Schön aber keinesfalls perfekt: Mercedes-Benz A 250 Style

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Style-Award, Lobeshymnen und zahlreiche Daumen, die sich in den Fahrberichten nach oben bewegen. Der Wechsel von bieder, zu jung und hip hätte für Mercedes-Benz und die neue A-Klasse (W176) nicht besser laufen können. Meine Augen kann ich auch nicht richtig von ihr abwenden, warum ich sie dennoch nicht kaufen würde, könnt ihr im folgenden Fahrbericht nachlesen.

Vorgestellt in Slowenien bei sommerlichen Temperaturen hat Stefan bereits die Vorzüge, des wie es sich im Winter herausstellte, Schönwetterautos hervorgehoben. Alles unter null Grad Celsius ist dagegen nicht wirklich der A-Klasse liebstes Terrain. Auf einer recht gemütlichen Autobahn-Tour, um den geringsten Verbrauch zu ermitteln, meldete sich das System mehrmals mit Fehlermeldungen, die mich zweifeln ließen, ob ich heute überhaupt am Ziel ankommen würde. Merke: Schneefall und Minusgrade sind kein Freund der Mercedes-Technik.

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Den absoluten Bestwert den ich an diesem Tag erreichen konnte waren 6,7 l/100km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 98 km/h. Dabei lief lediglich die Klimaanlage, auf Sitzheizung oder weitere technische Spielereien habe ich mal verzichtet. Diesen Wert zu erreichen war schon mit großer Anstrengung verbunden, wer also den Wert der Werksangabe von 6,2 l/100km erreichen sollte, der hat einen goldenen Pokal verdient. Maximal sind so 700 Kilometer Reichweite drin, gemessen an dem 50 Liter Tank ist das noch ganz ordentlich. Dass der V6-Motor des SLK damit sparsamer ist hatte ich bereits schon untermalt, dass mir dieser als Ergebnis nicht nur wegen des Verbrauchs aber auch der besseren Akustik und vor allem des deutlich emotionaleren Drehzahlbandes besser gefällt brauche ich wohl nicht noch weiter anzudeuten.

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Das Fahrwerk passt so gar nicht zum Image von Mercedes-Benz, dafür umso besser zur A-Klasse. Hart, kein Aufschaukeln der Karosserie; mit dem Kompakten kann man richtig ordentlich durch die Kurven brettern. Trotz Frontantrieb. Die Grenzen tun sich dann allerdings aufgrund der Schmalspur Gummis auf den 17-Zöllern auf, mit den Maßen 205/50 R17 sind die Winterreifen von Continental fast dauerhaft mit dem Drehmoment von 350 Nm überfordert. Wirklich überraschend ist dies bei einer Reifengröße, die aktuell auf Kleinwagen der Standard ist, aber auch nicht. Woher es kommt kann ich nicht mit voller Gewissheit sagen, doch die A-Klasse ist für einen Mercedes enorm spaßig auf vereisten (geräumten) Straßen. Trotz eingeschaltetem ESP hat in der einen oder anderen Autobahnauffahrt das Heck zum Überholen angesetzt. Nicht, dass ich das nicht genossen hätte, eher bin ich gewohnt das es harte Arbeit erfordert einen Mercedes in eine unstabile Lage zu bringen – ausgenommen derer mit dem V8-Motor und dem AMG-Badge auf der Heckklappe.

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Das 7G-DCT, welches ein Doppelkupplungsgetriebe aus Eigenentwicklung ist, macht einen guten Job. Abgesehen davon, dass es genau wie die Technik im Auto nicht wirklich ein Freund der kalten Temperaturen ist. Obwohl bei gleicher Gasstellung, schaltet es im kalten Zustand mal früher und mal deutlich später auch erst bei 3.500 U/min in den nächsten Gang und hält die Drehzahl auch noch für eine gewisse Zeit. Das Problem, wenn man so will, lässt sich nur durch „warmfahren“ beheben. Einen anderen Weg das zickige Motor-Getriebe-Duo bei den „kalten“ Temperaturen in den Griff zu bekommen habe ich bisher nicht gefunden.

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Der Totwinkelassistent rastet bei Schneefall auch mal gerne aus, wie wild blinkt dieser, obwohl sich überhaupt nichts neben dem Auto befindet – erwähne ich besser auch mal nur beiläufig. Dass der Spurhalteassistent allerdings nur gegen die Handwurzelknochen hämmert und nicht aktiv gegenlenkt, wie es beispielsweise im neuen Skoda Octavia (für deutlich weniger Geld) perfekt funktioniert stört mich dagegen schon mehr.

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Auch wenn die neue A-Klasse nicht vor Herbst 2013 mit dem neuen iPhone sprechen will – warum man nicht einfach den USB-Steckplatz hierfür öffnet mag wohl auch keiner bei Mercedes erklären können – verbindet sie doch. Mit Menschen. Du kannst nirgends in Ruhe parken oder schnell wieder einsteigen und wegfahren. Nein, meistens lauert gleich ein Kaufinteressent daneben und quetscht dich aus. Ich weiß nicht wofür man eine Verkäuferausbildung braucht, ich habe in weniger als einer Woche sicherlich zwei, drei A-Klassen – mit dem Dieselmotor wohlgemerkt – verkauft.

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Auch wenn ich persönlich mit der weißen Lackierung nichts anfangen kann, schien sie den Leuten zu gefallen. Das AMG-Paket, was meine liebste Verkleidung ist, war dagegen den meisten Passanten zu viel des Guten. Selbst die zwei Endrohre waren einigen schon ein Dorn im Auge, nach dem Motto „ich will nicht, dass die Leute wissen, wie schnell der ist“.

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Letztendlich ist die A-Klasse mehr „nett anzusehen“ als ein „cleverer Kompakter“, was nicht zuletzt am Heck spürbar wird. Nicht nur, dass mit 341 Liter der kleinste Kofferraum in der Kompaktklasse beladen werden will (Vergleich: Audi A3 Sportback 380 Liter, BMW 1er 360 Liter, größter in der Komapktklasse: Honda Civic 477 Liter), sondern auch die Hürden, die dafür genommen werden müssen. Die weit hereingezogenen Rückleuchten erschweren das Einladen, welches stark an das gute alte Tetris erinnert. Wer „spielerisch“ einlädt bekommt zwei Bierkisten und eine Wasserkiste rein, dann ist schon nicht mehr viel freier Platz übrig. Ferner hat mich die Linguatronic nun auch nicht so vom Hocker gehauen wie Jan, sie ist marginal schneller als die Sprachsteuerung im Volvo XC60, dafür, dass sie zwei Jahre jünger ist aber auch nicht wirklich beeindruckender.

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Mercedes-Benz A-Klasse 250 BlueEfficiency „Style“

Reihenvierzylinder (quer) 1.991 cm³
211 PS bei 5.500 U/min
350 Nm bei 1.200 – 4.000 U/min
6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 240 km/h
Kombinierter Verbrauch 6,2 l/100km
Testverbrauch 6,7 l/100km
Modellgrundpreis: 23.978,50 Euro (A180)
Testwagenpreis: 48.319,95 Euro

Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner