Der mit der großen Klappe: Mitsubishi Lancer 1.8 DI-D Sportback

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Eigentlich hat es mich aufgrund der kleinen EVO Erfahrungen doch mehr Richtung Sportlimousine gezogen, sodass sich ein interessanter Vergleich ergeben hätte, als er dann vor mir Stand, mit dem Schrägheck, der Lancer Sportback, war ich erst etwas enttäuscht, doch der Japaner mit der gewöhnungsbedürftigen Heckklappe hat auch seine Vorteile.

Die Limousine, designt von Pininfarina, blieb mir also verwehrt, auch der weiße EVO X auf dem Hof sollte nicht meiner werden, also doch der silberne Sportback. Immerhin sieht er von vorne dem Turbo-Boxer-Bruder etwas ähnlich. Unter der Haube des Lancer in der achten Generation (CYO) werkelt seit 2009 ein neuer Turbodiesel (Euro 5) mit MIVEC Technologie (Mitsubishi Innovative Valve timing Electronic Control system), was nichts anderes bedeutet als eine variable Steuerung der Ein- und Auslassventile. Der Vierzylinder entfaltet sein Drehmoment von 300 Nm erst sehr spät, dafür ist auch ein deutlicher Ruck durch das gesamte Fahrzeug zu spüren, wenn ab 2.000 Umdrehungen endlich für Vortrieb gesorgt wird. Bis dann die 3.000er Marke im Drehzahlband überschritten wird geht es auch für 150 PS gut voran, fühlt sich die Fahrt rein emotional auch nach weniger Leistung an. Im Idealfall sollte der Dieselmotor immer genau in diesem Drehzahlband bewegt werden, etwas darunter geht auch, etwas darüber ist nicht gut für angeregte Unterhaltungen. Ab 3.200 U/min wird es laut, sehr laut, leider nicht sportlich laut, eher nervtötend laut, daher also schnell wieder unter die magische Grenze und bei angemessener Geschwindigkeit von knapp 130 km/h über die Bahn gleiten. Dazu sind die Gassen des Sechsganggetriebes ebenso ein wenig anders als gewöhnt, wo üblicherweise der fünfte Gang wartet ist im Lancer erst der dritte drin und bis dann der fünfte oder sechste drin ist, hat der Beifahrer schon genug von dem Gefummel und rutscht freiwillig wahlweise nach hinten und mehr gen Fenster.

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„Das auf Agilität […] ausgelegte Fahrwerk“, mit der Fahrdynamik ist es immer so eine Sache, mir persönlich ist der Lancer Sportback viel zu weich, noch nicht gefährlich weich sodass ich Angst hätte in jeder Kurve umzukippen, doch eine straffere Abstimmung würde mir insbesondere bei Kurvenfahrten ein sichereres Gefühl vermitteln, als es aktuell der Fall ist. Das gute am Sportback: mit 510 Kilogramm Zuladung kann dem „schwimmen“ etwas entgegen gewirkt werden. Alles rein, was geht und schon besteht zwar die Gefahr in der Kurve wegen des Mehrgewichts nach außen zu treiben, doch Seekrank wird dann keiner mehr. Trotz riesiger Heckklappe und großzügigem Platzangebot auf den hinteren Sitzen und im Kofferraum hat der Lancer Sportback laut Datenblatt nur ein Gepäckvolumen von 288 Litern, was deutlich weniger ist, als bei der Konkurrenz. Was soll ich sagen, ich glaube dem Datenblatt nicht so Recht, insbesondere, wenn ich bedenke, was ich dem Sportback mal eben so hinten reingeworfen habe. Bis zur Decke beladen ist dank der „ausgebuchteten“ Heckklappe auch überhaupt kein Problem – in der Limousine wäre hier wohl früher Schluss gewesen – auch die Konkurrenz um Korea-Golf Kia cee’d und Co. kann da nicht mehr mithalten.

