Die laute Affäre: BMW M235i M Performance im Fahrbericht

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Laub, Regen und 326 PS. Die perfekte Kombination, um nach dem Ausklang auf zwei Rädern, auch die Saison auf vier Rädern gebürtig zu verabschieden. Wenn auch nur wenige Tage und Stunden waren es wundervolle, die ich mit dem BMW M235i M Performance verbracht habe. Das kleine Coupé ist der ideale Ausgleich, wenn der Alltag zu langweilig geworden ist, denn es reißt dich heraus aus dem öden „Real Life“ und packt dich in die „Fun Zone“.

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Ich könnte mich darüber aufregen, dass ich den Schlüssel zum Öffnen raus holen muss. Oder darüber echauffieren, dass ich mit dem iDrive nicht so gut klar komme. Oder Olle Kamellen erzählen, warum manuelle Gänge besser sind als das Acht-Gang-Automatikgetriebe. Genauso kann ich die Frage in den Raum werfen, warum „M Performance“ gestickt ist und nicht als Plakette vor dem Beifahrer klebt. Oder warum ein Auto mit 326 PS durch eine Start-Stopp-Automatik kastriert wird. Ich kann es aber auch einfach lassen und darüber schreiben, wie verdammt perfekt nochmal dieses Fahrzeug ist.

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Da es von BMW ist erwartet man eigentlich nichts anderes als Perfektion. Immerhin gehen mit diesem Wagen mehr als 52.000 Euro über den Ladentisch. Da sind die zusätzlichen 8.049 Euro für die M Performance Parts noch gar nicht inbegriffen. Doch es ist sinnvoll investiertes Geld, das in einer frech knatternden (manche bezeichnen es als blechern) Abgasanlage und einem Alcantara-Lenkrad samt sportlicher 12-Uhr-Markierung in rotem Leder gipfelt. Die Carbon-Kappen an den Außenspiegeln und die kleine Abrisskante im gleichen Material sind dann wohl mehr optische Verbesserungen – wer es denn will.

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Das Herzstück ist ohnehin der Antrieb, dem im Fall der M Performance Verbesserung noch ein mechanisches Sperrdifferential zu Gute kommt. Letzteres leistet dabei noch vorzügliche Arbeit und lässt den M235i schnell aus jeder Kurve treiben. Ein kleiner Schlenker im Heck gehört da immer mal wieder dazu, doch wer es nicht übertreibt, der wird auch nicht „gebissen“. Lediglich infiziert von einem agilen Fahrverhalten, dass Laune macht und vielleicht einen negativen Beigeschmack für die Bereifung hat. Auch wenn 60% reichen würde, wird das Gaspedal gerne auch mal zu viel betätigt, um die 326 Pferde zu kitzeln, anzustacheln, dem Heck einen kleinen Schubs zu geben. Die Folge ist ein Grinsen auf der Fahrerseite und ein leicht genervtes Kopfschütteln auf der Beifahrerseite.

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Grund genug alleine auf Tour zu gehen, den Reihensechser in allen Lebenslagen zu erfahren und der „blechernen“ Akustik zu lauschen. Das leichte Untersteuern, das von diversen Printmagazinen* bemäkelt wurde, war mir kaum ein Dorn im Auge und auch nicht so negativ aufgefallen wie den Papier-Schreibern. Ich bin mir sicher, da würde sich an der „spezifischen Elastokinematik“ der Vorderachse, die nur für den M235i greift, noch etwas verändern bzw. verbessern lassen. Die variable Sportlenkung braucht keinerlei Verbesserungen. Evolutionär würde ich sagen, dass im M4 die Umsetzung der elektro-mechanischen Lenkung noch besser ist, auch im kleinen Sportcoupé arbeitet ein erstklassiges Gestänge. Keinerlei Spiel um die Nulllage, präzise lässt sich das Coupé dahin steuern, wo ich hinwill.

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Auch Korrekturen, die bei dem flotten Heckantrieb hin und wieder nötig sind, sitzen direkt. Mit den 1.470 kg Leergewicht ist der M235i ein ganz schön schwer gewordenes Coupé, will doch der BMW M4 „knapp unter 1.500 kg“ wieder – wenn man keine Extras dazu kauft. Immerhin bietet der Reihensechszylinder noch viel Luft nach oben, wie wir schon an zahlreichen Tuning-Berichten gesehen haben. Alleine 0,8 bar reichen dem Turbolader aus, um bereits ab 1.300 U/min das Drehmoment von 450 Newtonmeter bereitzustellen. Das wird dann auf einem Plateau bis 4.500 Touren gehalten. Die 326 PS die zwischen 5.800 und 6.000 U/min anstehen sind auch mehr ein grober Richtwert – aktuell haben wir schon von bis zu 444 PS aus dem N55 Aggregat berichtet.

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Eingangs hatte ich schon erwähnt, dass dieser spezifische M235i mit der 8-Gang-Automatik ausgerüstet ist. Das mag den ambitionierten Fahrern nun ein ordentlicher Dorn im Auge sein. Allerdings bieten die zwei zusätzlichen Gänge einen großen Vorteil gegenüber dem manuellen Sechsganggetriebe: eine größere Spreizung der Gänge. Soll heißen insbesondere der zweite und dritte Gang sind noch sehr kurz übersetzt (3,143 / 2,106) gegenüber dem Handschalter (2,315 / 1,542). Das hat zur Folge, dass im Sprint die Nadel 0,2 Sekunden eher die 100 km/h-Marke passiert, zumal auch in engen Kurven der zweite Gang ausreicht und nicht in den ersten geschaltet werden muss – obwohl er das per Schaltpaddle auch gerne tut, wenn du es willst.

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Seit der ersten Testfahrt mit dem M4 Coupé hatte ich nicht mehr so viel Spaß. Downsizing hin oder her, wenn BMW M den Reihensechszylinder kippt, dann stirbt jetzt auch ein kleiner Teil von mir. So ein Aggregat will man nicht mehr missen, von der agilen Fahrweise des Heckantrieb ganz zu Schweigen.

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*AB sportscars hat den Audi TTS gegen den Peugeot RCZ R und BMW M235i verglichen. Natürlich gewinnt der TTS diesen Vergleich aufgrund keiner signifikanten oder festgehaltenen Behauptung. Quasi einfach nur so. Die Konzepte sind in meinen Augen schwer überhaupt miteinander zu vergleichen, auch weil laut sportscars kein Zeiten-Vergleich gemacht wurde, sondern nur subjektiv bewertet. Ganz offen: subjektiv betrachtet ist der TTS extrem agil geworden und auch fahrdynamisch richtig gut, doch ihn mit einem Hinterradantrieb des BMW zu vergleichen ist frech – klar mag der quattro (bei geringerem Gewicht) schneller sein, doch was macht mehr Spaß? Richtig RWD!

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BMW M235i Coupé M Performance

Reihensechszylinder (längs) 2.979 cm³ (Twin-Scroll-Turbolader)
326 PS bei 5.800 – 6.000 U/min
450 Nm bei 1.300 – 4.500 U/min
4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 250 km/h
Kombinierter Verbrauch 7,6 l/100km (CO2: 176 g/km)
Testverbrauch 9,6 – 11,9 l/100km
Modellgrundpreis 46.000,00 Euro
Testwagenpreis 52.299,99 Euro (exkl. M Performance: 8.049 Euro)

Text/Fotos: Fabian Meßner; Titelbild: BMW Group