Mit dem zweiten sieht man besser: Mercedes-Benz A250 Style

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Eigentlich ist es mein Erstkontakt mit der A-Klasse überhaupt. Über den Weg gefahren ist mir der Lifestyle-Trendsetter zwar schon des Öfteren, doch so richtig anfassen und fahren war für mich bisher nicht drin. Dennoch ist es irgendwie auch der zweite Blick, denn Stefan hatte sich bereits sehr ausführlich mit dem Stuttgarter Spross beschäftigt und einen beeindruckenden Erstbericht auf den Tisch gelegt.

Auf den zweiten Blick kann ich vieles bestätigen, was auch viele andere schon über die A-Klasse geschrieben haben, mir sind allerdings bereits Dinge aufgefallen, die bisher kaum aufkamen und mich doch enorm am teuren Schwaben stören. Nach wie vor ist das Fahrwerk erstklassig, viele Printzeitschriften titulieren es als „zu hart“, was für die Stadt durchaus zutreffen mag – du lernst schnell tiefere Schlaglöcher zu umfahren. Die direkte Lenkung und die agile, straffe Abstimmung machen dafür in den Stuttgarter Weinbergen enorm viel Spaß.

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Enttäuscht bin ich dabei aber etwas vom Reihenvierzylinder M 270. Zwar leistet er laut Werksangaben 211 PS, dreht bis 6.500 U/min, dennoch stellt sich einfach nicht das sportliche Feeling ein. Die Akustik ist stark blechern und das „kribbeln“ fehlt einfach. Der Puls der neuen Generation ist in meinem Fall eher flach und unauffällig. Es fehlt dem Turbomotor das gewisse etwas, die Überraschung, das brachiale Einsetzen des  Turbos. Stattdessen nur eine sehr lineare Entwicklung. Alles ist sehr vorhersehbar, fast gar emotionslos. Das aus der Eigenentwicklung stammende 7G-DCT schaltet deutlich schneller, als es von einem Getriebe mit nur einer Kupplung zu erwarten ist, dennoch bleibt es hinter einem vergleichbaren Doppelkupplungsgetriebe aus dem VAG-Konzern zurück. Die Zwischengasstöße beim Zurückschalten sind auf den ersten Metern sehr aufregend, verlieren aber schnell ihren Reiz, da sie mehr den Eindruck von „nichts Halbes und nichts Ganzes“ vermitteln als wirklich gut durchdacht zu sein. Mein schwäbisches Hauptproblem ist zudem der Verbrauch. Es scheint fast so, als sei der Tank angebohrt worden; der M 270 „säuft wie ein Loch“, besonders im kalten Zustand tanzt die Statistik irgendwo zwischen 25 und 20 Litern auf 100 Kilometern herum. Ein Auto, das vornehmlich in der Stadt gefahren wird und dort solche zweistelligen Verbrauchswerte niederlegt, zudem BlueEfficiency im Namen trägt, kann so keine Akzeptanz finden. Ich habe noch keine reine Verbrauchsfahrt gemacht, ich tendiere allerdings dazu den V6-Benziner aus dem SLK 350 als sparsamer einzuschätzen. Dieser nahm sich nur 6,2 l/100km, mit dem A 250 war ich bisher immer oberhalb der zehn Liter, egal wie vorausschauend und langsam ich gefahren bin.

