Schon bereits bevor ich überraschend die Einladung zum Fahrevent in Dresden bekommen habe, hat mich der neue Volvo V40 optisch mit dem mutigen Design der sonst so kühlen Schweden angesprochen. Die Entscheidung stand also fest, den muss ich mir mal näher anschauen und wenn dann noch der Motor passt, dann haben wir da einen echten Herausforderer im C-Premium-Segment.
Für allen denen C-Premium-Segment kein Begriff ist, die übliche Konkurrenz hatte Stefan zuletzt getestet, gemeint sind Audi A3 Sportback und Mercedes-Benz A-Klasse. Des Weiteren zählt auch noch der neue BMW 1er mit dazu. Der Vierkampf kann also beginnen. Preislich liegt Volvo mit dem neuen V40 schon mal locker in Führung, denn der Schwede kommt zum „Kampfpreis“ – es ist an sich kein Kampfpreis, aber dennoch günstig für diese Fahrzeugklasse – von 24.680 Euro. Dafür gibt es den Einstiegsbenziner mit 150 PS, dabei ist die City Safety-Technologie, die bis 50 km/h im Notfall den Anker wirft, inklusive ebenso wie ein Überroll-Schutzsystem, eine variable Geschwindigkeitsbegrenzung (Limiter), welche hervorragend funktioniert und die DSTC-Fahrdynamikregelung mit Corner Traction Control sowie dem Sportmodus. Egal ob Sport oder nicht, die elektrisch gestützte Lenkung ist ein Spaßbringer, hat man sich erst einmal an sie gewöhnt, so lenkt die Lenkung quasi mit ein, nimmt so die Last vom Fahrer, was wiederum dem Fahrer signalisiert „da geht noch was“, und da geht auch immer noch was.
Da Volvo Kunden aber generell nicht zur Basisausstattung greifen – Aussage von Volvo – sondern eher zu höherwertigen Kinetic- oder Momentum-Linie tendieren, gibt es in diesen Paketen im Prinzip alles, was das Herz begehrt zu einem Aufpreis von rund 1.500 Euro bzw. 2.500 Euro. Die von mir gefahrene Ausstattungsvariante Summum kann ohne Zweifel mit vergleichbaren Ausstattungen der Premium-Konkurrenz mithalten. Die Sitze sind sauber verarbeitet, bieten mehr als genügend Seitenhalt und sind auch auf längeren Fahrten sehr angenehm. Über das sehr empfehlenswerte Entertainmentsystem – satter Klang der Boxen, Audio per Bluetooth sowie USB – lässt sich im Prinzip alles im Auto an-/aus und verstellen. Beispielsweise die Assistenzsysteme sowie DSTC oder jegliche Endgeräte-Integration lässt sich einstellen. Oft genutzte Features wie den Einparkassistent, Spurhalte Assistent, City Safety, Parksensoren und Eco Drive Mode lassen sich direkt in der Mittelkonsole bedienen.
T3 150 PS Benziner – der Einstiegssportler
Beim ersten hinhören fällt bei der T3-Motorisierung vor allem eines auf – der klingt richtig gut im Innenraum. Die Akustiker haben genau das dumpfe und bestimmende Geräusch in den Innenraum geleitet, was mir persönlich an einem Benziner immer sehr gefällt. Mit geöffneten Fenstern setzt der V40 dann noch einen drauf und macht schon fast auf Sportler. Was da hinten rauskommt, kann sich wirklich hören lassen. Es ist keinesfalls ein prolliges Geräusch, dass die Abgasanlage da von sich gibt, einfach eben ein bestimmtes und sehr fein abgestimmte Klangkulisse.
Rein von der Leistung reicht der Einstiegsbenziner für den Alltag völlig aus, er könnte ein bisschen mehr Drehmoment vertragen, so zieht er bei 80 km/h im 6. Gang nicht ganz so locker weg wie sein Dieselbruder, aber solche Vergleiche sind eher fehl am Platz. Trotz sportlicher Fahrweise hat er sich dann nur 9,1l/100km im Mix von Autobahn, Landstraße und Stadt genommen, was völlig akzeptabel ist. Dazu sei gesagt, bei 30° C hat die Klimaanlage einen guten Job geleistet, spart man diese ein, und passt die Fahrweise einem ökonomischen Fahrstil an, sollte man den Verbrauch ohne Probleme in den Bereich von sieben, acht Litern bekommen.
Die Sechsgang-Schaltung macht einen guten Eindruck, lässt sie sich doch ebenso effizient, wie auch sportlich bedienen. Genauso liegt der Schaltknauf an sich gut in der Hand, so macht Autofahren Spaß.
