Ihre gleitende Eleganz: Audi A8 Facelift Fahrbericht

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Was soll ich erzählen über ein Auto, das weit außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten liegt, dass ich also auch nie selber fahren würde? Ganz einfach: Ich lege mich, wirklich „lege mich“ hinten auf den Rücksitz. Die Audi A8 Langversion mit Liege-Ruhesitz und Massagefunktion macht es möglich. Während sich meine Fahrerin über den W12 auf der Vorderachse freut, entspanne ich gelassen und gleite passiv, dösend dahin.

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Es gibt Stimmen, die ließen verlauten, die S-Klasse sei besser, doch was ich nicht gefahren bzw. gelegen bin, darüber möchte ich auch nicht urteilen – hier entscheidet ohnehin nur noch der persönliche Geschmack. Von daher ist der Audi A8 aus Prinzip schon besser. Viele verschiedene Möglichkeiten bietet der Sitz: Man kann sich individuell mit den Massagen verwöhnen und dabei die Sitzheizung gegen die Sitzlüftung kämpfen lassen. So lässt es sich doch auch einmal leben: Passiv bei der Fahrveranstaltung. Doch schlussendlich geht es doch, egal wie nobel es auf der Rückbank ist, um den Sitz links vorne.

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Der meistverkaufte Antrieb ist der 3.0 TDI mit 258 PS, der wie alle Modelle serienmäßig über den quattro-Antrieb verfügt, ist zugleich auch der Einsteiger, weshalb er im Test auch nicht fehlen darf. Der Eindruck, den der kleinste Diesel im Portfolio vermittelt, ist deutlich: der A8 für den, der sich eigentlich keinen (richtigen) A8 leisten kann. Ein Leergewicht von 1.955 Kilogramm macht sich eben schon bemerkbar und drückt ordentlich auf die Stimmung in der Einstiegsmotorisierung. Ein echter Spaßbereiter – mit Sicherheit auf der Autobahn – ist dagegen der viel dynamischere 4.2 TDI mit 385 PS. Das ist aber nicht alles. Der Hammer kommt erst noch: Acht Fünf Null. 850 Newtonmeter Drehmoment. Ja, in irgendeinem Luxusliner aus Stuttgart gibt es noch mehr davon. Doch wer braucht das schon?! Achthundertfünfzig sind doch auch schon Mundwinkel erfreuend genug. Die Beschleunigung von 4,7 Sekunden ist schon fast auf Sportwagen Niveau – Wer braucht da bitte noch ein Sportwägelchen für das Wochenende?! Die 7,4 Liter Diesel im Drittelmix sind da wahrscheinlich nicht mehr drin, aber wen interessiert das in dieser Preisklasse schon?! 94.800 Euro werden für den V8 Diesel aufgerufen.

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Der Sound ist für einen Diesel irgendwie gedämpft, aber doch stetig präsent. Acht Zylinder machen einfach mehr Laune als sechs! Da macht der nicht endlos aufgeblasene  4.0 TFSI keine Ausnahme. Er ist nicht ganz so brutal im Antritt, wie der große Bruder im S8, doch er klingt nach V8 und das darf er auch, ungezähmt. Wir bewegen uns im Luxussegment, in dem eigentlich wertgeschätzt wird, kaum etwas von der mechanischen Bewegung unter der Motorhaube mitzubekommen. Und scheinbar rotzfrech ist dem A8 das schnurz-piep-egal und das ist gut so! Ein sportliches, kerniges, nicht bollerndes V8 Geräusch stellt sich dar. 435 PS und satte 600 Newtonmeter genügen aus, um stattlich von A nach B zu kommen, egal auf welcher Sitzposition.

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Auf keinem der Sitze gibt es etwas zu meckern. Noch mal: Luxus-Oberklasse. Jede Naht sitzt perfekt. Die Lederhäute fühlen sich traumhaft an. Die Hölzer sind echt und weitestgehend naturbelassen. Ein Stich im Leder, eine nicht hundertprozentige Maserung ist auch noch ok. Der naturbelassenste Audi aller Zeiten? In der automobilen Oberklasse gibt es kein Wenn und Aber. Hier ist Perfektionismus am Werk. Deshalb das Interieur in einem Wort: Virtuos

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Das Highlight in technifizierter Person: die Matrix-LED Scheinwerfer. Alles ist rein elektrisch. Keine mechanischen Hebel oder Blenden, die die Arbeit im Lichtwerk übernehmen. Stephan Beulitz erklärt mit funkelnden Augen, wie die neue Technik funktioniert und bis zu 8 Verkehrsteilnehmer bei eingeschaltetem Fernlicht individuell ausblenden kann. 25 LEDs kommen pro Scheinwerfer zum Einsatz und so kann jedes „Birnchen“ für sich angesteuert werden, dabei ganze Objekte, die über eine Kamera erfasst werden, ausblenden. Ein simples Auf- und Abdimmen des Fernlichts ermöglicht es in diesem Fall, insbesondere nachts sicherer unterwegs zu sein, da das Fernlicht dauerhaft leuchten kann. Die Lichttechnologie ist auch mit dem Navigationssystem gekoppelt, wodurch die Scheinwerfer die Möglichkeit haben, eine demnächst vor dem Fahrzeug erscheinende Kurve bereits vorher auszuleuchten. In der Praxis funktioniert das vorausschauende Kurvenlicht leider (noch) nicht ganz so perfekt, wie in der Präsentation. Und ist doch wirklich aller Tage Abend, gibt es noch die Infrarot-Nachtsicht, die besonders in den Städten für mehr Sicherheit sorgt. Fahrzeuge werden schematisch dargestellt. Der wichtige Faktor ist aber, dass Fußgänger sehr, sehr früh vom System erkannt und gelb markiert werden. Ein weiterer Schritt nach vorne in puncto Verkehrssicherheit.

Das einzige, wirklich das einzige, was mich am ganzen Auto stört – dabei aber nicht wirklich neu ist im Audi A8 – ist die shift by wire Technik. Hierbei gibt es nur noch mäßiges Feedback, welcher der drei Fahrstufen nun eingelegt ist – und nicht nur mir ging es so. Des Öfteren konnte ich beim Rangieren der anderen Teilnehmer entdecken, dass eigentlich die Fahrstufe R oder D gesucht war, schlussendlich der Motor einfach nur hochdrehte. Hier war Neutral eingelegt worden, oder, wenn sich gar nichts mehr bewegte, war dieser Wagen schon im Parkmodus. Es fehlt das „einrastende“ Feedback, um wirklich ohne hinzusehen den Gang einzulegen. Schlussendlich kam kaum einer um den Blick auf das Armaturenbrett herum, um sich zu vergewissern, dass die richtige Fahrstufe eingelegt wurde.

Mehr zu den verschiedenen A8 Modellen gibt es auch noch bei The Car Addict, rad-ab und im Audi Blog (Gastartikel von Camillo Pfeil) sowie Mein Auto Blog. Ausführlich mit dem Rear Seat Entertainment im A8 L hat sich imaedia.

Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner

Video: Audi AG