Sexy, temperamentvoll, alles bloß kein Billig-Golf: Seat Leon FR (5F)

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Mit dem Seat Leon dürfen auch die Spanier auf die MQB-Plattform aufspringen und ihren Kompakten in den Ring werfen. Das dies im Sinne des Leon in der dritten Generation gleich so gut klappte, konnte keiner erahnen. Die auto motor sport räumt ihm sogar einen Sieg im Vergleichstest gegen den 116i (F20) von BMW ein. Der fulminante 1.4 TSI Benziner unterzieht sich nach so vielen Siegen auch dem Bloggercheck.

Das mir der Golf in der Basisausstattung so ganz ohne R-Line oder „Bums“ nicht gefällt ist ein alter Hut, das der Leon da leichtes Spiel hat, mit Ecken und Kanten direkt mein Interesse geweckt hat, das hat Lisa in Paris direkt festgehalten. Die kugelige-Ei-Form des Vorgängers hat ein Ende, flacher, wieder „Hatchback“-iger, attraktiver. Gleichzeitig geschrumpft und gewachsen, fünf Zentimeter kürzer als der Seat Leon II (1P), aber sechs Zentimeter mehr im Radstand und ein auf 380 Liter angewachsenes Kofferraumvolumen (40 Liter mehr), zudem im Fitnessstudio noch ganze 90 Kilogramm abgespeckt. Kurze Überhänge, knackige Linienführung, scharf gezeichnete Details.

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Neben dem Audi A3 bietet der Spanier bisher als einziger im VW Konzern die neuen Voll-LED Scheinwerfer an, die nicht nur besser aussehen als die altbackenen Halogenscheinwerfer, sondern auch deutlich angenehmer leuchten als Bi-Xenon Scheinwerfer (du bist nicht direkt blind, wenn dir der Leon entgegen kommt). Diese 990 Euro sind nicht nur optisch gut investiertes Geld, auch andere Benutzer deutscher Landstraßen werden es dir danken. Innen kommt das neue Multimediasystem zum Einsatz, das auch Golf und Octavia teilen. Die Näherungssensorik ist nicht so schön implementiert wie im Golf 7, funktioniert aber ebenso gut, kostet dort überraschenderweise mit 505 Euro eine ganze Stange weniger Geld als im Leon (690 Euro). Ein Problem teilen überdies aber noch alle Modelle aus dem VW Konzern: Kommunikation mit dem iPhone 5. Im Seat, wie auch bei allen anderen VWAG Modellen, lässt sich das Smartphone aus Kalifornien aktuell nur per Bluetooth verbinden. Die Qualität der Audiowiedergabe kann sich jedoch hören lassen. Die Telefonie funktioniert tadellos in klarer Sprachqualität.

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Das Alcantara-Stoff-Leder-Paket für den FR ist nicht ganz so hochwertig, wie eine vergleichbare Ausstattung im Golf, weiß mit roten Ziernähten und gutem Seitenhalt davon abzulenken. Überhaupt ist enorm viel Platz, die Kompaktklasse benötigt bald einen neuen Namen. Vergleiche zu ziehen fällt schwer, denn selbst Mitstreiter in dieser Klasse haben teilweise weniger Raumgefühl als ein Kleinwagen, über mangelnden Platz an sich kann sich kein Mitfahrer beschweren, selbst eine in den Kofferraum gesperrte Freundin würde hier noch „angenehm“ mitreisen.

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Wie auch der Golf VII kommt der Leon mit vielen netten Assistenten, die das reisen bequemer machen und zu weiten Teilen auch gut ihren Dienst verrichten. Der Tempomat, der sich bis auf den km/h genau einstellen lässt und schon oberhalb von 20 km/h funktioniert. Bei Minderung der eingestellten Geschwindigkeit zieht der Spanier nicht die Notbremse, sondern lässt die knapp 1.224 kg ausrollen, was nicht nur Energie spart, sondern auch noch für weniger Verschleiß sorgt als ein Bremseingriff. Nicht weniger clever: die eingestellte Geschwindigkeit wird selbst bei einem Schaltvorgang (ohne Bremseingriff) gehalten. Der Lane Assist hingegen verdient nicht ganz so viele Lorbeeren, hat er bei nicht durchgehender Seitenmarkierung (durch Witterung, Abnutzung, etc.) enorme Probleme die Spur zu halten. Bei Dunkelheit wird das Ganze noch verschärft, da assistiert er durch sanfte Lenkeingriffe nur noch bei leicht reflektierenden Seitenmarkierungen. Oberhalb von 80 km/h ist in flotten 90-Grad-Kurven dann auch Ende der aktiven Lenkunterstützung.

