ABT RS Q3: Lang lebe der Fünfzylinder

abt-rs-q3-testfahrt-4772

Den von ABT sportsline frisch gemachten Audi RS Q3 kann ich in wenigen Worten so umschreiben: das einzige SUV, dass ich mir gerne vor die Haustüre stellen lassen würde. Auch wenn die Sitzposition irgendwie nicht annähernd passt, der Motor ist einfach der absolute Hammer. Egal ob nach der Zündung, im Tunnel oder einfach beim Beschleunigen; der 2,5-Liter Fünfzylinder erinnert mich immer wieder an die fantastischen Bergrennen des frühen Audi S1 quattro der 80er und 90er Jahre.

– Kleines Video einer 800 PS Version des S1 quattro beim Bergrennen –

abt-rs-q3-testfahrt-4857

1-2-4-5-3! In dieser Reihenfolge wird verdichtet, gezündet und die Kolben auf und nieder bewegt. Die Zündfolge ist das charakteristische am „fünfe gerade sein lassen“ Motor. Früher war er das Hochleistungstriebwerk, welches Audi in vielen Motorsport Arten weit nach vorne getragen hat. Neben dem quattro-Antrieb war es das, was bspw. in den Tourenwagenmeisterschaften den Vorteil gegenüber den schweren V8-Motor hatte und Früchte trug. Bald werden sie ihn, auch wenn sie bis kurz vor Schluss anderes behaupten werden, einfach einstampfen. Ende und aus für ein Triebwerk mit fast exakt so viel Historie wie der quattro-Antrieb selbst.

abt-rs-q3-testfahrt-4824

Gut das ich ihn doch noch einmal fahren durfte, wenn auch mit einer komischen Verpackung. Ein Q3 der erst von Audi und dann nochmal von ABT sportsline zum einen tiefer gelegt wird und zum anderen aufgepimpt wird. Ein normaler Q3 muss maximal mit 211 PS aus einem 2.0 TFSI auskommen. Das reicht scheinbar nicht, deswegen hat Audi den RS Q3 nachgeworfen. Tiefer, mit 310 PS deutlich stärker und mit 420 Nm Drehmoment auch kein Langweiler. Nach Kempten’ischer Regel ist das doch noch etwas zu langweilig, deswegen liegt der ABT RS Q3 (fast) tiefer als die S3 Limousine, leistet 100 PS mehr als die Serie und fordert den Antriebsstrang mit 530 Nm heraus.

abt-rs-q3-testfahrt-4690

Er ist aber nicht nur einfach tiefergelegt, nein ein verstellbares Sportfahrwerk durfte es schon sein. Die von einem SUV typischen Wankbewegungen sind fast gänzlich eliminiert, nur ganz bekommt man die bei den Ausmaßen eben nie weg. Die RS Bremsanlage bleibt dieselbe, neue sind dagegen die 21 Zoll großen Felgen namens DR. Die Serienabgasanlage, die nur ein Rohr am Heck entblößt gefällt mir persönlich durch das optisch Ungleichgewicht an sich besser als die am ABT RS Q3 verbaute mit 4-Rohr-Edelstahlabgasanlage.

abt-rs-q3-testfahrt-4858

Die richtige Musik macht er ohnehin egal welches Rohr unten vom Turbo wegführt. Der bloße Tritt auf’s Gaspedal verlangt etwas Geduld. Nur Reinlatschen und Vortrieb ist nicht. Zuerst schaltet die S-tronic einige Gänge runter, dann rumort es im Motorraum, der Lader kommt auf Touren, der Ladedruck sitzt und dann geht’s ab. Hier wird „Turboloch“ noch groß geschrieben. Erst passiert lange nichts, wenn der Lader aber vollgepresst mit Luft den Motor zur Seite steht dann gibt es plötzlich kein halten mehr und selbst im vierten Gang gibt es auf nasser Straße noch leichten Wheelspin.

abt-rs-q3-testfahrt-5254

Er klingt nicht so brachial, wie die extreme Variante des (echten) Audi S1, er schiebt auch nicht so massiv an, doch er ist einfach Klasse. „You will be missed“ kann ich jetzt schon vorauswerfen. So ein umgängliches Triebwerk, dass auch gut und gerne problemlos über 400 PS leistet. ABT hat immerhin nur das Steuergerät getauscht, was wäre, wenn wir den Turbolader tauschen. Lange nicht mehr hat mir ein SUV so viel Spaß bereitet, gut, dass ich doch noch einmal kurz am Großglockner damit rumfahren konnte. Wenn auch nur kurz, die paar Minuten waren es wert den „five potter“ um die Kurven zu knallen.

abt-rs-q3-testfahrt-4779

Die weiteren Minuten durch die österreichischen Innenstädte werde ich auch nie vergessen. Die eng aneinander gebauten Häuserwände sind einfach die perfekten Klangkörper, um den Fünfzylinder aufheulen zu lassen. Immer und immer wieder, wenn auch leicht Proletenhaft, im ersten und zweiten Gang Super Plus zu verbrennen. Sinnlos, ineffizient, aber mit einem Lächeln auf den Lippen.

Fotos: ABT sportsline