Jaguar XE: Alle Fakten, alle Details

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Mit dem Anstieg auf 1,6 Millionen verkaufter Fahrzeugen im oberen Mittelklasse-Segment ist für Jaguar der XE enorm wichtig, nicht um den Anschluss zu finden, sondern den gigantischen Aufschwung der letzten Jahre weiter halten zu können.

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Um dies zu garantieren haben die Engländer eine Limousine für die gehobenen Ansprüche der Besitzer von Mittelklassefahrzeugen entwickelt. „Better looks, better drive, better value.“ – ein Mantra, welches den Jaguar XE unverblümt beschreibt. Dazu kommt noch der schmale Einstiegspreis von 36.500 € um den Jag sein Eigen nennen zu können.

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Anders als erwartet findet sich unter dem Cover kein potenzieller F-Type Sportback, sondern ein ausgeklügeltes Fahrzeug, das mehr mit dem XF als allen anderen gemein hat. Trotz der obersten Zielsetzung das Fahrzeug Ressourcen-schonend, effizient und günstig im Unterhalt zu realisieren, ist das Außenkleid extrem sportlich ausgefallen. Die weit über die Scheinwerfer gezogene Motorhaube lässt erahnen, was unter der stark konturierten Motorhaube mit dem Höcker stecken könnte. Zwei Schulterlinien führen das Auge zum Heck – eine verläuft unterhalb der Chromspange um den Luftauslass des Motors am vorderen Kotflügel, um das Fahrzeug breiter wirken zu lassen, die andere leicht oberhalb der Türgriffe. Der im S-Model enthaltene Seitenschweller aus schwarzer Carbonoptik deutet bereits an, es könne sich um ein echtes Driver’s Car handeln. Ob da schon vorschnell die Aussage „Best driver’s car in the segment“ die Lippen verließ?

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Zumindest dürfen sich die ambitionierten Fahrer darüber freuen, dass sich der bewährte V6 3.0 Supercharged Benziner mit 340 PS auch im Konfigurator des XE wieder findet. Soundtechnisch und auch im Hinblick auf den optimalen Mix aus Komfort und Sportlichkeit konnte das Aggregat bereits im F-Type Coupé überzeugen. In Verbindung mit dem Achtgang-Automatikgetriebe von ZF wird dies auch trotz großer Gesamtübersetzung Spaß machen, denn die Schaltzeiten werden mittels dem Jaguar Drive Control-Schalter verändert und sprechen damit verschiedene Fahrerprofile an. Zudem ist das kompakte Getriebe so in den Maßen verändert worden, dass es nur noch als Teil eines kompletten Antriebstrangs deklariert wird. Hier zwinkert Jaguar gerne zum DSG rüber, nach deren Problemen über die falsche Auslegung bei erhöhtem Drehmoment.

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Die kostengünstigste Variante ist aber der 2.0 Selbstzünder mit einem Verbrauch von 3,8 l/100 km. 500 Millionen Britische Pfund haben die Engländer in die neue Produktionsstätte der sog. Ingenium-Motoren gesteckt. In den hochmodernen Fabrikgebäuden konnte so ein Nachfolger für die veralteten Dieselaggregate unter strengen Bedingungen konzipiert werden. 70 % weniger Reibung bei den mechanischen Teilen im Vergleich zum Vorgänger – das ist eine Ansage! Start-Stopp-Regelungen sind serienmäßig und verhelfen so dem kleinsten auf gerade einmal 99 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Wer seine Flotte mit einem XE ausstattet, der wird nun auch auf ein Automatikgetriebe verzichten können, denn zum ersten Mal seit fünf Jahren, wird wieder ein Schaltgetriebe mit Semi-Trockensumpfschmierung angeboten. 6 Gänge, dafür 10 – 20 % leichter als die Pendants anderer Hersteller. Nur noch alle 31.000 km ist ein Service notwendig, dies und die geringe Versicherungsklasse machen Jaguars kleinsten zum ultimativen Flottenfahrzeug (Low Cost of Ownership). Interessant dürfte auch der stärkste Diesel im Sortiment sein, denn dieser leistet bereits mehr als 300 Nm bei gerade einmal 750 U/min!

