hat. Dementsprechend überrascht war ich von der Leistungsentfaltung des Vierzylinders. Er mag für den Einstieg in dieses Fahrzeugsegment ausreichen, wenn man sich damit anfreundet deutlich öfter beim Tankwart einen Stopp einzulegen, als bei den größeren Motorisierungen. Besonders für solche, die viel, lange und schnell auf der Autobahn sind wird es ein eher kurzweiliges und teures Vergnügen. Meine persönliche Wahl wäre in jedem Fall aus Sicht des Verbrauchs ein anderer Motor.

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Audi A7 Sportback 2.0 TFSI

Reihenvierylinder (quer) 1.984 cm³ (Turboaufladung)
252 PS bei 6.000 U/min
370 Nm bei 1.600 – 4.700 U/min
6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 250 km/h (elektr. Abgeregelt)
Kombinierter Verbrauch 6,2 l/100km (CO2: 144 g/km)
Testverbrauch 8,7 – 11,9 l/100km
Modellgrundpreis 51.300,00 Euro
Testwagenpreis 78.240,00 Euro

Text/Fotos: Fabian Meßner

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