Effizienter Reisebegleiter für Sie und Ihn: Mercedes-Benz SLK 350 BlueEfficiency

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Herbstliche Temperaturen und einige Reiseziele quer verteilt über Deutschland. Ob der Mercedes-Benz SLK 350 als Roadster mit einem relativ geringen Kofferraumvolumen dafür geeignet ist? Die Reisevorbereitung stand also nicht unbedingt unter dem besten Stern, Effizienz in Verbrauch und Gepäck war gefragt, doch hat es funktioniert? Aber klar doch!

Mit dem SLK in der dritten Generation (R 172) schwimmt auch viel Historie mit, die sich im Detail erkennen lässt. Die Front erinnert an ein legendäres Modell aus den 1950er Jahren, der nach Meinung vieler als „Ur-SLK“ zu bezeichnen ist, allerdings lief er damals noch unter dem Namen des großen Bruders vom Band. Gemeint ist der 190 SL (W 121 B II). Die lange Front haben sie beide, genauso wie den großen Kühlergrill in dem der Stern blitzt, gemeinsam. Damals waren es nur 1,9 Liter Hubraum, heute dagegen sind es, wie in unserem Fall, 3,5 Liter, die auch ungefähr das Dreifache an Leistung aus dem Motor herauszaubern als es mit den 105 PS im 190 SL noch möglich war. Schönheit in Formvollendung war schon damals das Zeichen der Roadster von Mercedes-Benz. Der SLK ist hingegen nicht mehr ganz so rund, die lange Motorhaube blieb, das Heck deutlich kürzer, sehr kurze Überhänge hinten.

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Eines verbindet die beiden über mehr als 60 Jahre ganz deutlich: die Eigenschaft über die Automeilen der Großstädte und Landstraßen zu flanieren. Ein edler Auftritt ist dir damit sicher, egal ob klassischer Oldie mit dem mehr als sechsfachen Gegenwert gemessen am einstigen Kaufpreis oder dem Ur-Enkel, der natürlich auch etwas mehr Lärm machen darf. Auch im Innenraum hat sich in mehr als einem halben Jahrhundert so einiges getan, im 190 SL fährt der Fahrer noch selbst, braucht ordentlich Kraft in den Armen, um ohne Servolenkung auszukommen und wird teilweise wohl verwöhnt von den Hölzern im Armaturenbrett. Der neue gibt dem Fahrer die Kraft zu entspannen, Distronic Plus, Navigationssystem, Abstandswarnern, Notbremsassistent. Eigentlich ist nur ein gelegentlicher Daumendreh am Lenkrad notwendig, alles andere funktioniert wie von Geisterhand.

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Die zahlreichen Extras treiben zwar auch den Preis ordentlich in die Höhe, dafür aber wird das Nervenband im täglichen Berufsverkehr oder auch dem durch immer höheren Verkehrsaufkommen bedingtem Stau auf der Autobahn deutlich weniger beansprucht. Die serienmäßige Start/Stopp-Automatik senkt dazu noch die nötigen Stopps an der Tankstelle sowie den CO2-Ausstoß. Überhaupt genehmigt sich der große Sechszylinder ohne jegliche Zwangsbeatmung relativ wenig Nährstoff aus dem 60 Liter Tank, der gegen Aufpreis auch gegen einen 70 Liter Tank ausgetauscht werden kann. Den kombinierten Verbrauch der Werksangabe zu knacken war wirklich keine schwierige Aufgabe, bei gleichmäßiger Fahrt auf der Autobahn reichen dem Roadster sogar 6,2 Liter/100km allerdings verlangt das neben dem Einsatz von Distronic Plus auch ein wenig Weitsicht vom Fahrer, sodass die harten Bremsmanöver des Radargestützten-Systems umgangen werden können. Diese könnten zugegebenermaßen wirklich etwas sanfter ausfallen, da bei eingeschaltetem Distronic Plus auf den vorausfahrenden aufgefahren wird, bis der eingestellte Abstand erreicht ist. Sobald er dann feststellt, dass der Vorausfahrende langsamer als wir selber fährt, werden plötzlich die Bremsen betätigt. Das gleiche „Problem“ stellt sich ein, wird die voreingestellte Geschwindigkeit per Wahlhebel verringert, anstatt nun effizient ausrollen zu lassen, wird ohne Verzögerung auf die neu eingestellte Geschwindigkeit herunter gebremst. Hier kann noch mehr BlueEfficiency herausgeholt werden.