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Bei allen Motoren wurde auf die Verminderung von Reibung geachtet. Zusätzlich wurden Maßnahmen ergriffen um die Geräuschdämmung zu verbessern – im Innenraum soll der gesamte Antrieb kaum mehr hörbar sein. EURO6-konform sind die Motoren jedenfalls.

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Doch punkten wird das Leichtgewicht vor allem durch die Aluminium-reiche Architektur. Eine modulare Plattform, die für folgende Modelle ebenfalls überragende Leistung und Komfort bieten soll. Ein Pionier für die Marke, aber auch für seine Fahrzeugklasse. So gesellt sich neben ultra-verwindungssteifer Karosserie, die aus 70 % hochfestem Aluminium besteht auch noch eine Integral-Lenker-Hinterachse, welche aus der Oberklasse kommt, hinzu. Durch diese Änderungen ist der Body, der lediglich 342 kg wiegt, bis zu 20 % steifer als noch jener vom XF. Jaguar strebt nach deren Berechnung fünf Sterne im EURO und US NCAP-Crashtest an, was ein deutliches Lob für die Entwicklungsstunden wäre. Die einzelnen Komponenten wurden so verteilt, dass sich eine perfekte Gewichtsverteilung von 50/50 ergibt. Das freut unser Herz und noch mehr die Umwelt! Denn das verwendete Aluminium hört auf den Namen RC5754 und wird fast ausschließlich aus recyceltem Material hergestellt.

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8 Millionen Stunden CFD-Simulation brachten ein Chassis zum Vorschein, welche die beste Aerodynamik in Jaguars Geschichte bedeutet. Mit einem cw-Wert von 0,26 brilliert er wirklich. Schaut man sich den Unterboden an, so sieht man rein gar nichts mehr außer peinlich genauer Verkleidung und einem „Underfloor Diffusor“, der nochmals für mehr Anpressdruck sorgt. Selbst die 17“ Leichtmetallfelgen wurden extra so im Design gefertigt, damit Luftverwirbelungen vorgebeugt wird.

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Vorbeugung ist ein gutes Stichwort! Fußgängerschutz durch eine sich blitzschnell aufstellende Motorhaube – klasse! Doch wie sieht es mit der Technik innen aus? Eine Stereokamera hält immer den Blick nach vorne, ein Radarsystem komplettiert die Rundumsicht, selbst wenn der Fahrer mal nicht auf den Verkehr achtet. Damit werden die grundlegenden Funktionen wie AEB (Autonomous Emergency Braking), die bis 40 km/h das Fahrzeug automatisch bremst und bis 80 km/h die Auswirkungen eines Auffahrunfalls durch vorab aufgebauten Bremsdruck erheblich reduziert, Cruise Control mit Abstandshalter, Park-Assistent, Toter Winkel-Warner oder Verkehrszeichenerkennung (dabei werden die erkannten Schilder immer mit dem Navi abgeglichen) bedient. Was aber wirklich Anerkennung bekommt ist die eigentlich simple Reverse Traffic Recognition, die nichts anderes macht als beim Ausparken aus unübersichtlichen Szenarien den rechten und linken Quadranten hinter und seitlich des Autos zu überwachen. Das ist nämlich ein bekannter Blindspot, der häufig Unfälle heraufbeschwört, darunter leider immer wieder Personenschäden.

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Präziseres Handling und das als „connected feel“-beschriebene Lenkverhalten wird durch eine Doppelquerlenkerachse garantiert. Die elektronische Servolenkung verstärkt die subjektive Wahrnehmung, da diese Witterungseinflüsse wie kalte oder warme Umgebungen kompensieren kann und dem Fahrer immer das gleiche Gefühl vermittelt. Auch diese ist eng mit der Jaguar Drive Control verknüpft wodurch die Sensitivität der geschwindigkeitsabhängigen Lenkung eingestellt wird.

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Wird mal ein Bordstein erwischt, dann darf man meistens das Spiel neu einstellen lassen, wenn nicht schlimmer – ein Schaden der Vorderradaufhängung! Hier hat Jaguar aber ein flexibles Teil im Einsatz, welches bei einem solchen Kontakt nachgibt und einfedert. In einer Werkstatt kann so unkompliziert die Aufhängung resettet werden, wodurch häufig Schäden am Fahrzeug vermindert werden sollen. Ferner wurden die Dämpfer so justiert, dass der Reifenverschleiß minimal ist und das adaptive Fahrwerk von Bilstein souverän arbeiten kann.

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All Surface Progress Control – noch so ein Begriff bei dem man höchstens noch die Verbindung zur Traktionskontrolle herstellen kann. Richtig, denn dies ist im Endeffekt eine Erweiterung der Cruise Control und des ESP. Findet man sich urplötzlich auf anspruchsvollen Witterungs oder Straßenverhältnissen wieder, so schaltet man einfach die ASPC mittels Knopfdruck dazu und stellt seine maximale Geschwindigkeit (bis 30 km/h) ein und lässt den XE mal machen – nur nicht vergessen zu lenken! Keine Schneekette, nur Heckantrieb und das in Skandinavien? Braucht man sich nun keinen Kopf mehr drum zu machen.

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Ein weiteres Gimmick sind die wasserabweisenden Fenster und Außenspiegel – eine Art Lotuseffekt sorgt hier für freie Sicht unter schlechten Witterungsbedingungen. Alle nötigen Informationen werden durch das Laser Head-Up-Display dem Fahrer transparent im Blickfeld eingeblendet – das System erkennt sogar den Blickwinkel, was eine immer zu perfekte Ablesbarkeit garantiert.

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Was gibt es drinnen denn noch neues? Das Interieur ist edler geworden. Fast schon zu britisch elegant. Das exklusive Ambientlight ist z. B. pure Spielerei und versucht lediglich die Lücke zwischen Mittelklasse und Oberklasse zu schließen – trotzdem nett! Sitzt man einmal – und hier dürfen gerne die Fondpassagiere grinsen, denn die Kopffreiheit war eines der wichtigen Merkmale, die bei der Entwicklung aufrecht erhalten wurden, fällt üppig aus – kann man sich direkt mit dem 8“ Touchscreen vertraut machen. iOS und Android werden bei den InCar-Apps unterstützt, so kann nun kinderleicht die Lieblingsapp auf dem Mediainterface gespiegelt werden, eine kleine persönliche Note, die Spaß macht. Vor allem wenn plötzlich die Insassen allesamt Zugriff auf das WiFi an Bord haben, welches surfen mit 3G-Geschwindigkeit zu lässt. Der Datenempfang wird durch die Nutzung der Fahrzeugantenne deutlich verbessert. Zudem wurde Jaguars Navigation restlos überarbeitet, neue Ansicht, schnellere Reaktion und Updates von Zuhause mittels SD-Karte machen die Nutzung super einfach.

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Über das Smartphone könnt ihr z. B. das Fahrzeug Vorheizen oder –kühlen, sogar einen 7-Tages Klimatisierungsplan erstellen oder die Alarmfunktionen verwalten. Man kann nun das Fahrzeug mittels App öffnen, was wirklich praktisch ist, wenn die Frau nach dem Shoppingmarathon doch vor der Mann am Fahrzeug ist und gerne schon den Einkauf im 455 Liter großen Kofferraum (40:20:40 Splitting) verstauen möchte oder wartende Kinder bereits vorlaufen können. Zum anderen wird der Eigentümer bei einer Entwendung des Fahrzeugs direkt per App informiert, zeitgleich wird ein Sicherheitsdienstleister aktiv und setzt sich mit dir oder der Polizei in Verbindung.

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Wer die Fahrgeräusche vermisst, der kann ein 380 Watt-Meridian 10-Lautsprechersystem erwerben, das trotz der mageren Leistung dennoch ausreichend sein soll. Wie es klingt, kann ich euch leider nicht verraten, ich würde euch aber zum V6 im S-Model verweisen, denn der klingt ohnehin viel schöner mit seinem bösen Fauchen als jeder Track vom Audiostreaming.

Fotos: Jaguar

3 Gedanken zu “Jaguar XE: Alle Fakten, alle Details

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