Nissan Leaf auf der Nordschleife: Schnell und Effizient durch die grüne Hölle

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Der Titel und vor allem das Teaserbild kündigt schon an, Jens und ich waren mit zwei baugleichen Elektroautos auf der Nordschleife unterwegs. Zügig fahren und dabei noch ordentlich Kraftstoff bzw. in diesem Falle die Energie-Ressource Strom sparen, ein Widerspruch? Kein Widerspruch, sofern man mit dem Nissan Leaf die Respekt einflößenden 20,83 km des Nürburgrings Runde um Runde abreißt.

Zusammen mit Peter Pyzera, dem Gewinner der deutschen GT Academy, sind wir nämlich unsere ganz eigenen „Elektro-Challenges“ gefahren. Da konnten uns auch keine Einstellfahrten des Nissan GT-R Nismo GT3 von Schulze Motorsport von abhalten.

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Im recht gemütlichen Tempo sind der notorische Cola-Trinker und ich also aus der Boxengasse vor T13 Hatzenbach runter gefahren – jeder hatte einen Beifahrer in der Runde mitgenommen um somit auch die „typische Zuladung“ zu simulieren. Ziel war es möglichst Effizient die Runde zu absolvieren, sprich, den 24 kWh-Akku zu schonen. Die Frage nach der Stoppuhr war überflüssig, dennoch waren wir gar nicht mal so langsam unterwegs.

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Während ich also versuchte im Eco-Mode schon von vornerein etwaiige Nebenverbraucher im Fahrzeug auszuschließen und mittels Tailgaiting im Windschatten zu fahren, musste ich feststellen, dass der Plan schon direkt auf dem Weg zum Flugplatz gescheitert war – der Eco-Mode lies mich nicht ordentlich beschleunigen, womit wir zum einen wichtigen Speed verloren haben, der beim Bremsmanöver wieder mit einer hohe Rekuperationsrate belohnt worden wäre. Dazu kam dann auch noch der Verlust des Windschattens… Kurz und einfach: meine Technik war einfach nicht die richtige und der Plan ging nicht ganz auf. Nach einem Durchgang hatte ich 51 km an Reichweite verloren, umgerechnet ist das ein Verbrauch von 8,82 kWh pro Runde. Jens strahlte und schnellte die Arme in den Himmel – um lediglich 30 km hat sich seine Restreichweitenanzeige rechts im LCD-Display des Armaturenbretts verringert. „Sägezahntechnik“ – ein Begriff, der mir und Fabian kein unbekannter ist, so hatte doch erst zuletzt mein schwäbischer Kollege den Sieg des Audi Efficiency Roadtrip an das Team Nordschleife abgegeben, die ebenfalls mit der selben Technik gewann. Die Redaktion von Autophorie ist somit offiziell total ineffizient unterwegs und braucht noch einige Lektionen in Sachen „Laufzeit von Akkubetriebenen-Fahrzeugen optimieren“. Daher freue ich mich umso mehr bald meine Erfahrungen mit dem Nissan Leaf und meinem Lernprozess – der Umstellung auf einen puren Elektroantrieb und dem richtigen Wirtschaften mit der zur Verfügung stehenden Energie und dem Einsatz von Rekuperation. Wie Jens nun gerade einmal 5,19 kWh = 1,48 € pro Runde (zugrunde gelegt wurde der durchschnittliche Brutto-Strompreis im aktuellen Jahr) auf der Nordschleife verbraucht hat, offenbart er in seinem Post.

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Gurtstraffer sind im Caracciola-Karussell im Panikmodus!

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass mein Eigengewicht sicherlich höher als das von unserem Wahl-Bielefelder ist und auch Philipp von Nissan als mein treuer Gesprächspartner über die vielen Minuten auf dem Nürburgring ebenfalls garantiert mehr auf die Waage brachte als Peters zierliche Freundin, die mit Jens über Journalismus und das Blogger diskutierte. (Eine Rechtfertigung muss eben sein – pah!)

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Abseits von der verlorenen Challenge, macht der Nissan Leaf aber tierisch Laune. In den wenigen Minuten, die ich bislang in dem eigenartigen, dafür aber hoch windschnittigen Fahrzeug verbracht habe, sind vor allem die bequemen Sitze mit Velour-Lederimitat und die schön direkte Lenkung aufgefallen. Dagegen werden die Windgeräusche ab Tempo 130 im Innenraum als deutlich störend wahrgenommen, was evtl. daher rührt, dass natürlich auch kein anderes Störgeräusch oder –quelle wie der Motor die Geräuschkulisse überlagern.

Doch wie passen jetzt Leaf und rasantes Tempo zusammen?

Der mehr als 122 PS (90 kW) starke Elektromotor bringt über die Vorderachse max. 280 Nm Drehmoment auf die Straße – klingt nach Spaß, oder? Naja, die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Herstellerangaben bei 145+ km/h – in der Fuchsröhre hatte ich zeitweise 162 km/h drauf! Also gar nicht mal so schlecht für ein Elektrofahrzeug, was im normalen Betrieb eine Reichweite von bis zu 175 km ausweist.

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Schnelligkeit kann aber auch gänzlich in Zeit dargestellt werden, und das haben wir gemacht! Wir haben Peter gesagt er soll doch mal in feinster Rennfahrermanier den schwarzen Leaf über die Strecke jagen und dabei würde die Zeit offiziell gemessen werden – diese Idee wurde im letzten Jahr zum ersten Mal vorgeschlagen und nun tatsächlich umgesetzt! Und was das für eine Runde war! Diese Zeit hätte ich ernsthaft nicht erwartet, vor allem nicht für ein Fahrzeug was viel Zeit auf Geraden lassen kann. Doch hierzu wird Nissan wohl selbst gerne Stellung nehmen.

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Der 24h von Dubai-Teilnehmer empfindet übrigens ebenfalls, wie die große Mehrheit, das geräuschlose Dahingleiten als sehr angenehm, vermissen würde er aber den vollen Klang der Verbrennungsmotoren im Rennsport und kann sich dort aktuell  kein reines Elektrofahrzeug vorstellen – „aber man gewöhnt sich an alles“. In einem Punkt sind sich bei Elektrofahrzeugen alle einig: die Fahrt mit einem solchen entschleunigt und  lässt Ruhe einkehren. Übrigens war das erste Fahrzeug des jetzigen Nissan GT-R Nismo GT3-Piloten ein Ford Escort Sauger-Diesel mit 60 PS, Anfang Juni wird Peter in Silverstone an der Blancpain Endurance Series mit dem NISSAN GT ACADEMY TEAM RJN teilnehmen.

Ganz genau kann man also die Touristenstrecke fünf Mal hintereinander fahren – mir wär der Leaf, hingegen in Runde 3 liegen geblieben. Das beste am Tag? Alles, einmal den Leaf unter solchen Bedingungen erfahren, wie man es sich mit anderen Fahrzeugen nur erträumen kann, Rennsport-Feeling pur auf dem heiligen Boden in der Eifel und ein Nissan R35 im Rückspiegel. Habt ihr bereits einen Leaf auf der Rennstrecke angetroffen und was haltet ihr von Fahrzeugen wie dem Nissan Leaf?