Achtung Polo: der neue Škoda Fabia 1.2 TSI im Fahrbericht

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Das Baukasten-Prinzip, welches in erster Linie Geld spart, birgt neuerdings auch Gefahren. Das 2014 Facelift des VW Polo als solches wird vom eigenen (Billig-)Bruder bedroht. Der neue Škoda Fabia kostet nur noch minimal weniger in der Anschaffung und das kann den Kleinwagen-Primus aus Wolfsburg die Krone kosten. Denn der Unterschied ist marginal, nur oben hinaus bietet der Polo mehr sei es Infotainment oder auch an Leistung mit dem Polo GTI. Doch da wo es zählt, beim Durchschnitts-Autofahrer von nebenan, da kann der Tscheche punkten und erhöht den Druck.

11.790 Euro muss man mindestens für einen neuen Fabia hinlegen. Das sind knapp 250 Euro weniger als für einen vergleichbaren Polo, der dann auch nur über den 60 PS starken Dreizylinder aus Citigo und up! verfügt. Das mag ausreichen, dennoch war der 110 PS starke 1.2 TSI Vierzylinder Turbomotor irgendwie interessanter, weshalb die Wahl für das Testfahrzeug auf die 81 kW-Topmotorisierung im Fabia fiel. Genau Topmotorisierung, denn den Fabia RS wird es nicht mehr geben. Schade eigentlich, denn mit dem neuen Fahrwerk und dem agileren Fahrverhalten, sowie dem subjektiv betrachtet tieferen Schwerpunkt, wäre das genau die richtige Basis für einen flotten Tschechen.

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Für den 1.2 TSI mit Sechsgang-Schaltung muss man dann schon mindestens 16.770 Euro hinlegen; in der Style Ausstattung ist es noch etwas mehr. Diese zeichnet sich äußerlich durch schwarze Akzente aus, wie etwa im Frontscheinwerfer oder an der Einfassung der Rückleuchten. Doch das soll es nicht gewesen sein, die dritte Generation ist vor allem Erwachsen. Nicht mehr süß, knubbelig und hochbeinig, nein, endlich so, dass man ihn durchaus für voll nehmen kann.

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Die manuelle Sechsgang-Schaltung bleibt diesem einem Triebwerk vorbehalten. Wahlweise gäbe es auch noch das 7-Gang-DSG (das wiederum ist auch für den 90 PS Diesel verfügbar). Sanft, präzise und ohne großen Aufwand flutschen die Gänge rein. Die 110 PS haben leichtes Spiel mit der knappen Tonne Gewicht, da kommt sogar auf den Landstraßen ein wenige Fahrfreude auf. Für die Stadt reichen mit Sicherheit auch die kleineren Motoren. Wer hin und wieder allerdings Ausflüge über die Autobahn macht, der sollte dabei eher auf den 1.2 TSI setzen. Denn ansonsten wurde schnell an der falschen Stelle gespart und man ärgert sich, wenn die LKWs links an einem Vorbeiziehen.

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Für Fahrer und Beifahrer bietet der neue Fabia viel Platz, obwohl er insgesamt acht Millimeter kürzer ist als sein Vorgänger. Auch die Höhe hat abgenommen, doch Innen ist davon nichts zu spüren. Die Kopffreiheit in der ersten Reihe ist phänomenal, auch wenn sich der Sitz gerne noch etwas tiefer einstellen lassen dürfte. An den kleinen Hochsitz hat man sich glücklicherweise schnell gewöhnt. Hinten und das ist bei einem Auto dieser Klasse nicht unwichtig, lässt es sich auch aushalten. Zumindest wenn das Auto steht. Wie es sich bei der Fahrt verhält – keine Ahnung. Die Kopfstütze im Fond kommt leider schnell an ihr Limit. Sicherheitsbewusste Menschen über 1,85 m sollten allerdings vielleicht nicht gerade hinten Platz nehmen. Von der Kniefreiheit ist es ausreichend, viel Platz für Füßeleien ist nicht, Fußkrank sollte trotzdem keiner werden.

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Die Vielzahl an MQB-Technologien kommen im Fabia positiv zu Tragen, zwar ist es eine Art Lego-Bausatz und kein kompletter Modularer Querbaukasten, doch es sind die wesentlichen Teile, die den Unterschied machen. Die Motoren, die Elektrik in großen Teilen, wie auch die elektro-mechanische Lenkung (C-EPS) machen einen guten Job. Die Lenkung ersetzt die elektro-hydraulischen Servolenkung, spart Sprit und Gewicht ein. Das Lenkverhalten als solches lässt sich als zuverlässig und im Rahmen eines Kleinwagen als präzise festhalten. Verbesserungsansprüche gibt es in diesem Feld nicht.

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Die gibt es dafür an anderer Stelle. Der Weg fort von einem fest-eingebautem Navigationssystem mag der richtige sein. Immerhin ist die Nachfrage laut Škoda im Kleinwagensegment kaum vorhanden. Da liegt es nahe die Navigation „outzusourcen“. Heißt also MirrorLink, mein absolutes Lieblingssystem – nicht – wird gegen Aufpreis verbaut. Natürlich hat es auch dieses Mal wieder Probleme bereitet zu navigieren. Dabei sagt Sygic von sich selbst einer der erfolgreichsten Navigations-Apps weltweit zu sein. Die App kommt aus den USA, da liegt es auf der Hand, dass sie in Europa eher mäßig gut funktioniert. Darüber hinaus funktioniert MirrorLink im Fabia bisher nur mit einem einzigen Smartphone, dem HTC One M8. Die zusätzlichen Apps wie Skoda Drive oder MFA Pro benötigen allerdings ein iPhone. Verkehrte Welt. Diese über SmartGate agieren Apps sind ganz nette Spielerein, erfreuen dabei aber nur kurz das Gemüt. Total Sinn-frei sind die Performance App und der G-Meter, denn Werte von 0,5 g und mehr beim bloßen „Gaspedal lupfen“ sind perfide gesagt übertrieben. Ich hoffe einfach darauf, dass einer, der sich mit Navigation auskennt, wie etwa Garmin, TomTom oder Navigon einfach mal die MirrorLink-Schnittstelle öffnet. Dann könnte das ein sinnvoller Ersatz für ein fixes Navi sein.

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Mit sechs Airbags, Keyless Go System, City-Notbremsfunktion, Parksensoren nun auch für die Front und Multikollisionsbremse ist gleichermaßen an Sicherheit und Komfort gedacht worden. Kurzum es wird schwierig für den Polo gegen den einst belächelten Fabia. Materialanmutung und Verarbeitung geben sich in dieser Klasse nämlich rein gar nichts, da liegen beide auf dem glitze-gleichen Niveau. Einzig die mittig aufgesetzten Ausströmer der Klimaanlage stören das Antlitz der Kabine. Zu bestellen ist er bereits seit Wochen, ab dem 15. November steht er dann beim Händler. Der Fabia Combi folgt im Frühjahr 2015.

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Text/Fotos: Fabian Meßner; Innenraumbild Škoda