D2 115 PS Diesel – Spardiesel mit Restpotential
Mit 94g CO2/km legt der Volvo V40 im C-Segment die Messlatte neu auf, auch seine Dieselbrüder erinnern mit 114g CO2/km keinesfalls mehr an die Zeiten, in denen Diesel als Umweltschänder abgetan wurden. Für die Fahrt mit dem D2 Motor hatte ich mir eine sparsame und effiziente Fahrweise vorgenommen, bin aber nicht im Entferntesten an den angegeben Wert von 3,6l/100km herangekommen. Letztendlich sind es 5,1l/100km geworden, was immer noch ein akzeptabler Wert ist, aber noch Potential nach oben hin offen lässt. Bei einem größeren Testzeitraum könnte man dem Wert eventuell gefährlich nahe kommen, es bleibt dennoch schwierig. Angesichts dessen, dass der Verbrauch beim großen Diesel bei sportlicher Fahrweise nur unwesentlich höher lag, würde ich vom kleinen Diesel absehen, denn angesichts des Optionsverlusts auch einmal Gas zu geben, rechnet sich die 1,6l-Diesel-Motorisierung nicht.
Natürlich richtet sich dieser Motor auch eher an Sparfüchse, die sowohl Umweltbewusst als auch bei Bedarf etwas zügiger vorankommen wollen. Dafür reicht es mit 190 km/h Höchstgeschwindigkeit allemal.
D4 177 PS Diesel – Der Benchmark für die Konkurrenz
Die erste und zugleich beeindruckenste Fahrt, war die in der Diesel-Topmotorisierung mit 177 PS aus dem Reihenfünfzylinder mit Turboaufladung – pure Fahrfreude gepaart mit einem Grinsen an der Zapfsäule. Aber halt?! Fünfzylinder, da müsste doch mehr gehen! Klar mehr geht immer, doch macht es Sinn? Die 400 Nm sind mehr als ausreichend und ein Traum für schaltfaule Fahrer wie mich. Selbst bei 60km/h zieht der Diesel im sechsten Gang sauber, ohne ruckeln nach vorne. Meiner Meinung nach muss der Fünfzylinder nicht mehr Leistung auf dem Prüfstand zeigen, denn so wie er jetzt da steht, ist er eine Kaufempfehlung wert. Die Leistungsentfaltung ist zwar auf dem Papier ähnlich wie jegliches Leistungspapier, also eine auf den Kopf gedrehte U-Kurve, aber gefühlt geht es exponentiell ohne Unterbrechung nach vorne. Wer schnell am Sechsganggetriebe ist, der wird so einige größer motorisierte Fahrzeuge an der Ampel, sowie auch auf der Autobahn „stehen lassen“.
Wie bereits angesprochen ist der D4 Diesel enorm umweltfreundlich und selbst bei sportlicher Fahrweise mit 7,1l/100km genügsam. Schnell und sportlich fahren und dabei noch sparen, was will man mehr? Fahrspaß muss nicht immer teuer sein.
Das Design ein gewagter Volltreffer
Mit dem Design hat Volvo nicht etwa einen Stilbruch begangen, wohl aber Traditionen aufleben lassen, so versteckt sich in der Seitenlinie der Volvo P1800, genauso wie die Front das typische neue Markengesicht trägt. Auf den Straßen von Dresden hat sich aber herausgestellt, dass die Leute erkennen, was da vor ihnen steht. So kam einerseits ein jüngerer Geschäftsmann mit seinen Fragen, wie auch ein älteres Ehepaar, dass bereits einen V40 Kombi besitzt und schon einen ersten Blick auf das neue Modell geworfen hatte, auf mich zu. Man sieht, die Fans sowie Interessierte zieht das Auto gleichermaßen an. Es drehte sich dann doch immer mal wieder der eine oder andere Kopf nach dem V40 um.
Wie bereits erwähnt, hat der V40 meine Blicke schon immer auf sich gezogen, auch nach diesem Tag bei schönstem Sonnenschein, zählt der V40 für mich zu einer der gelungensten Neuerscheinungen in diesem Jahr. Zwar ist mir die große City Safety-Einheit im oberen Teil der Windschutzscheibe ein echter Dorn im Auge (eine Ampelanlage rechts vom Auto ist extrem schwer bis gar nicht in normaler Haltung einzusehen) aber auf das gesamte Auto gerechnet kann ich das hinnehmen. Denn das Gesamtkonzept stimmt einfach: für eine angemessene Summe, bekomme ich ein Auto, das sowohl nicht nur vom Werbetext sondern auch in der Realität als eines der sichersten Autos der Welt gilt, und wohl definitiv das sicherste seiner Klasse. Des Weiteren gibt es spritzige Motoren, die Laune machen aber trotzdem den Geldbeutel nicht zu sehr belasten und einfache aber doch umfangreiche Technik (teilweise gegen Aufpreis), die sich ganz einfach über einen Wahldrehhebel betätigen lässt und das erste iDrive-System im Regen stehen lässt.
