Leichtfüßig und wild: Jaguar XK 5.0 V8 Cabriolet

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Ich habe gedacht, ich sei gar kein Fan von Cabrios, doch eine ausgiebige Ausfahrt mit dem Jaguar XK hat mich eines besseren belehrt!

Also raus mit dem Heuschnupfenspray und ab zum Jaguar Testcenter, das sich direkt im Gewerbegebiet des Nürburgring befindet und von Jaguar Cars Ltd. betrieben wird. Hier geben Ingenieure von März bis Oktober bei Industriefahrten auf dem Nürburgring von 08:00 Uhr bis 17:00 Uhr jeden Tag ihr bestes, fahren u. a. 8000 km Dauertests, lesen und analysieren Daten aus den Speichern der Fahrzeuge, entwickeln und verbessern, ehe sie wieder zurück nach England fliegen.

Dass die Ingenieure ihren Job gutmachen, belegt auch das Wachstum von Jaguar im letzten Jahr, welches nämlich positiv ist und zusammen mit Landrover bei rund 20 % liegt.

Dass auch alle Kunden, denn Jaguar bietet am Testcenter auch sog. Kundenfahrten an, mit einem riesen-großen Grinsen wieder von der Gottlieb-Daimler-Straße fahren, steckt an, denn gute Laune und Spaß verschönert und verlängert sogar das Leben!

Katzenwäsche

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Als ich vor der Raubkatze stehe und ich den Schlüssel bzw. der Jaguar Smart Key für das „kontaktlose“ Starten in die Hand gedrückt bekomme, realisiere ich, dass ein Kindheitstraum wahr wird – eine Premiere für mich, zum allerersten Mal darf ich einen Wagen mit der Katze im Logo bewegen.

Natürlich ist dabei stets die Frage im Hinterkopf, ob man Luxus und Sportlichkeit perfekt mit einander verbinden kann und ob eine solche Kombination den Namen Jaguar trägt?

Fellpflege

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Was steckt also hinter dem Mythos Jaguar? Steht man erst einmal vor dem von Chefdesigner Ian Callum, der vor seiner Zeit bei Jaguar schon Sportwagendesigns bei Aston Martin zeichnete, entworfenen Cabrio, ist man alleine schon schwer beeindruckt von der Genauigkeit und Feinfühligkeit, die im Design der komplett aus Aluminium gefertigten Karosserie steckt.

Callum hat die Designsprache von Jaguar radikal verändert und als Nachfolger von Geoff Lawson direkt geprägt. Seine Handschrift findet sich in allen aktuellen Modellen und verleiht diesen eine grundlegend neue Formgebung.

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Natürlich springt direkt die Walhai-ähnliche Frontpartie in’s Auge und die stark gebogenen und verchromten Lufteinlässe an der Frontschürze. Im direkten Vergleich zum Modell von 2009 bzw. 2006 ist der Grill wesentlich größer ausgefallen und die Jaguar-typische Kreuzgitterstruktur noch auffälliger gestaltet. Die Scheinwerfer sitzen nicht mehr so tief, sind stattdessen weit nach hinten gezogen und erwecken somit den Eindruck von Bewegung. Obwohl die Scheinwerfer kleiner geraten sind, als bei den Vorgängern, entsteht durch die Wölbung der Motorhaube um die Scheinwerfer, die später wieder in der Mitte angehoben wird, der Eindruck, die leuchtenden Augen würden markant herausstechen und wesentlich größer sein als es tatsächlich der Fall ist. Das LED-Tagfahrlicht legt sich wie ein Bumerang um die Xenon-Scheinwerfer.

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Luftauslässe an der Seite direkt unterhalb der Jaguar-Prägung sorgen für eine dezente Akzentuierung im Profil und bringen das Benzin-Blut-Gemisch in mir zum wallen. Nachdem mein Blick den zwei horizontalen Linien, die über die gesamte Länge des Fahrzeugs (4791 mm) verlaufen, gefolgt ist, merke ich wie meine eigene Pumpe immer schneller und schneller schlägt – der Kraftstoffanteil in meinem Venensaft nimmt kontinuierlich zu. Die obere Linienführung verläuft im Gegensatz zur unteren, die quasi genau geradlinig oberhalb des Lufteinlasses die Karosserie ziert, weit oberhalb der Radkästen nach hinten zum Türgriff in einem Bogen leicht nach unten, bevor ein starker Schwung nach oben über die hinteren Radkästen das Ausrufezeichen setzen.

