Ohne Experimente um allen zu gefallen: Der neue Golf VII

VW Golf Sieben in Bewegung

Am gestrigen Dienstagabend hat VW die siebte Generation des Golf in Berlin vorgestellt. Es ist ganz klar ein Golf, Verwechslungen sind ausgeschlossen, leider. Keine Designexperimente, keine mutigen Veränderungen in der Linie, irgendwie emotionslos, muss ein Auto für jedermann so aussehen?

Die Sketches, die in den vergangenen Tagen aufgetaucht sind, haben die Erwartungen sowohl von Stefan und mir in die Höhe getrieben. Doch als dann die Hüllen gefallen sind: Ernüchterung. Die stark gezeichnete Schulterlinie, sie ist weg, nicht mehr da, mit dem Hammer platt gemacht worden. Das Heck, ein Versuch die Sportlichkeit und die Dynamik des spanischen Bruders miteinzubringen, doch der Rest passt nicht dazu, die eckigen Rückleuchten, sie passen nicht zum biederen Golf-Image. Die Front scheint gar gezogen worden zu sein, gerade so als hätte man vergessen den Aufprallschutz einzubauen und hätte noch 15 cm zusätzlich Platz schaffen müssen.

VW Golf Sieben Heckansicht

Die neue MBQ-Bauweise ist vor allem eine Spar-Bauweise, in jeder Hinsicht, die Produktionskosten werden gesenkt, quasi alle Modellen können auf ihr aufbauen, aber auch wird bei Emotion und Design gespart. Kein Auto hat bisher eine solche Spaltung erlebt, es bleibt noch abzuwarten, welcher unsere Kollegen veröffentlicht, was er oder sie wirklich über den neuen Golf Sieben denken. Bjoern jedenfalls scheint Gefallen am neuen Golf gefunden zu haben und lobt den Mut zur Kante. Thomas bestätigt hingegen unseren Eindruck, wenn auch etwas abgeschwächt, der Golf der ewige Evolutionär, ein Auto bei dem die Revolution ausbleiben wird. Der Golf steht quasi im direkten Kontrast zur neuen A-Klasse, die angeblich die Kunden verschrecken sollte, doch ich für meinen Teil habe noch kein negatives Wort über diese Revolution hören können.

Was wiederum gut gelungen ist sind die inneren Werte, besser gesagt das Cockpit, das geschwunge Lenkrad verleiht dem Innenraum eine ganz neue Frische, auch das Entertainmentsystem zeichnet sich durch eine neue Form und mehr Funktionen aus. Auch wenn im Grunde die inneren Werte immer im Vordergrund stehen sollten, immerhin sitzt der Fahrer im Auto und nicht außerhalb seines Gefährts, spielt die äußere Erscheinung eine tragende Rolle.

Was Stefan über die siebte Generation des Golf denkt: Zwar ist es wie mit der Liebe: auf die inneren Werte kommt es an. Beim Golf 7 scheint dies auch zutreffend, allerdings strahlt die Konkurrenz ihren Charakter deutlich nach außen hin aus. Würde man das Design des Golfs als Appetitanreger sehen wäre ein Vergleich mit Haggis angebracht. Der Golf 7 wirkt von seiner Anmutung her nicht fortschrittlich, eher unfertig und undurchdacht, im Laden würde ich ihn einfach nur abnicken.

Aber ganz abgesehen von der subjektiven Betrachtung des Äußeren, muss die Frage gestellt werden, warum? Warum baut VW immernoch ein Fünfganggetriebe in die Diesel-Einstiegsversion? Der Sparwahn muss ein Ende haben, zudem das gar schon so wirkt, als will man bewusst die „weniger als drei Liter auf 100km-Grenze“ in der Kompaktklasse nicht knacken, obwohl es möglich ist. Ein Gutes können wir dem Golf aber doch abgewinnen, der Preis, der bleibt nämlich ungefähr gleich gegenüber dem Vorgänger. Knapp unter 17.000 Euro geht es los mit dem kleinsten Benziner 1.2 TSI der laut Werksangaben 4,5 l/100km benötigen soll.

Fotos: VW AG