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Abseits von elektronischen Helferlein fährt sich der Leon sehr ordentlich, egal ob in Eco oder Sport-Mode bringt er seine Insassen flott und zielsicher von A nach B. Die 5,2 Liter Normverbrauch konnte ich bisher noch nicht bestätigen – nur im Stopp and Go-Verkehr standen 4,3 Liter/100km auf der Uhr-, knapp unter sechs Litern auf 100 Kilometern lässt sich der Leon allemal bewegen. Die Streuung zur spritzigen Fahrweise ist dabei nur sehr gering, so waren 7,3 Liter das Maximum, was ich dem Tank entlocken konnte. Das „Seat Drive Profile“ verändert in drei Stufen die Motorcharakteristik sowie die Lenkunterstützung. In Normal, Eco oder Sport verändert sich dementsprechend spürbar das Kennfeld des Motors – zwischen 3.000 bis 4.000 Umdrehungen hängt er satt und direkt am Gas -, über die veränderliche Lenkunterstützung vermag ich nur zu sagen, das können andere besser. Der Unterschied zwischen Eco und Sport ist marginal, in beiden Fällen zu schwammig – direkter als beim Vorgänger 1P aber noch nicht optimal -, das hat ein FR (Formula Racing) nicht verdient, hier sollte nachgebessert werden. Ganz ansehnlich ist dabei das Ambientelicht, welches von Weiß (Normal, Eco) in Rot (Sport) wechselt. Zusammen mit den roten Ziernähten kommt zumindest optisch ein Hauch mehr Sportlichkeit auf Knopfdruck.

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Warum ein Auto im Mai bei Temperaturen von 20° Celsius und mehr auf Winterreifen ausgeliefert wird, liegt wirklich nicht in meinem Ermessen, wohl aber, dass dadurch bei schwungvoller Fahrweise ein dauerhaftes Untersteuern die Problematik ist. Ob der Leon im Idealfall (mit Sommerreifen) noch immer ein solch unsicheres Fahrgefühl bei flotter Kurvenfahrt vermittelt bin ich nicht prädestiniert zu beantworten – ich hoffe doch es ist nicht so!

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Golf oder Leon oder doch Audi A3? Der Ingolstädter steht wohl über beiden MQB-Brüdern, der Leon kann dem Golf in einigen Punkten in die Suppe spucken, so kann der Wolfsburger noch immer nicht mit Voll-LED-Scheinwerfern geordert werden, kann als biederer Allerwelts-Golf nicht mit der optisch höhere Attraktivität des Leon mithalten, diesem wiederum fehlt es in Punkto Verarbeitung noch zum Topseller hin. Hier und da lassen sich im Material kleine Schwächen in der Haptik ausmachen. Dafür fällt der 1.4 TSI kaum auf, nur bei harter Gangart macht sich bemerkbar, dass ein Direkteinspritzer und keine Windmaschine für den Vortrieb sorgt. Die Umsicht, an sich gut, leidet ein wenig durch die kleinen Seitenspiegel, es muss dann doch noch der Kopf etwas mehr gedreht werden als im Volks-Wagen. Ein unschlagbares Argument wird der Preis bleiben, für 26.055 Euro gibt es auch einen Golf VII mit vier Türen, dieser ist dann allerdings noch lange nicht so vollgepackt mit Extras und Optionen, wie es der Seat Leon FR.

Einen noch ausführlichen Bericht zum Seat Leon mit 150 Diesel-PS gibt es bei Motoreport zum nachlesen. Ganze 180 Turbobenziner-PS findet ihr bei Rad-ab.

Seat Leon FR 1.4 TSI

Reihenvierzylinder (quer) 1.395 cm³
122 PS
200 Nm bei 1.400 – 4.000 U/min
9,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 202 km/h
Kombinierter Verbrauch 5,2 l/100km
Testverbrauch 5,8 – 7,3 l/100km
Modellgrundpreis: 21.870,00 Euro
Testwagenpreis: 26.055,00 Euro

Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner