Nissan Micra 1.2: Raumwunder überzeugt in vierter Generation

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Der kleine Charmeur, er schaut dich stets freundlich an und hat trotzdem noch etwas verborgenes, dass entdeckt werden möchte. Nein, kein Supercar, sondern der Nissan Micra steht heute im Rampenlicht.

Egal wie viele Frauen du fragst, 9 von 10 finden den auf 3,825 Meter gewachsenen Japaner knuffig und stehen vor allem auf das noch immer bestehende, runde Design. Nicht mehr so kugelförmig wie noch die dritte Generation, sportlich, eleganter. Trapezförmige Chromleisten zieren den Kühlergrill – ein neues Merkmal des Corporate Design -, die aufgeweckten, runden Scheinwerfer bringen Persönlichkeit in das Antlitz. Der Auftritt wirkt dank der hohen Schulterlinie, welche optisch in den LED-Rücklichtern endet, selbstbewusst. Die Heckklappe seit 2010 fast schon quadratisch – praktisch – gut! 265 Liter fasst der Stauraum dahinter, die Rückbank lässt sich auch 60:40 umklappen, wodurch verdammt viel nutzbarer Raum entsteht, nämlich 1132 Liter.

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Die Fahrertür befindet sich aber vorne links, also rein da! Einmal Platz genommen stellt man schnell fest, dass es sich wirklich richtig gut in den Stoffpolstern sitzen lässt, die Sitzhöhe ist übrigens extra für Frauen von Grund auf sehr hoch gehalten. Hat man sich einmal zurecht gefunden – was nicht gerade viel Zeit in Anspruch nehmen sollte, kann das Ziel im neuen 5,8 Zoll großen Touchscreen des NissanConnect eingegeben werden. Die Bedienung funktioniert problemlos, allerdings sind die dazugehörigen Apps (die mittels Kopplung eines Smartphones funktionieren) nicht gerade Weltneuheiten – Tankpreise, Wetter oder Fluginformationen bezieht man in manch anderem Fahrzeug schon seit Jahren. Ein kleinlichst genau geplantes Shoppingwochende von Frau kann allerdings nun z. B. auf dem Smartphone geplant werden und später einfach in das NissanConnect hochgeladen werden. Musik vom USB-Stick ertönt auch schon aus den Boxen, Bass und Höhen kann man rudimentär einstellen, was auch völlig ausreicht, denn die Klangqualität ist keinesfalls schlecht, man darf sich eben nur nicht an die aufpreispflichtigen Systeme anderer Hersteller ab 3.000 € gewöhnen.

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Jetzt geht’s aber los! Rückwärtsgang eingelegt – unten rechts, denn der Micra besitzt nur ein 5-Gang-Getriebe und ist dementsprechend lang übersetzt und den Kopf hinten zur Heckscheibe gewandt: 1A Rundumsicht, hat auch Frau bestätigt. Parksensoren, die völlig überflüssig in der Aufpreisliste erscheinen sind zwar ganz nett und reagieren auch nicht träge, doch benötigt man diese in der kleinen Knutschkugel kein bisschen. Der Wendekreis ist mit 9,30 m der kleinste in seinem Segment!

nissan-micra-nachtGroße Scheiben ringsum, Regensensoren wenn die Sicht durch Niederschlag Einbußen nimmt und mit einer Klimaautomatik gewappnet geht es nun in den Kampf in die Umwelt!

Es fühlt sich großartig an, entschleunigt durch den Tag zu gleiten – keinesfalls soll dies negativ wirken – denn der Micra ist in etwa wie das kleine, gemütliche Wohnzimmer, das man noch am Wochenende bei Ikea gesehen hat und sich darin zugedeckt, auf der Couch liegend, bei einer heißen Schokolade wiederfindet. Nur der ganze Raum hat vier Räder und fährt! Hohe Drehzahl liebt er und bringt sein moderates 80 PS Herz erst spät in Wallung. Bluthochdruck bekommen weder du noch er. Doch bei einigen Überholvorgänge im dritten Gang akkumuliert sich sogar ein Häufchen Dopamin im Blut, welches irgendwo zwischen Endhirn und Zwischenhirn für ein kurzes Grinsen sorgt, wenn ich nach links heraus ziehe und der Alte mit seiner oberen Mittelklasse neben mir statt den Fuß auf dem Gaspedal stellt lieber mit seiner Gerti über den nervenaufreibenden Gang zu Edeka spricht. Relativ zügig bin ich dann auch vorbei, Bergauf allerdings nur mit sehr viel Geduld – hier darf man auch gerne auf der rechten Fahrbahn verweilen – was soll’s wenn die Helene im Radio trällert! Runter, da verselbstständigt sich der in B20 Sapphire Black (ein echter Hingucker, so das schönere Geschlecht) gehaltene 5-Türer schon fast von selbst.

nissan-micra-innenraumDie neuen 3-Zylinder-Benziner haben aufgrund deren Ökonomie zudem mittlerweile alle Dieselaggregate ersetzt: 5,6 Liter haben wir im Durchschnitt auf über 1300 km verbraucht. Ähnliche Werte erzielten wir auch in der Stadt (5,8 Liter). Auf der Autobahn sind bei Tempo 100 sogar unter 5,2 l möglich! Ganz auf die Werksangaben sind wir also nicht gekommen – trotzdem ist es erfreulich für knappe 100 € mehr als 1000 km weit zu kommen.

nissan-micra-fahrtMit den Designelementen aus dem Konfigurator, lässt sich übrigens der Nissan Micra weiter personalisieren. Andersfarbige Spiegelkappen, Fußmatten, Türgriffe oder Schalthebel finden sich bspw. hier.

Negativ fiel mir lediglich die gelegentliche Bedienung des Touchscreens auf, da z. T. die Schaltfläche relativ klein ausfallen und einfach keine Wurstfinger verkraften. Die Armlehne sorgt zwar für noch mehr Wohnzimmersesselatmosphäre, doch einen wirklich Nutzen hat sie nicht, da sie viel zu hoch montiert ist – zudem ergibt sich mit der Armauflage in der Tür ein Höhenunterschied von guten 7 – 8 cm.

nissan-micra-sportlich-lifestyle-activeDer 98 PS-starke Kompressormotor verspricht einen noch deutlich geringeren Spritverbrauch und ist eventuell die bessere Wahl – lässt man das geringe Gewicht von ca. einer Tonne in die Rechnung einfließen, muss der Spritverbrauch einfach weiter nach unten gedrückt werden. Das erhöhte Drehmoment kommt dem sonst gemütlichen Micra auch gelegen.

Text: Stefan Maaß

Fotos: Nissan

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