Bridgestone Blizzak LM001: Hält am Polarkreis was er verspricht

© Foto: Per Pettersson.

Bridgestone ist stolz auf diesen Reifen, dass kommunizieren nicht nur die Japaner, dies ist anhand von Messwerten belegt. Der asiatische Premiumreifenhersteller hat innerhalb von drei Jahren, zahlreichen Loops, den Bridgestone Blizzak LM001 entwickelt. Als Benchmark nahm man den mehrfachen Testsieger Continental TS850. Dessen hervorragende Qualitäten ging es zu übertrumpfen und das hat man geschafft, vor allem aber ist es erfahrbar.

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Auf dem Bridgestone Swedish Proving Ground in Vidsel, einer unvorstellbar großen Anlage, um präparierbare Flächen mit Schnee und Eis zu erzeugen, wurde auf gleichen Fahrzeugen die „schwarzen Lebensretter“ getestet (welche den LM032 nach langer Zeit ablösen) an denen niemals wegen deiner Sicherheit und der, der anderen Verkehrsteilnehmer, gespart werden sollte. In Lappland herrschen perfekte Bedingungen für Winterreifentests und derer Entwicklung. Neben Bridgestone hat bspw. Pirelli ein Gelände in der Nähe. Da wunder es kaum, sieht man Mercedes-Benz AMG-Erlkönige, eingeschneite Aston Martins oder BMW Oberklasselimousinen abgeschieden von jeglichen größeren Ortschaften ganz oben im Norden.

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Mit VBOX, GPS-Equipment und einem gewöhnlichen VW Golf VII 1.4 TSI als Referenz für ein Kompaktwagenmodell, ging es dann ans testen. Der eine bereift mit dem Mitstreiter auf dem Markt und der andere mit Bridgestones Neuentwicklung.

Ein 1,8 km langer Rundkurs, gefräst in die unglaubliche Natur, die Schweden zu bieten hat, lies direkt Schlüsse zu. Denn der Conti lenkt direkter ein, wird dadurch aber weniger kontrollierbar sobald das Fahrzeug an Stabilität verliert. Dagegen überrascht der Bridgestone LM001 beim beschleunigen, da er besser Traktion aufbaut und deutlich mehr Feedback an den Fahrer gibt, was sich gerade an der Vorderachse tut. Die verbesserte Seitenführung macht sich so gut bemerkbar, dass sich direkt nochmals ein Quäntchen mehr Vertrauen bei diesem Reifen aufbaut.

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Ein zweiter Rundkurs mit einigen z.T. starken Steigungen wie auch Neigungen, engen Kurven und unberechenbarem Untergrund-Mix hat selbst bei eingeschaltetem ESP, denn auch hier soll ein Unterschied feststellbar sein, die subjektive Meinung weiter verfestigt. Der LM001 macht eine sehr gute Figur. Mehr Bodenhaftung, das steht außer Frage, doch eine bessere Bremswirkung gegenüber dem Conti kann ich nicht unmittelbar ausweisen.

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Einige Slalomvariation bestätigen die erweiterten Seitenführungsqualitäten des Japaners. Der Golf reagiert weicher auf die Lenkbewegungen bleibt dafür aber sehr gut bei Übersteuern beherrschbar.

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Doch wofür haben wir überhaupt die VBOX dabei, Lateral-Sensoren und GPS einschalten, das Programm für die Messung von Beschleunigung (0-40 km/h) und Bremsweg (35-5 km/h / Ingenieur-Null) aktivieren. Nach einigen Durchgängen komme ich im gesamten Umfang der Testszenarios zu dem Schluss, dass Bridgestone mit dem neusten Spross der Blizzak-Serie ein echter „Goal-Getter“ gelungen ist. Die verbesserte Traktion, ließ sich durch die Beschleunigung auf gleichem Untergrund und mehreren Durchführungen bestätigen. Beim Bremsweg ist der LM001 dem Continental TS850 gleich auf – identischer Bremsweg.