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Die Formsprache ist eindeutig und wird durch das Heck nur noch mehr bekräftigt. Zwei verchromte, ovale Endrohre, breite, nach außen spitz zulaufende Heckleuchten, der Heckspoiler und die Einbuchtung der Heckklappe vergeben dem XK einen standfesten, bulligen Auftritt, der durch 245 mm bzw. 275 mm breite Schlappen auf 18 Zöllern abgeschlossen wird.

Innere Werte; kein Katzenleben Abzug

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Während man außen fast ausschließlich auf Rennsport-getauftes Design stößt, geht es im Inneren ganz anders her. Die klassischen Werte, die mit der modernen, dynamischen Außenhülle umgeworfen wurden, blühen in der Interieur-Gestaltung vollkommen neu auf.

Überall finden sich tadellos verarbeitete Materialien aus hochwertigen Stoffen, wie Soft-Grain-Leder, Ebenholz oder strukturiertem Aluminium.

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Serienmäßig bekommt der Kunde schon viel geboten neben all den Annehmlichkeiten, nämlich eine dreistufige Sitzheizung, Zweizonen-Klimaautomatik, ein 7“ großes Touchscreen für das Cartainment-System, Bluetooth-Schnittstelle und ein MP3-fähiges Audiosystem mitsamt sechs Lautsprechern und CD-Spieler. Parksensoren dürfen natürlich auch nicht fehlen, obwohl die Rundumsicht selbst bei geschlossenem Verdeck noch recht gut ist. Schade nur, dass die Rückfahrkamera nur optional erhältlich ist.

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Was ich in jedem Fall ab jetzt in jedem Auto vermissen werde ich die perfekt abgestimmte Bowers & Wilkins-Soundsystem mit satten 525 Watt. Die Anlage ist so verdammt gut auf den Einsatz im grandiosen Cabrio ausgelegt, dass selbst bei offenem Verdeck und beim Kratzen der 200 km/h Marke noch purer Klanggenuss besteht und ich spreche gerade mal nicht vom Motorsound, denn diese Bassline hat man mit dem Kauf automatisch mitbestellt.

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Auch das Jaguar Smart Key System hat seine Reize, so werden die Türen schon bei Näherung an das Fahrzeug entriegelt. Das Stecken des Schlüssels in ein Zündschloss entfällt ebenso. Für 590,00 € Aufpreis in der Grundversion zu haben, alle anderen Versionen besitzen das System „von Haus“ aus.

Ein weiteres Highlight, dass serienmäßig kommt ist der untypische Automatikwahlhebel, der im Grunde ein ausfahrbarer Drehschalter ist und auf den Namen JaguarDrive Selector hört. Diese extrem schicke Lösung wird immer dann aktiv, wenn die Zündung ein- bzw. ausgeschaltet wird.

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Katzenjammer – ein Fremdwort

Lässt man den Motor dann auch noch an, indem man den Start/Stop-Knopf sanft drückt, vernimmt man nach einem tiefen Aufheulen nur noch ein geräuschvolles Blubbern des Achtzylinders. American power meets British elegance.

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Gleichzeitig strömt aus den Luftauslässen beim Motorstart erst einmal ein heißer Luftstoß, nicht nur heiße Luft!, wie aus einem gigantischen Fön, heraus – ihr kennt doch alle die Werbung, wo die Frau über den Gehweg läuft und plötzlich ein Zug warmer Luft das Kleidchen anhebt – nur, dass ich keine Frau bin und es mir nicht peinlich war, sondern mich anmachte -, kein Wunder, sorgt seit Februar 2009 die dritte Generation des AJ-V8 (AJ133) für den nötigen Vorschub.