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Im Innenraum kommt der Premiumkompaktkäufer dafür voll auf seine Kosten. Feinstes braunes Leder kombiniert mit schwarzen Akzenten, die wiederum mit braunen Ziernähten aufwarten. Nicht zu vergessen das Ambiente-Licht in den Sitzen. Auch das riesige Panorama-Glasdach zeichnet den Premiumflitzer aus. Für über 48.000 Euro erwarte ich aber auch Perfektion bis in die kleinste Ritze und bin bei scharfen Kanten direkt in der Mittelkonsole unterhalb der Climatronic natürlich maßlos enttäuscht. Irgendwo weit weg vom Sichtbereich mag das noch vertretbar sein, aber dort, wo die Hände oft zu Gast sind das Plastik nicht ordentlich abzurunden ist in meinen Augen untragbar. Zumal ein zweiter Tiefschlag nicht weit davon entfernt, in der Mittelarmlehne lauert. Die A-Klasse rühmte sich die beste iPhone-Integration EVER zu haben. Das zu testen habe ich mich schon am meisten gefreut, aber Pustekuchen. Ich bin mit meinem iPhone 5 der A-Klasse schon zu weit voraus. Die zwei Kollegen sprechen nämlich nicht miteinander, frühestens im Sommer bis Herbst 2013 soll hier nachgerüstet werden. Beste iPhone-Integration? Aber nur für die, die der alten Zeit nachweinen.

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Obwohl der A-Klasse gegenüber dem Harman/Kardon Soundsystem im CLS nur ganze zwei Lautsprecher fehlen, kann der Sound im Kompakten nicht im Geringsten mithalten. Ist es doch beeindruckend, wie sich der Wegfall eines 2-Kanal-Verstärkers oder etwa nur 450 Watt Ausgabeleistung von der Luxus-Limousine unterscheiden. Für sich genommen kristallisieren sich die Höhen zu sehr heraus, die Tiefen werden meines Erachtens zu sehr vernachlässigt. Den Sounddesignern wurde wohl nicht die Zeit gegeben, die sie für gewöhnlich benötigen, um einen Premium-Sound hinzubekommen.

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Die Form der A-Klasse beeindruckt mich trotz der vielen Negativpunkte nach wie vor. Auch wenn das AMG-Paket den deutlich männlicheren Auftritt hinlegt und die weiße Ausgabe, trotz des aktuell größten Motors ganz ohne breite Schweller oder Luftauslässe, etwas feminin aufschlägt, gefällt sie mir. Die kleinen 17-Zöller würde ich zwar gerne durch attraktivere 19 Zoll-Felgen austauschen, aber Mann kann eben nicht alles haben. Bei dem knackigen Hinterteil kann ich auch darüber hinwegsehen, dass nicht allzu viel in den kleinen Kofferraum hinein passt. Und doch hinkt die A-Klasse in den Verkaufszahlen um gut ein Drittel hinterher. Wem? Dem Auto, dass die BMWler spaltet, wie kein anderes, sich rein theoretisch also gar nicht besser verkaufen könnte. Und doch steht der BMW 1er (F20) mit 6.532 Zulassungen im Dezember 2012 gegenüber 4.321 der A-Klasse deutlich besser da.

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Text: Fabian Meßner

Fotos: Fabian Meßner

6 Gedanken zu “Mit dem zweiten sieht man besser: Mercedes-Benz A250 Style

  1. Danke! Endlich mal ein neutraleren Test. Das sieht man in der Mercedes-Lastigen Fanbase der Bloggersphäre eher selten. Weiter so!!

  2. Was die iPhone-Sache angeht. Ist die Schuld von Apple, weil die den Connector umgestellt haben und eben nicht ein bis zwei Jahre Vorlauf für die Hersteller kalkulierten, Wie man sich vorstellen kann, braucht es etwas Zeit, bis man den Einbau in eine Wagenklasse organisiert hat. Da wollen ja bei Hunderttausend Autos ausgestattet werden. Mercedes sind die nicht einzigen, die Apple da in die Parade gefahren ist, bei VW, BMW, Audi usw. sieht es nicht anders aus. Apple hatte ja selber bei der Einführung nicht genügend Adapter zu Hand, von daher kann Mercedes da eher wenig für.

    • Wahre Worte, muss ich dir so Recht geben. Trotzdem traurig, dass es nicht mal mit dem Adapter miteinander spricht. Zudem kommt im Radio nie was Gutes, wenn ich fahre…

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