Oben ohne in den Frühling starten: VW Beetle Cabriolet

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Seit 22. Februar im Handel, ab 21.350 Euro zu erwerben, habe ich mir leider erst nach dem offiziellen Verkaufsstart einen kurzen Eindruck vom neuen VW Beetle Cabriolet machen können. Wie nah der Frischling an seinen Ur-Großvater herankommt zeigt der kurze Ersteindruck an der verregneten Côte d’Azur.

Knuffig, kultig und auch irgendwie ein wenig mit dem Charme des alten Käfers. Zwar spaltet das Beetle Cabriolet die Nation wie kein anderes Auto seit langem – während dem Wochenende tauchten sowohl liebliche Kommentare als auch leichte Hasstiraden in den sozialen Netzwerken auf – ich sehe mich da selbst aber irgendwie auch als die Schweiz. Kaufen würde ich ihn nicht, denn der Mini-Kofferraum bietet einfach zu wenig Platz für den Alltag und die Motorenpalette ist nur für den großen Geldbeutel etwas mehr mit Emotionen versehen. Der laut VW sparsame 1,6-Liter TDI zum einen war den Kollegen deutlich zu träge und dabei keinesfalls so sparsam wie angegeben, der von uns gefahrene 2,0-TSI mit 200 PS (ab 29.400 Euro) bot dafür ein wenig mehr Aufregung. Durch die Ausstattung „Sport“ (ab 27.075 Euro) kam auch noch ein strafferes Fahrwerk daher, aber der letzte Kick fehlte dann doch irgendwie. Sehr enttäuschend war auch der enorme Spritverbrauch, der selbst bei einer „Schleichfahrt“ auf der Autobahn bei knapp 90 km/h und teilweise bergab nicht unter die neun Liter-Grenze fallen wollte. 9,1 l/100km (DSG) war das niedrigste, was der Bordcomputer angezeigt hat, bei ambitionierter Fahrweise sind mit mindestens 12 Litern zu rechnen.

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Über den zweiten gefahrenen Motor mag ich mir nicht so recht ein Urteil bilden, denn der 118 kW (160 PS) starke Benziner hat nicht so wirklich überzeugt. Die fehlende Klangkulisse auch bei offener Fahrt konnte nicht so ganz begeistern. Einzig das Pfeifen des Turbos war immer wieder deutlich zu vernehmen, das ist jedoch Ansichtssache ob es gefällt oder nicht. Für mich klang es zu sehr nach einer Trillerpfeife als nach dem klangvollen Einsetzen eines Garret-Turboladers an einem 1JZ. Das manuelle Sechsganggetriebe hingegen trug mehr zur Fahrfreude bei als der Motor selbst. Eventuell passt dieses Getriebe eben besser zur Topmotorisierung, welches mit dem Direktschaltgetriebe nicht ganz so rund läuft.

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Den Wind um die Nase wehen lassen. Das ist doch der einzig wahre Grund ein Cabriolet zu kaufen, die Freiheit eins mit der Natur zu werden. Diese Nähe zur Natur kommt im Beetle Cabrio auch bei geschlossenem Verdeck zur Geltung. Die Dichtung an der B-Säule hält nicht wirklich, was sie verspricht. Nicht nur, dass die Spaltmaße von der Tür zur Karosserie im oberen Bereich außergewöhnlich „légère“ sind auch zieht es hier im wahrsten Sinne des Wortes wie Hechtsuppe durch. Das kleine Dreiecksfenster schließt nicht korrekt zum Fenster der Türen ab, wodurch dauerhaft Luft eindringt. Der steife Nacken ist da im Winter so gut wie vorprogrammiert.

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Ein Pluspunkt ist dafür das Stoffdach, das sich optisch genau an dem Klassiker orientiert hat und sich zudem auch während der Fahrt bis 50 km/h öffnen und schließen lässt. Dass es extra für das Windschott im Kofferraum eine Ablage- bzw. Verstaumöglichkeit gibt verdient ebenso Anerkennung. Für Verliebte der ersten Stunde, die schon damals ein Käfer Cabriolet kaufen wollten oder eines hatten, bietet VW bis zum Ende des Jahres die Versionen 50s, 60s und 70s (ab 25.850 Euro) im Retro-Felgen-Design an, die sich genau nach den alten Modelljahren richten. Die Chromleiste oberhalb des Schwellers erinnert weiter an die alten Trittbretter der Ur-Käfer. Nicht zu vergessen der Spoiler auf dem Kofferraum, der eine Hommage an die alten luftgekühlten Boxermotoren darstellt. Die Sitze sind aber in jedem Fall sehr gut geschnitten, bieten ausreichend Seitenhalt und gute Verstellmöglichkeiten. Das Navigationssystem stellt den Fahrer besonders in den kleinen verwinkelten französischen Dörfern gerne vor die Herausforderung die richtige Straße selbst zu finden, rechnet bei der falschen Wahl aber relativ schnell eine neue Route zusammen. Noch schneller ist dafür das Bluetooth-Audio-Streaming, das fast ohne Verzögerung auf die Befehle am Smartphone reagiert. Android ließ sich überraschenderweise nicht verbinden, mit iOS ging es nach kurzer Wartezeit.

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Ein Cabriolet mit viel Historie, einer umfangreichen Geschichte, frischem Gesicht und die eine oder andere Hommage an die vergangene Zeit. Doch hier muss auch auf die Euphorie-Bremse gedrückt werden, denn der Startpreis täuscht. Ohne großen Aufwand schießt dieser bei der Wahl des besseren Motors oder einer schickeren Ausstattung auf über 30.000 Euro. Ganz zu schweigen von den Modellen, die erst oberhalb dieser Grenze ihren Startpreis haben. Hipster-Sonnenanbeter können mit dem VW Beetle Cabriolet mit Sicherheit den einen oder anderen Sommer genießen, wenn sie wohl auf Gepäckraum verzichten können. Für alle anderen gilt, erst gut überlegen und dann nochmal überlegen!

Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner

15 Gedanken zu “Oben ohne in den Frühling starten: VW Beetle Cabriolet

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  3. Hallo

    einen Beetle Cabrio finde ich jetzt nicht so toll, ohne Dach kann man kaum noch sehen das es ein Beetle / Käfer ist. Mir wäre da ein klassischer Käfer als Cabrio lieber.

    Gruß
    Mario

  4. Pingback: Fahrbericht VW Beetle Cabrio TSI: Nur die Harten kommen ins Cabrio - Fanaticar Magazin

  5. Ciao, nachdem das der erste Blog ist bei dem ich (endlich) auch Kritisches vernehme: Wie schlimm ist denn die undichte fensterdichtung? Trat sie bei allen testfahrzeugen auf oder nur bei einem? Ist im Winter ein monatelanges Fahren überhaupt möglich? Oder ist es ein reines Sommerauto? Vielen dank für die Hilfe!
    Viele Grüße, Erwin

    • Hallo Erwin, das freut uns in erster Linie doch schon, dass du die andere Ansicht bzw. die kritische Berichterstattung wertschätzt.
      Also es kommt zumindest kein Spritzwasser oder ähnliches rein, wenn man es im Dauerregentest aber wohl darauf anliegt kommen sicher einige Tropfen durch. Das Problem bestand bei allen Modellen, kann aber auch an der „Vorserie“ liegen. Sind noch nicht die Modelle aus der Serienproduktion gewesen. Nervig ist eben der Luftzug durch den gesamten Innenraum. Da kann man sich auch generell drüber streiten, ob ein Cabrio ein Winterauto ist. Sitzheizung sowie eine gute Heizung sind da gute Argumente, aber das Stoffverdeck wird in einem harten Winter sicherlich nicht ausreichend Wärme stauen können. Ist wohl eher ein klassisches Saisonauto von März bis Oktober, und nur für hartgesottene Winterfahrer 😉

      • vielen herzlichen Dank für die rasche Antwort! Viel Erfolg weiterhin! Wenn ich Euch als Spezialisten um Eure persönliche Meinung bitten dürfte (gern auch als e-mail): Ich steh vor der Wahl: Renault Megane Cabrio oder Beetle Cabrio? (Soll (auch) im Winter gefahren werden) . Oder ist es reine Geschmackssache?
        Beste Grüße nochmals, Erwin

        • Danke für den Spezialisten-Titel 😉 Ganz so weit sind wir glaube ich aber noch nicht.

          Das ist echt nicht einfach, zum Megane CC fehlen mir leider jegliche Erfahrungswerte, aber da es auch als Winterauto genutzt werden sollte, würde ich schon alleine aufgrund der Stahldachkonstruktion zum Megane greifen. Wie es dahingehend mit der Langlebiegkeit der Teile aussieht möchte ich mir so kein Urteil darüber bilden. Eventuell beim (vertrauenswürdigen) Renault Händler nach bekannten Mankos nachfragen.

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  7. Hallo,
    die Frage Sommer- oder Ganzjahresauto stellte sich mir auch.
    Ich fahre mein A5 Cabrio auch über den Winter, obwohl Audi für das Cabrio (nur für das Cabrio, warum?) keine Standheizung anbietet und ich diese in einer anderen Werkstatt nachrüsten lassen musste.
    Die beschriebenen Probleme mit undichten Fenstern hatte ich anfangs auch, sie ließen sich jedoch vom Händler (elektronisch) nachjustieren. Windgeräusche sind jedoch noch lauter als beim geschlossenen Auto.
    Bei stärkerem Frost frieren die Scheiben jedoch unten in den Türen ein, so dass sie beim Türöffnen nicht mehr automatisch senken. Schlimmer jedoch ist, dass sie dann beim Schließen der Tür oben entsprechend abstehen, will man keine übermäßige Gewalt anwenden. Ist der Wagen dann warm genug, löst sich das Problem von selbst und Spuren oder Beschädigungen in der Dachdichtung kann ich keine finden.
    Aber bis jetzt, nach dem 2. Winter, kann ich außer diesen Einschränkungen keinen Grund sehen, ein Cabrio nicht das ganze Jahr zu fahren: Der (doch kleine) Innenraum wird schnell warm und das Stoffdach isoliert bestmmt nicht schlechter als ein Blechdach.

    • Ist natürlich alles eine Ermessenssache, ob der jeweilige Fahrer mit den Downsights klar kommt. Die Probleme beim A5 Cabrio im Winter mit den Scheiben sind aber schon bei extremen Temperaturen, oder?

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