Wie das eben bei Premium-Herstellern so ist, die Aufpreisliste kennt kaum Grenzen, so ist es natürlich auch irgendwie bei den Schweden. Beispielsweise der 8-Zoll-TFT-Crystal-Bildschirm, der leider nur gegen Aufpreis zu haben ist, aber dafür jeden Cent wert. Verschiedene Beleuchtungen und Layouts stellt das Informationssystem dem Fahrer dar, wo früher mal die altbackenden Anzeigen wie Drehzahlmesser oder Geschwindigkeitsanzeige waren. Grüne Eco-Beleuchtung, Eleganz in edlem braun oder Performance mit großem digitalem Drehzahlmesser in sportlichem rot. Hier wird jeder seine favorisierte Einstellung finden. Zudem wird so alles übersichtlich angezeigt, welche Geschwindigkeit gerade gefahren werden darf, in wie viel Meter man demnächst abbiegen muss und wann man wieder einmal die Tankstelle aufsuchen sollte.
Sicherer geht’s nicht – Jedenfalls nicht in dieser Klasse!
Fußgänger-Airbag, Fahrer-Knieairbag in der Basisausstattung, Seitenaufprall-Schutz, Schleudertrauma-Schutzsystem, City Safety, Cross Traffic Alert, Spurhalte-Assistent, Blind Spot Information System (BLIS), Driver Alert System oder das aktive Fernlicht. Kurzum, sollte ich jemals in einen Unfall verwickelt sein, dann bitte in oder außerhalb eines Volvos. Nicht nur ist die Karosserie so optimiert, das die Energie bei einem Aufprall so absorbiert wird, dass so wenig wie möglich davon auf die Insassen übertragen wird, sondern auch die Passanten sind bestens geschützt sollten alle der vielen, vielen Präventionssystem versagen und es doch zu einer Kollision kommen.
Alle Signale und Warnungen lassen sich bei Bedarf über das Infotainment System in der Mittelkonsole auch abschalten, sollte das Blinken und das Piepen zu sehr stören, doch wer will, wird so schnell wohl nicht mehr an einem Unfall teilnehmen. Neben City Safety gibt es noch ein weiteres Notbremssystem, das im Falle einer Kollision sogar bis zu einer Geschwindigkeit von 200km/h vollständig auf 0km/h herunterbremst bzw. es zumindest versucht, je nachdem wie viel Wegstrecke noch frei ist. In höheren Klassen inzwischen schon fast Standard ist der Spurhalte-Assistent der durch Vibration im Lenkrad, den Fahrer nicht nur hinweist, dass er die Spur verlässt, sondern auch durch die Vibration selbst die Richtung zurück auf die Straße vorgibt. Die Geschwindigkeitsregelanlage, umgangssprachlich Tempomant genannt, nutzt zudem auch alle vorhandenen elektronischen Systeme, einmal eingestellt auf bspw. 130 km/h hält er die Geschwindigkeit bis es die Verkehrslage nicht mehr ermöglicht. Soll heißen, sobald ein anderer Verkehrsteilnehmer die Spur kreuzt, bremst der V40 automatisch ab, hält den nötigen Sicherheitsabstand (ist werksseitig vorgegeben) und beschleunigt anschließend auch wieder von selbst.
Fazit: Es wird spannend im C-Premium Segment
Der Kampf kann also beginnen, ich konnte in Dresden mit dem neuen Volvo V40 viele Blicke ernten, zudem haben sich einige gewagt mich zum Auto anzusprechen. Ich kann nun leider nicht für Stefan sprechen, ob es ihm im Ausland mit Audi A3 und Mercedes-Benz A-Klasse ähnlich ging, da es sich dort mit der Kommunikation immer etwas schwieriger gestaltet. In meinen Augen steht der V40 sehr gut da, alleine die durchdachte und vor allem funktionale Sicherheitselektronik ist ein ganz eigener Punkt, bei dem keiner der Konkurrenten so recht mithalten kann. Zwar steigt der Preis bei einem vollausgestatten V40 schnell auf 48.000 Euro, doch in dieser Klasse ist das keine Seltenheit, denn dort halten sich auch A-Klasse, A3 und 1er auf. Der V40 ist keinesfalls nicht mehr nur ein Auto für Individualisten, die kein Auto fahren wollen, dass schon jeder kennt, sondern auch für Menschen, die auf ein hohes Maß an guter Verarbeitung, Sicherheit für sich selbst und andere und Freude an einem außergewöhnlichen Design haben.










“Die Leistungsentfaltung ist zwar auf dem Papier ähnlich wie jegliches Leistungspapier, also eine auf den Kopf gedrehte U-Kurve, aber gefühlt geht es exponentiell ohne Unterbrechung nach vorne”
Uhm.. meinst du mit der umgedrehten U-Kurve Leistung oder Drehmoment? Eine Leistungskurve sieht immer so aus, dass es konstant nach vorne geht liegt ja dann an einem sauberen Drehmoment-Plateau.
Und meinst du exponentiell oder linear?
Die Instrumente sehen echt cool aus, auch wenn ich eigentlich keine digitalen Tachos mag..
Schöner Eindruck jedenfalls vom V40, danke!
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