Neuer Kia cee’d im Test: Multimedia im Innenraum

Kia cee'd bei Sonnenuntergang

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So viele Knöpfe und so wenig Zeit

Obwohl das Autofahren im Prinzip vorrangig ist, braucht es in naher Zukunft wohl auch noch einen Führerscheintest für die Infotainment-Systeme im Innenraum. Der Kia cee’d setzt eine neue Wie-viele-Knöpfe-und-Hebel-passen-auf-das-Lenkrad-Marke. Sage und schreibe 14 (Vierzehn!) Hebel und Knöpfe gibt es am Lenkrad. So wie sie platziert sind machen sie innerhalb kürzester Zeit das Leben deutlich einfacher. Tempomat und Limiter direkt am Lenkrad mit dem Daumen steuern, ganz einfach. Genauso ist es möglich mit der linken Hand auf der anderen Seite des Lenkrads die Audiokanäle anzusteuern. Lediglich das zappen durch das Menü in der Tachoeinheit sowie das Annehmen oder Ablehnen von Gesprächen über die Bluetooth-Freisprecheinrichtung bedarf eines kleinen Positionswechsels der Hand am Lenkrad.

Kia cee'd Innenraum Cockpit Lenkrad

Direkt hinter dem Lenkrad die Wahlhebel für Scheibenwischer und Blinker, über den auch das Licht angesteuert wird. Die zwei Hebel sind einerseits nie im Weg, andererseits auch wieder sehr weit vom Lenkrad selbst entfernt. Durch die V-Form stehen sie schon in der Nullstellung sehr weit nach oben – der Wischerhebel steht in der schnellsten Intervall-Schaltung senkrecht und verdeckt so die Tankanzeige – was wiederum zur Folge hat, dass kleinere Hände den Blinker im Kreisverkehr vielleicht nicht immer erreichen um diesen anzutippen und damit das Herausfahren zu signalisieren. In der unteren Hälfte des Armaturenbretts finden sich rechts noch ein paar weitere Knöpfe. Etwa der für die Lenkradheizung, diese funktioniert tadellos und erwärmt das Lederlenkrad auf gefühlt angenehme 35 bis 40 Grad Celsius. Im Sommer nicht unbedingt empfehlenswert, doch im Winter freut dieses nette Extra sicherlich die eine oder andere Frostbeule unter uns – Jens deine Meinung dazu? ;-) . Auch der Spurhalteassistent lässt sich hier wahlweise an oder ausschalten. Verlässt man die Spur ohne zu blinken, registriert das die Kamera oberhalb der Windschutzscheibe, versteckt hinter dem Innenspiegel, und der Fahrer wird über einen Piepton, sowie einen scheinbar driftenden cee’d in der Tachoeinheit informiert, dass er gerade die Fahrbahn verlässt.

Generation Smartphone hier bist du Willkommen

Schon vor einem Jahr ist mir im Kia Rio aufgefallen, dass dort Aux und USB-Anschlüsse zum Standardprogramm gehören, so war es auch im cee’d eine wahre Freude die eigene Musikbibliothek immer direkt abspielen zu können. Möglich ist das auch über Bluetooth, aber die Verluste sind nicht schön anzuhören. Dann doch lieber ohne Rauschen die eigens erstellten Playlisten abrufen und los fährt die Diskothek. Neben zwei Media-Eingängen gibt es in der ersten Reihe auch noch zwei 12V-Steckdosen in der Mittelkonsole, eine dritte befindet sich im Kofferraum. Eindeutig genug Möglichkeiten die Akkus wieder aufzuladen.

Rückfahrkamera im Kia cee'd

Der 2-Din große Touchscreen – 17,5 cm Diagonale oder 6,9 Zoll – ist selbst bei starkem Lichteinfall durch die Orangen Symbole immer gut abzulesen, er reagiert und rechnet ebenfalls innerhalb des Navigationsmenüs sehr schnell. Selbst bei leichtem Drüberstreichen reagiert dieser schon, es ist also kein übermäßiges Drücken und Drehen erforderlich. Das Navi kennt sich, wie bereits im Ersteindruck erwähnt, extrem gut aus, wenn es bspw. die Restaurants mit Rezensionen von Google abgleichen könnte wären alle Luxusprobleme gelöst. Auch das Smartphone per Bluetooth verbinden ist innerhalb von wenigen Sekunden erledigt, die Qualität dahingegen könnte etwas besser sein, aber es reicht aus, um zu verstehen, was der Gesprächspartner zu sagen hat.

Reinsetzen. Losfahren. Unterwegs sein.

Der Kia cee’d ist ein kleiner Allrounder, wenn es um den Alltagsbetrieb geht. Das Keyless-Go-System macht das Leben ein bisschen angenehmer, den Knopf auf dem Türgriff gedrückt, einsteigen, den Startknopf drücken und es kann losgehen. Wirklich großartige Einstellungen müssen nicht vorgenommen werden, denn der cee’d hat eine sehr großzügig geschnittene Umsicht und was doch einmal nicht mehr im Blickfeld ist, fängt bspw. die Rückfahrkamera ein, die auch bei Dunkelheit noch beeindruckende Bilder liefert. Das „intelligente Parksystem“, wie Kia es selbst nennt parkt fast selbständig ein. Der Fahrer muss nur noch Gas und Bremse bedienen. Allerdings traut sich der Kompakte keine kleinen Lücken zu, so kann er mehr als Unterstützung dienen für eben jene die äußerst ungern einparken oder solche die extrem faul sind. Aber Achtung, bei Dämmerung wird auch eine Verkehrsinsel zwischen zwei Fahrzeugen als Parklücke erkannt, der Fahrer sollte also stets auf Zack sein.

