Nissan Pulsar: Mit viel Platz zurück in der Kompaktklasse

Nissan-Pulsar-Profil

Der Ruf nach einem Nachfolger war laut. Nissan hat die Stimmen erhört. Pulsar heißt das neue Modell der Japaner, welches die Kluft zwischen Micra und Note schließen soll, aber wer soll das Auto im C-Segment überhaupt kaufen?

Der erste Gedanke ist doch der, dass Nissan nach dem gigantischen Absatz-Wachstum von 22,8 % im ersten Halbjahr ein weiteres Volumenmodell nachschiebt um diesen bisher langatmigen Aufwärtstrend halten zu können, denn mich sprach der Pulsar zuerst optisch überhaupt nicht an.

Nissan-Pulsar-34

Nach gut zwei Stunden Juckelei hab ich mich dann jedoch in einige Merkmale und Features verguckt. Erst einmal fällt bei schrägem Lichteinfall von vorne und hinten die stark gezeichneten Linien auf, welche der 5-Türer sich einverleibt hat. Die X-förmige Anordnung der Spangen in der Front sind wohl bekannt aus dem Qashqai und X-Trail, doch die markante Schulterlinie verleiht dem Fahrzeug einen frischen Touch, der sich auch in dem in Carbonoptik gehaltenen Diffusoransatz wiederfindet. Die Rückleuchten sind sehr gelungen und fast schöner anzusehen als die symmetrisch laufenden Linien vor Kopf.

Nissan-Pulsar-Vorne

Doch punkten kann der ab 15.990 € erhältliche Kompakte vor allem mit einem: ausgiebige 692 mm Beinfreiheit, die sogar den Mittelwert im D-Segment übertrumpft, und viel Kopfhöhe im Heck. Klar, hierdurch ergibt sich auch die neuartige Karosserieform, aber sie trägt einen erheblichen Nutzen, vor allem wenn Nissan den Trend vorhersieht, dass solch ein PKW als Familienauto bzw. -ersatz taugen soll. Neben dem ausreichenden Stauraum von 385 l (mit umgeklappten Rücksitzen 1395 Liter), der dank nicht störender Ladekante genutzt werden kann, ist er auch Klassenbester in punkto Innenraumnutzung.

Nissan-Pulsar-Knieraum

Nissan-Pulsar-Cockpit

Nissan typisch wird man hochgesetzt, was nicht nur Frau gefällt, sondern auch der Mann will den Überblick wieder erlangen. Gemütlich, praktisch gut. Kein gänzlich neuer Wurf in der Aufmachung des Innenraums. Aus Tradition schlicht aber robust gehalten. Die Steuerung der Systeme über das Lenkrad ist intuitiv, funktioniert mittels großen Tasten und Kippschaltern tadellos – die Form und Größe gefällt. Das aufpreispflichtige Touchscreen-Display ist ausgereift, aber von der Größe und Design nicht mehr zeitgemäß – es ist bspw. auch im Micra zu finden.

Nissan-Pulsar-Lenkrad

Dafür gibt es eine satte Serienausstattung, wie das gut auflösende 5″ Fahrerinformationsdisplay mit weitaus besserer Navigationsanzeige und den typischen Bordcomputer-Features von Haus aus. Klimaanlage, elektrische Fensterheber rundum wie auch sechs Airbags sind auch dabei.

Nissan-Pulsar-Kofferraum

Bereits die Acenta-Ausstattungslinie überrascht mit der Vielzahl an Sonderausstattungsmerkmalen. In dieser Klasse erhält der Aufpreis von 2.640 Euro das Touchscreen-Navigationssystem Nissan Connect inkl. Around View Monitor, vier elektronische Fahrassistenzsysteme, wozu auch der Notfallbremsassistenz gehört, Sitzheizung, LED-Frontscheinwerfer und optische Highlights. Lederausstattung gibt es nur in der Topversion Tekna.

Nissan-Pulsar-Heck

Als Fronttriebler neigt er natürlich zu übersteuern, liegt aber im normalen Fahrbetrieb sehr satt und neutral auf der Straße ohne die Karosserie stark Aufschwanken zu lassen. Der extrem lange Radstand von 2,7 Metern baut direktes Vertrauen in das Handling auf und sorgt für einen ruhigen Lauf.

Nissan-Pulsar-Seite

Kritisch hingegen ist die Motorenpalette zu sehen. 115 PS leistet der 1,2 l Ottomotor, der mit 190 Nm allerdings nicht für genug Vortrieb sorgt, weder das 6-Gang-Getriebe scheint dafür ausreichend übersetzt noch darf man die volle Zuladung erreichen, um mit dem Aggregat bequem den Weg beschreiten zu wollen – natürlich gilt es hier das Fahrzeug auf seinen Zweck als Pendlerfahrzeug zwischen Suburb und Arbeitsstelle zu reduzieren, doch im bergischen wird er seine Probleme haben. In Remscheid trieb es den Spritverbrauch z. B. urplötzlich in die Höhe. Der für 2015 angekündigte 1,6 l DIG-T-Turbobenziner mit 190 PS und 240 Nm Drehmoment klingt da schon besser, dürfte den meisten allerdings zu viel Dampf haben. Auch wenn Flottenkunden sicherlich erst einmal nicht Nissan auf dem Schirm haben, so dürfte der 1,5 l Selbstzünder mit 110 PS und 260 Nm die meiste Freude bereiten. Vielfahrer profitieren definitiv von dieser Konstellation.

Ein Automatikgetriebe für den kleinen Benziner folgt später.

Der Spritverbrauch lag im Test mit etwas weniger als einem Liter über den Werksangaben im Mix, hierüber kann ich aber kein finales Statement ziehen. Milos ist ihn auch schon gefahren, wie der Nissan Pulsar für ihn abschnitt und wie ihm die Technik gefiel erfahrt ihr hier.

Ein Gedanke zu “Nissan Pulsar: Mit viel Platz zurück in der Kompaktklasse

  1. „…der 1,2 l Ottomotor, der mit 190 Nm allerdings nicht für genug Vortrieb sorgt…“ – Bitte???? Das ist doch super für nen 1,2 l, der soviel Drehmoment wie ein 2,0 l Sauger hat und das auch noch bei niedrigerer Drehzahl. Kein Sportwagen, aber endlich mal einJapaner der die Europäische Motorenphilosphie in sich trägt, wenn auch genetisch durch die Renault-Abstammung

Kommentar verfassen