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bridgestone-lm001-spiderdiagram-continental-ts850 Wie das Spiderdiagramm zeigt wurde der Reifen vor allem in den Punkten Trocken-Handling, Traktion bei Schnee und dem Verschleiß im Vergleich zum Conti ausgebaut. Einige der Keyfeatures sind:

Dreidimensional-bewegliche Lamellen sind nun über das gesamte Reifenprofil zu erkennen, lassen einzelne Blöcke bei unterschiedlichstem Untergrund noch immer durch eine bewegliche Anordnung funktionell wirken. Hierdurch werden vor allem die Handlingeigenschaften des Reifens und der sog. Kanteneffekt sichergestellt, der mehr Grip durch die vielen verformbaren Einzelblöcke ermöglicht.

Was man am Profil mit bloßem Auge am deutlichsten sieht sind die von Bridgestone getauften hornförmigen Querrillen, die von innen nach außen verlaufen. Durch die Vergrößerung des Querrillenvolumens und Öffnung zum Schulterbereich wird Wasser und Schneematsch besser abgeleitet, der Verdrängungseffekt hat sich verbessert. Eine weitere Besonderheit haben die Wände der Hauptprofilrillen, die im Winkel von 90 Grad angeordnet sind – seitlich betrachtet eine leichte V-Anordnung ergeben. Hierdurch wird der Schnee stärker komprimiert, wodurch wiederum bessere/direkter Bodenkontakt entsteht, maßgeblich entscheidet für die Traktion auf Schnee und den Bremsweg im Allgemeinen.

Details machen viel aus, daher ist der Begriff „Round corner junctions“ interessant. Gemeint sind die akribisch genau abgerundete Profilblockecken, die einen effizienteren Wasserfluss innerhalb der Querrillen bewirken. Ohne diese würden kleine Turbulenzen entstehen, die diesen hindern.

© Foto: Per Pettersson.

So ein Reifen wird nicht direkt als CAD-Modell konstruiert und industriell produziert. Man beginnt den ganzen Prozess mit einigen Prototypen. Dazu bedient man sich eines Baukasten, welcher aus verschiedenen Tools wie unterschiedlichen Compounds (der Gummizusammensetzung des Reifens), dem Reifenprofil und 3D-Design besteht.

Es wird also auf einem Rohling das Profil händisch! Eingeschnitzt. Das passiert bei mehreren Prototypen ehe man sich aufgrund intensivem Testens für einen Benchmark-Kandidaten entscheidet und einige weitere „fine-tuned“. Danach wird ein weiterer Loop gestartet, ehe die erstellten Prototypen samt 3D-Design bei Bridgestone in Rom für das nächste Testfenster gefertigt werden.

bridgestone-winterreifen-sortiment-regionen

Ich selbst bin Bridgestone-Fahrer und äußerst zufrieden mit den Sommerreifen, dem Adrenalin RE002, wie auch den S001 UHP, die Schühchen der Lady. Dass der Hersteller mit der roten Ecke im Buchstaben B nun endlich auch mit einem Winterreifen die Messlatte komplett höher legen kann, ist eine super Neuigkeit, nicht unbedingt aus kommerzieller Sicht, sondern weil durch den stärkeren Wettbewerb tatsächlich Entwicklungen vorangetrieben werden, die Jahr für Jahr die Sicherheit weiter verbessern.

Die Ingenieure von Bridgestone testen über fünf Monate verschiedene Prototypen und beachten dabei ebenfalls Variablen wie Fahrzeugklasse, Antriebsart oder den ganz großen Gamechanger Reifenluftdruck. Wir konnten die gelieferten Ergebnisse im kleinen Rahmen reproduzieren und können den Reifen definitiv in der Spezifikation 195/65R15 91T auf einem Kompaktklasse-Fahrzeug empfehlen (getestet wurde auf homologen VW Golf VII 1,4 TSI).

2014_Blizzak_LM001_Packshot

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