Kia cee'd Rücksitzbank

Die Sitze sind angenehm, haben sogar eine kleine Kunstleder-Applikation, welche wohl den Premiumeindruck vermitteln soll, genauso gibt es einen Lederschaltknauf und eine mit Leder bezogene Mittelarmlehne, die sich leider nur waagrecht und nicht senkrecht verstellen lässt. Darunter befindet sich dafür ein großzügiges Fach in dem problemlos drei 0,5 Liter Flaschen Platz finden, gekühlt ist allerdings nur das Handschuhfach. Zahlreiche Ablagen finden sich überall verteilt im Innenraum, in den Türverkleidungen finden auch große Flaschen halt, in der Mittelkonsole gibt es zwei große Becherhalter und unterhalb der USB/Aux-Schnittstelle eine weitere große Ablage in der ohne Raummangel die erste Generation des iPod Platz findet.

Richtig geräumig wird es im Kofferraum, 380 Liter klingt nicht nach viel, doch mit vier großen Wasserkästen, sowie zwei weiteren 3×3 PET Kästen schluckt der kompakte Koreaner ganz schön was weg. Dabei ist noch nicht einmal der volle Stauraum ausgenutzt, denn bis zur Hutablage fehlen noch einige Zentimeter. Bei umgeklappter Rückbank sind es insgesamt 1318 Liter Ladevolumen, damit verliert der nächste Umzug seinen Schrecken.

Kia cee'd Kofferraum Rücksitzbank Zwei Drittel umgeklappt

Ein in meinen Augen für Langstreckenfahrer etwas größeres Manko ist der Tempomat sowie der Limiter. So fein beide auch über die Kippschalter zu bedienen sind, so vernachlässigt wurde die technische Umsetzung. Einerseits der Tempomat der stellenweise die Geschwindigkeit nicht sauber halten kann, sondern durch dezentes Gasgeben wieder die eingestellte Geschwindigkeit aufnimmt. Vergleichbar ist dieser kleine Ruck mit einem Führerscheinneuling der gerade das Spiel mit Gas und Kupplung lernt. Anderseits der Limiter, der sich ab 30 km/h bis auf den Kilometer genau einstellen lässt, aber durch gewisse Tricks überlistet werden kann. Bspw. befindet sich ein Button unterhalb des Gaspedals, der leicht mit einem Kickdown-Button verwechselt werden kann, aber eine mechanische Sperre zum Sprit sparen ist, drückt man diesem bei gesetztem Limiter wird dieser außer Kraft gesetzt. Ob das nun gewollt ist oder nicht, konnte mir leider keiner beantworten. Unter einem Limiter verstehe ich auch, dass er das Auto abbremst und nicht nur meinen Gasfuß zügelt, so ist die Funktion auch von Kia gedacht, leider wiedersetzt sich der cee’d schon bei leichter Bergabfahrt und fährt schneller als die eingestellten 50 km/h.

Der cee’d ist bereit, doch ist Europa es auch?

Fakt ist: Kia ist definitiv auf dem richtigen Weg und hat mit der zweiten Generation des cee’d auch wieder einen Topseller im Programm. Doch die große Frage ist, wie er sich schlussendlich bei der angestrebten jungen Premium-orientieren Kundschaft schlagen wird. Nun, preislich geht es mit 14.490 Euro für den Koreaner mit dem 1.4 CVVT Benziner los. Unser cee’d 1.4 CRDi in der Ausstattungsvariante Spirit wiederum steht da schon um einiges drüber und bringt es auf stattliche 24.620 Euro. Der Klassenprimus Golf packt allerdings auf den Startpreis schon gute 2.500 Euro mehr drauf und hat dafür auch nur ein Fünfganggetriebe und 80 PS aus einem 1.4-Liter-Benziner.

Kia cee'd Innenraum Cockpit Großansicht

Für den Vergleich: ein deutsches Fahrzeug aus dem C-Premium-Segment anzusetzen wäre doch etwas sehr hochgegriffen, dafür fehlt es dem Koreaner noch an solchen Spielereien wie Ziernähten, Leder-Alcantara-Kombinationen im Innenraum und einer größeren Motorenpalette. Dahingegen könnten sich in Zukunft potentielle Golf-Käufer umentscheiden und dem Volks-Wagen den Rücken kehren. Vom äußeren Aspekt steht der Korea Import dem Wolfsburger keinesfalls nach, er ist eben anders, mehr Revolution, aber auch angepasst an europäische Geschmäcker. Vor allem da wo es drauf ankommt können die deutschen Hersteller noch etwas lernen, denn Kia richtet seine Fahrzeuge vor allem auf den Fahrer aus, so gibt es zahlreiche Extras schon in der Serie. Beispiele wären das Sechsganggetriebe oder die Aux/USB-Schnittstelle oder etwa der höhenverstellbare Fahrersitz. Es wird interessant zu verfolgen, wie sich die Verkaufszahlen entwickeln. Das eigens gesteckte Ziel von Kia sind 500.000 Einheiten pro Jahr in Europa abzusetzen.

3 Gedanken zu “Neuer Kia cee’d im Test: Multimedia im Innenraum

  1. Lenkradheizung ist echt ein Highlight… egal ob im neuen 7er, im Opel Corsa oder wie hier im Kia Ceed. Im letzten Winter habe ich mich darüber echt gefreut!

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