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Zum harten iPhone 5-Test wollte der Lancer nicht einmal antreten, jedenfalls noch nicht! Weder Bluetooth noch die USB Verbindung funktionierte, aber das Problem ist bekannt und Mitsubishi arbeitet daran und will bis Ende April nachgebessert haben – alle bestehenden Mitsubishi-Kunden müssen nur eine Fachwerkstatt für das Update aufsuchen. Vorbildlich, damit markiert Mitsubishi aktuell die Spitze der „iPhone5-Update-Nachlieferer“. Wie das Doppel-Din-Navigationssystem so ist, kann ich leider nicht sagen, ich hatte – ich war auch etwas überrascht – nur die Grundausstattung samt Radio im Paket „Invite“. Immerhin gab es eine Rückfahrkamera, bei der ich erstmals dieselben Probleme, wie Stefan sie so oft hatte, bestätigen konnte. Die Optik, die sehr weit links oberhalb des Kennzeichens versteckt ist, stellte sehr verzerrt dar. Ohne Kontrolle im Seitenspiegel also besser nie ein- oder ausparken, der Pfosten könnte näher sein als es das Display vermuten lässt.

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Die Komforttechnik ist leider wirklich enttäuschend, wenn Regensensor und Lichtautomatik verbaut sind, dann verlasse ich mich auch darauf. Wenn sie nicht direkt reagieren, kann ich wirklich damit leben, aber wenn nichts passiert. Traurig. Der Lichtsensor springt wirklich erst bei Dunkelheit an, sprich der Tunnelfahrt oder eben bei Nacht. Bei diesigem Wetter oder Dämmerung, bei dem vom Gesetz vorgeschrieben wird, das Licht einzuschalten ist, versagt die Automatik. Von alleine geht kein Licht an, auch nicht wenn dicke fette Regentropfen auf die Windschutzscheibe ballern. Für mich kein Problem, immerhin habe ich Adleraugen, aber das soll ja nicht auf alle Autofahrer zutreffen. Was mit dem Regensensor nicht so genau stimmt, kann ich nicht sagen, aber da sind andere Hersteller auch nicht fehlerfrei, es muss schon aus Eimern gießen, dann aber geht es richtig los. Hektisch versuchen die Wischer ihr Defizit aufzuholen. Start-Stopp-Systeme sind etwas herrliches, Gott sei Dank lässt sich das AS&G im Lancer deaktivieren. Für gewöhnlich reicht es das Kupplungspedal halb, manchmal sogar noch weniger, zu drücken und der Motor springt bei aktiviertem Start/Stopp-System wieder an. Nicht so im Lancer Sportback, leider. Die Kupplung ist voll durchgetreten, es folgt eine Gedenksekunde und urplötzlich fällt dem Anlasser an „hey ich hab wieder Arbeit“ und setzt die vier Pleuel wieder in Bewegung. Auch wenn so die 131g CO2-Emissionen mit Sicherheit höher liegen, ziehe ich es vor (besonders im kalten Zustand, wenn der Motor denkt er sei warm genug) den AS&G-Off-Knopf zu betätigen um dem Hupkonzert an der Ampel zu entgehen – leider war ich nicht von Beginn an so schlau. Meine Ohren pfeifen heute noch.

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Hätte ich nur eine kurze Probefahrt im Lancer Sportback absolviert, hätte ich diese wahrscheinlich schon nach zehn Minuten beendet und dem Händler mit einem hämischen Lachen zurückgelassen. Der große Kofferraum und die von hinten zu entriegelnde Rückbank haben den Gesamteindruck noch retten können, dem kombinierten Verbrauch von 5,5 Litern bin ich auch nicht einmal nahe gekommen, dafür ist die Sitzheizung extrem schnell auf Grillstufe. Für mich hat der Lancer Sportback zu viele unbefriedigende Punkte, weshalb ich mich eher für einen Kia cee’d entscheiden würde. Bei dieser Entscheidung würde ich ganz klar Variabilität im Innenraum und auch Leistung einbüßen, im gleichen Atemzug deutlich zufriedener sein, mich über funktionierende Technik freuen und bei vergleichbarer Ausstattung noch 1.000 Euro zum Einkaufen übrig haben.

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Mitsubishi Lancer 1.8 DI-D Sportback

Reihenvierzylinder (quer) 1.798 cm³
150 PS bei 4.000 U/min
300 Nm bei 2.000 – 3.000 U/min
10,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 204 km/h
Kombinierter Verbrauch 5,0 l/100km
Testverbrauch 5,4 – 6,9 l/100km
Modellgrundpreis: 16.990,00 Euro
Testwagenpreis: 23.490,00 Euro

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