Suchtfaktor V6 Supercharged: Jaguar F-Type S

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Eine Katze, die schreit! Endlich! Ein V6-Motor, der prächtig durch die Landschaft klingt und den dicken 5.0-V8-Kompressor fast etwas in den Schatten stellt. Im Erstkontakt mit dem neuen Kätzchen namens Jaguar F-Type, welches mich seit den ersten Skizzen, noch mehr seit dem ersten aufeinandertreffen in Paris in den Bann gezogen hat. Nun durfte ich auch endlich an die 380 PS ran und mich selbst davon überzeugen, ob der Motor hält, was das Design verspricht.

Die ersten ballern schon mit den drei unterschiedlichen Motoren über den Flugplatz von Michelstadt, dem kleinen verschlafenen Örtchen, irgendwo im Nirgendwo, fern von jeder Autobahnanbindung. Kein Reifenabrieb, das einzige, was das Land durchzieht ist ein geiler Sound. Könnten sich die Fahrer abstimmen ergäbe das mit Sicherheit eine einmalige Symphonie mit Gänsehaut-Charakter. Es bollert und schreit, fast schon im Einklang. Mal fliegt der V6 S (S steht für Supercharged) über die Strecke, es stellen sich schon leicht die Nackenhaare auf, wenn der Fahrer vom Gas geht, unbeschreiblich gut klingt diese Maschine. Der V8 Supercharged, ganz klar übertrumpft hier den „kleinen“, brummelt noch lauter vor sich hin, und welch‘ ein Knall förmlich über die Startbahn fegt, wenn der nächste Gang der Wandler-Automatik eingelegt wird. Die Wahl steht fest, es muss der V6 sein, schon lange nicht mehr klang ein Sechsender so…perfekt!?

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Wandler-Automatik hört sich zunächst nach „Ey, warum kein Doppelkupplungsgetriebe?“ an, Jaguar selbst meint dazu, dass sich diese besser auf den Spagat zwischen Komfort (Cruisen) und sportlichen Ambitionen (Heizen, die Sau rauslassen) abstimmen lassen würde. Daumen hoch, denn die Abstimmung der Übersetzung passt, sie passt zum Auto, sie passt zur Aussage, sie macht Spaß genauso wie sie rabiat und direkt mit lautem Knallen der Abgasanlage (inklusive Klappensteuerung auf Knopfdruck) die Gänge reinknallt und die 1614 Kilogramm Leergewicht nach vorne treibt. Da ist leider auch schon der erste Kritikpunkt, denn auch wenn Jaguar selbst kein 911 oder Boxster Gegner im F-Type sieht, Vergleiche ziehen wird noch erlaubt sein müssen: 300 Kilogramm mehr als der kleine Mittelmotor-Sportler aus Zuffenhausen ist deftig. Auch wenn die Lenkung des F-Type unglaublich direkt und agil ist, an die Wendigkeit und wohl auch Sportlichkeit eines Boxster S (der dazu noch weniger Leistung hat) kommt der Jaguar nicht heran. Für einen Einstiegspreis von 73.400 Euro (F-Type S mit 380 PS: 84.900 Euro) wird, wie die Verantwortlichen von Jaguar betonen nicht im Revier von Boxster, 911 und Co. gewildert, sondern die eigene Historie wiederbelebt. Mehr Luxus, in Form von vielfach verstellbaren Leder-Performance-Sitzen als die Zuffenhausener Einstiegsvariante.

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Historie, ein großes Thema bei Jaguar, vor allem beim F-Type. Der Klassiker der Engländer, jedenfalls aus meinem Betrachtungswinkel, der E-Type, erlebt mit der gerade erfahrenen Raubkatze seine Auferstehung. Für gewöhnlich geht ein solcher Versuch, etwas altes wieder neu zu gestalten, in das aktuelle Zeitgeschehen zu interpretieren und dabei ausreichende Details zu verstecken, die auf das Ur-Modell hinweisen, voll in die Hose. Egal wo das Auge beim F-Type hinwandert, überall lassen sich Linien, sogar Designelemente wiedererkennen, die es so auch beim E-Type gab. Die Rückleuchten sind für mich das deutlichste Merkmal. Das Design von damals auf das 21. Jahrhundert angewendet und fertig! Nichts weiter und das ist auch gut so. Ganz zu schweigen von der nachmodellierten Seitenlinie, die im direkten Vergleich zum E-Type noch etwas bulliger, kräftiger ist, die Verwandtschaft lässt sich trotzdem nicht abstreiten, auch wenn der Sportwagenklassiker von damals wohl etwas eleganter unterwegs ist. Ein Manko gibt es dennoch, das Gott sei Dank Aufpreis kostet und somit NICHT jedem F-Type einen hässlichen Kleber auf den Hintern packt. Gemeint ist die lieblos platzierte Rückfahrkamera, die mittig auf der Heckstoßstange sitzt.

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Die Katze, sie fährt sich nicht ganz so elegant und leichtfüßig wie erwartet, die Gewichtsverteilung ist beim V6-Modell mit 50:50 perfekt, doch es ist eben Gewicht, viel Gewicht, das durch Leistung kompensiert wird und immer wieder schiebt, je nach Bremseingriff auch nicht schön über die Hinterachse, sondern über die vorderen Räder. Was mich ganz persönlich kratzt, der manuelle Modus, obgleich die Wippen perfekt geformt sind, die Schaltvorgänge zackig vonstattengehen, wenn ich manuell schalte, dann will ich auch der „Herr im Haus“ sein. Leider gibt es da die üblichen Streitereien zwischen Mann und Frau, denn die 8-Gang-Quickshift-Automatik hält sich nicht immer an die Abmachung. Wie als ob sie mich ärgern wollen würde, legt sie den nächsten Gang ein, obwohl ich die Drehzahl gerne genauso gehalten hätte. Dann aber entschädigt der Sound beim Herunterschalten wieder für den Fauxpas, das Grinsen ist wieder frisch aufgelegt und der Wind weht wieder um die Nase.

Es war das Auto, was ich für 2013 auf der „unbedingt-Fahren-muss“-Liste hatte, und irgendwie auch auf der „Muss-ich-haben“-Liste. Würde ich mir, gegeben ich könnte mir diese rote Sünde leisten, sie also kaufen? Jein, definitiv in die Garage, besser gesagt in ein verglastes Schaufenster muss der Jaguar F-Type einfach rein. Zu schön sind die Formen, das Auto, die gesamte Komposition um nicht gesehen zu werden. Wenn es mich aber nach einer Fahrmaschine reizt, weiß ich mein Geld besser anzulegen.

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Jaguar F-Type S

V6-Kompressor-Motor 2.995 cm³ (vorne längs)
380 PS bei 6.500 U/min
460 Nm bei 3.500 – 5.000 U/min
4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 275 km/h (elektr. begrenzt)
Kombinierter Verbrauch 9,1 l/100km
Testverbrauch 25,3 l/100km
Modellgrundpreis 84.900,00 Euro
Testwagenpreis 99.980,00 Euro

Text: Fabian Meßner

Fotos: Stefan Maaß

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