Scheinen die grauen, durchgestrichenen Schilder auf, dann kann der Cruiser aber auch ganz anders, ohne große Mühen schaltet die 7-G-Tronic so viele Gänge runter bis die Drehzahl oberhalb von 5.000 U/min steht, dann geht es vorwärts. Nicht ganz so schnell, wie mit einer Doppelkupplungsbox, aber dennoch mit nur geringem Zugkraftverlust bis die 250 km/h erreicht sind. Der Tacho zeigt zwar bereits auf 260 aber die Messung mit GPS bestätigt die elektrisch abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit. Die Zeit verfliegt etwas schneller, das Comand Online errechnet die neue Ankunftszeit und die Insassen bekommen nur ganz am Rande etwas von den Bodenwellen mit. Und entspannst du dich dann doch etwas zu viel, erinnert dich der Attention Assist daran, dass du hier das Ruder in der Hand hast. Ja, er funktioniert wirklich. Aber für die Kaffeepause war leider keine Zeit.

Dem Vielreisenden ist das sicherlich nichts Neues, doch die „Freude am Fahren“ kennt auch ihre Grenzen, eher noch findet sie auf dem Weg von A nach B von Termin zu Termin kaum statt, da ist mir ein hilfreiches elektronisches Extra wie Distronic Plus gerne willkommen. Einmal Geschwindigkeit eingestellt sowie den Abstand, einfach dem Vordermann folgen und hin und wieder das Lenkrad passend zur Kurvenfahrt bewegen. Aber auch die Elektronik hat ihre Grenzen, so muss insbesondere bei solchen Karawanenfahrten doch auch das Auge beobachten, was der Vordermann tut. Eine starke Bremsung ist im Prinzip kein Problem für das System, bremst es doch bis auf null herunter, wenn auch teilweise etwas sehr sportlich. Fährt der Vordermann aber von der Autobahn ab, muss sich darauf eingestellt werden, dass nun gleich wieder auf die vorher (vermutlich höhere) Geschwindigkeit beschleunigt wird. Viel gravierender ist das System aber in einer kleineren Notsituation gewesen, als ein plötzlich einscherendes Fahrzeug zwar vom System als Hindernis erkannt wurde, der obligatorische Warnton auch erfolgte, darüber hinaus allerdings nichts. Ganz abschalten und zurücklehnen ist also nicht drin, ein wenig Aufmerksamkeit ist immer noch erforderlich.

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Was hingegen nicht viel Achtsamkeit erfordert ist die Überlegung, wie viel Gepäck mit kann oder auch muss. Denn überraschenderweise schluckt der Kofferraum des SLK auch bei geöffnetem Verdeck problemlos zwei kleinere Koffer, also mit anderen Worten das Wochenendgepäck von zwei Personen. Und für den Fall, dass es doch mal mehr wird, muss das Verdeck eben doch wieder raus da und warten bis die Koffer im Hotel geparkt wurden, bevor es wieder im Frischluftvergnügen über die kurvigen Landstraßen geht.

Nicht nur Reisebegleiter, sondern auch ein Roadster-Klassiker, warum lest ihr auf Autogefühl. Ebenfalls im SLK 350 unterwegs gewesen ist passion:driving Blogger Sebastian.

SLK 350 BlueEFFICIENCY

Sechszylinder V-Motor 3498 cm³
306 PS bei 6.500 U/min
370 Nm bei 3.500 – 5.250 U/min
5,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h
VMax 250 km/h (elektr. abgeriegelt)
Kombinierter Verbrauch 7,1 l/100km
Testverbrauch 6,2 – 10,9 l/100km
Modellgrundpreis: 52.300,50 Euro
Testwagenpreis: 75.779,20 Euro