Fahrbericht Peugeot RCZ R: Unstoppable Beauty

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Schlüssel rein, Tür zu, Fenster runter. Ich gehe seit der ersten Fahrt im Peugeot RCZ R immer nach demselben Schema vor. Zu langweilig ist es mir, mich akustisch nur am Klang des Motorsoundgenerator zu erfreuen. Nein ich will den Motor hören, wie er klingt, die Abgasanlage, wie sie rotzt und den Turbo, wie er pfeift. Wobei eigentlich lässt er immer nur ein mächtiges Pop-off des Bypass-Ventils hören. Herrlich, daran könnte ich mich als Klingelton erfreuen. Mehr davon im Fahrbericht zum Peugeot RCZ R.

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Peugeot Sport steht überall geschrieben. Das hat das Sportcoupé aus Frankreich durch und durch verinnerlicht. Sport gibt er nicht nur vor, das kann er. Nicht wie viele andere Hersteller, die ihren Ausstattungen coole, freshe Namen geben, die drüber hinwegtäuschen sollen, dass es hier nicht im Geringsten um Sport geht. Nein der Bursche, liefert keine Baguettes aus, der brennt Bestzeiten in den Asphalt.

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Viel zu schade für die Stadt, selbst die Landstraße kann den RCZ R nicht voll fordern. Ready to race könnte ihm genauso auf die Marketing-Fahne geschrieben werden, denn nur dabei wird das Coupé mit Frontantrieb voll ausgereizt. Die beeindruckende Technik steckt nicht etwa im 1,6-Liter Turbomotor, der 270 PS leistet, nein erst später im Antriebsstrang ist das Wunderwerk angeordnet.

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Kurz bevor die Antriebskraft auf die Räder losgelassen wird, geht sie noch durch ein Torsen-Differential. Eine mechanische Technik die zunehmend verschwindet. Leider. Und das aus zwei einfachen Gründen. Es ist (zu) teuer und die elektrischen Differentiale, die über das ESP Modul arbeiten, genügen mehr als 90% der Autofahrer. Sie fühlen sich damit (und durch viel Marketing Gelaber) immer schneller, als ohne.

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Beim RCZ R werden die Antriebsmomente aktiv über das Differential verteilt. Beispiel Kreisfahrt, dabei bekommt das kurvenäußere Rad mehr Moment zugesprochen, damit es die längere Strecke, schneller zurücklegen kann. Bei den elektronischen Systemen, wir das kurveninnere Rad abgebremst, damit das kurvenäußere Rad aufholen kann. Ganz hip und neudeutsch wird dies auch meistens „Torque Vectoring“ genannt.

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Nun wie gut funktioniert es im Peugeot RCZ R? Er ist auf jeden Fall der schnellste und krasseste Frontkratzer in dieser Leistungsstufe. Der Seat Leon Cupra beispielsweise liegt auf die Leistung radikalisiert in derselben Klasse. Er hat ebenfalls ein richtiges Sperrdifferential an der Vorderachse. Der höhere Schwerpunkt und die nicht ganz so aggressive Abstimmung machen ihn dabei aber „weicher“ als den Franzosen. Mehr Hardcore bietet der Corsa OPC Nürburgring Edition, ihm fehlen aber sechzig Pferdchen auf den Franzosen. Kurz gesagt: Für Geld der beste Fronttriebler, den es aktuell zu kaufen gibt.

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Den Anspruch, den er mit der festen, dicken Frittentheke erhebt, verfolgt er auch weiter im Innenraum. Wohl ausgeformte Sportsitze, die Hüfte, wie Schulter gleichermaßen fest im Sattel halten. Der Schaltknauf verkürzt, das Lenkrad frei von störenden Knöpfen. Die einzige „Multifunktion“ ist ein kleines Kreuz auf dem Mitteltunnel, unterhalb der Peugeot Sport Plakette. Viele Funktionen kann man damit nicht verändern/bedienen, wozu auch, denn hier steht das Fahren im Vordergrund.

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Endlich mal wieder ein Auto, das für das Autofahren gemacht ist. Einparken ist keine Freude, denn zum einen willst du den RCZ R damit wieder abstellen, was eine dumme Idee ist und zum anderen ist die Lenkung frei von „variabler Übersetzung“ oder ähnlichem Kram. Das heißt, dass ordentlich gekurbelt werden muss und dabei mehr als nur ein Finger nötig ist um das 4,29 Meter lange Coupé in eine Parklücke zu buchssieren. Mit anderen Worten die Lenkung ist „superb“, denn sie verändert sich nicht. Du kannst dich damit ideal auf das Auto einstellen, eine Verbindung finden, eins werden mit dem Material. Genau so muss es sein, in einem Auto, das nicht nur so aussieht, als ob es auf die Rennstrecke könnte.

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Die „Dellen“ im Dach (so nannte es ein Passant) untermalen das weiter. Nicht umsonst wurde der Ford GT40 damals mit einer solchen Beule ausgerüstet, damit der Helm drunter passt. Auch im RCZ R entsteht so ein enormer Raum, der ohne Helm nicht voll ausgenutzt werden kann. Der Innenraum als solches, vor allem die Mittelkonsole, kann nicht mit aktuellen Modellen von Peugeot mithalten, aber ehrlich, who cares? Ich habe mich nur selten dabei erwischt, wie der Blick sich außerhalb von Drehzahlmesser oder Straße bewegte.

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Hin und wieder fielen mir auch die eher unwesentliche Aspekte auf, wie etwa, dass der Verbrauch in kaltem Zustand zwischen sieben und acht Litern pendelt, sobald der Motorkreislauf warm ist, sind es etwa nur noch sechs Liter. Wohlgemerkt beim hausüblichen Gebrauch, was andernfalls verbraucht wird interessiert doch nicht. Irgendwann muss eben Super Plus nachgefüllt werden.

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Es tut weh ein Meisterwerk, wie dieses eines ist, wieder abgegeben zu müssen. Selbst das ESP ist so gut abgestimmt, das es viel zu lässt und wenn es doch einmal zu schnell in die Kurve ging, dann arbeitet es so, dass es das Heck weiter miteinlenkt. Klar ist dann ein kurzer Bremseingriff nötig, danach kann es direkt weitergehen. Die Form des RCZ R ist wohl etwas ungewöhnlich, denn klassische Coupé-Züge hat der Franzose nicht. Weder gibt es eine lange Motorhaube, noch ein kurzes Heck. Auffällig anders und das eben nicht nur durch die Fahrleistungen.

Weitere Berichte zum RCZ: mein-auto-blog über den RCZ R, der 160 HDI RCZ bei passion:driving.


Peugeot RCZ R

Reihenvierzylinder (quer), 1.598 cm³ (Abgas-Turboaufladung)
270 PS bei 6.000 U/min
330 Nm bei 1.900 – 5.500 U/min
5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 250 km/h (elektr. abgeregelt)
Kombinierter Verbrauch 6,3 l/100km (CO2: 145 g/km)
Testverbrauch 6,4 – 8,1 l/100km
Modellgrundpreis 42.100,00 Euro
Testwagenpreis 44.940,00 Euro

Text/Fotos: Fabian Meßner