Der 5.0 l V8-Sauger leistet satte 385 PS und schickt 515 Nm durch das 6-Gang-Automatikgetriebe von ZF. Entweder überlässt man das Schalten der extrem flinken Automatik oder man steuert die Gangwechsel via Schaltwippen (das Ganze nennt sich dann Jaguar Sequential Shift) selbst. Wenn ihr in das nächste, ruhige und tieffreundliche Dorf einfahrt und beim Ortseingangsschild einmal die linke Schaltwippe betätigt, um in den zweiten Gang zurückzuschalten, dann könnt ihr sicher sein, dass nicht nur ihr das extrem starke Aufbrummen des einschüchternden V8 unter der Haube und aus den Endrohren hört, sondern die gesamte Dorfgemeinde. Keine Sorge, wenn ihr mit dem wolligen Klang über das alte Pflaster fahrt, zaubert ihr jedem Dorfältesten ein Zaubern in’s Gesicht.

Nach nur 5,6 Sekunden ist das Höchsttempo außerhalb geschlossener Ortschaften erreicht und diese Kraftentfaltung ist wirklich brachial. Der unaufhaltsame Durchmarsch der zum Glück noch analogen Tachonadel auf der Uhr findet vorerst durch die elektronische Sperre bei 250 km/h ein Ende; leider gaben die umliegenden Autobahnteilstrecken nicht her, dies auch vollends auszukosten, doch ich hoffe wir können die offene Fahrt bei Tempo 250 km/h noch einmal nachholen. Im Schnitt soll sich der Jaguar XK mit 11,2 l Kraftstoff auf 100 km (kombiniert) begnügen, was in etwa hinkommen könnte; bei sportlicher Fahrweise gönnt sich der sehr leichte V8-Benziner von Jaguar durchaus einen Durchfluss von weit über 19 Litern, wie in unserem Fall.

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Für die spritzige Fahrweise wurde dem AJ133 eine variable Nockenwellensteuerung spendiert, die zusammen mit der Multipoint-Direkteinspritzung (150 bar) einen hervorragenden Job macht. Dem Sportgang fehlt es an nichts, auch das ganz normale Antriebsprogramm lässt die Raubkatze souverän über die Straße sprinten. Die Lenkung ist exakt und sehr direkt für die Basisvariante, durch Serpentinen bewegt man das Cabrio schnell und mühelos – klar, der XK wurde schließlich auf dem Nürburgring abgestimmt.

Das „Adaptive Dynamics”-System versucht die Fahrt so angenehm wie möglich zu machen, so bietet der XK eine stufenlose Dämpferverstellung zwischen den beiden Extremen „Hart“ und „Weich“. Die Bewegung und damit Kräfte, die auf die Karosserie einwirken, werden 100 Mal pro Sekunde von der Bordelektronik analysiert. Dementsprechend wird jeder Dämpfer so angepasst, dass ohne Komforteinbußen eine optimale Straßenlage erzielt wird. Die Lenk- und Nickbewegungen inklusive der Radfederwege werden ebenfalls überprüft und die Dämpferrate- und härte unmittelbar angepasst.

Jaguar XK 5.0 V8 Cabriolet fährt auf Landstraße Eifel Ahrweiler

Der doch beachtlich großen Raubkatze fehlt es an nichts und lässt keine Wünsche übrig, sie schnurrt wie eine lebensfrohe Hauskatze wenn man gemütlich die Natur genießen will und über die Landstraßen gleitet. Sie kann aber auch ganz anders, dafür reicht eine kleine Drehung des JaguarDrive Selectors nach rechts und schon brüllt und faucht der Sportwagen mit Cap wie eine gewaltige Raubkatze. Minderwertigkeitskomplexe hat dieses Auto garantiert nicht, der XK wurde geschaffen um aufzufallen.

Hergestellt wird der XK übrigens im Jaguar Werk Castle Bromwich, ein echter Brite eben.

Jaguar XK 5.0 Liter V8 Coupé/Cabriolet (Kraftstoffverbrauch l/100 km innerorts 17,1 – außerorts 8,0 – kombiniert 11,2; CO2-Emission 264 g/km)

DISCLOSURE: DER HERSTELLER HAT DIE KOSTEN FÜR DIE REISE UND DAS HOTEL ÜBERNOMMEN. MEIN HIER VERMITTELTER EINDRUCK IST UNVERFÄLSCHT UND ENTSPRICHT MEINEM SUBJEKTIVEN EMPFINDEN. VIELEN DANK AN JAGUAR DEUTSCHLAND FÜR DIE EINLADUNG UND ORGANISATION.

Text: Stefan Maaß

Fotos: Stefan Maaß / Fabian Meßner

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